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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-12-25 · N° 52. (25.12.1889) · p. Seite 208

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 52. (25.12.1889)
Date
1889-12-25
Page
Seite 208 (sequence 3)
Language
German
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— 208 — b) Die Lehrer derselben öffentlich anzuerkennen. ' 0) Wenn äerenissimas die Anstalt als einen der Aufmerksamkeit würdigen Gegenstand betrachte, desfallsige Berichte vom zeitigen Direotor Schottländer einzufordern und das Nöthige an diesen auch direct gelangen za lassen. ' d) Bei Besetzung der Lehrerstellen an den jüdisehen Landesschulen oder sonstiger kirchlicher Stellen in den jüdischen Gemeinden die Subjecte nur der Anstalt in Seesen zu entnehmen, vorausgesetzt, dass solche vorhanden sind. e) Den ehemaligen Schülern, welche bei Handwerkern in Seesen eingeschrieben sind, nach deren Ausschreibung, wenn sie ein Zeugniss über Geschickliohkeit und Wohlverhalten beibringen, zu gestatten, sich als Meister im Lande niederzulassen u. eine gleiche Gnade auch denen zuTheil werden zu lassen, die sich den Künsten, Wissenschaften oder der Oeconomie widmen. Noch an demselben Tage, an dem Jacobson seine Wünsche zu Papier gebracht, am 20. Juni 1806, erhielt er mit einigen Modificationen deren Bewilligung in allen Punkten. Besonderer bereit liegender Summen bedürfe man einstweilen nicht, darum werde der Kammer-Agent auf ein Jahrgehalt von selbst verzichten. Als ein Merkmal der Gnade Serenissimi werde ihm aber l'ouiage für 4 Pferde bewilligt. Die Söhne Herz Samsons sollen in Rücksicht auf die Interessen des Kammer-Agenten thunlichst berücksichtigt werden. Nathan Jacob soll einen Schutzbriet lösen und dabei alles Nähere bestimmt werden. Bedenken werden gehegt in Betreff der Meistersohaft jüdischer Handwerker, lieber wolle man denselben Conoessionen ertheilen. Ueber einige Punkte, welche die Staats-Einnahmen berühren, so betreffs der Entree-Gelder müsse erst die General-Zoll- und Accise-Direction gehört werden. Der Herzog sowohl wie auch sein Hot Hessen es nioht an Ehrenbezeugungen fehlen, um Jacobson von der Bitterkeit zu betreien, welche die erzählten Vorgänge in seinem Herzen zurückgelassen haben mochten.! Diesem Zwecke diente auch ein Fest,*) welches ihm zu Ehren von der Fürstin-Aebtissifi zu Gandersheim, Augeste Dorothea, der geistreichen Schwester des Herzogs, am 8. October 1806 gegeben wurde. Alles, was Gandersheim und Umgegend an ausgezeichneten Männern und Frauen besass, war eingeladen worden und sass in dem grossen Kaisersaale auf der Abtei versammelt, in ihrer Mitte der nichts ahnende Jacobson. Die Fürstiu hatte wegen tiefer Trauer um den Tod des Erbprinzen an dem Feste selbst nioht Theil nehmen können. Erst zu Ende des Mahles ersc hien sie, wie um der Gesellschaft einen kurzen Besuch abzustatten, gefolgt von ihren Hofdamen, und unter diesen die beiden schönen Töchter ihres Hofpredigers des Generalsuperintendenten Klügel. Die zwei jungen Damen, welche die durch die Bande der Freundschaft endlich vereinten Genien des Vaterlandes und Israels darstellten,*) setzten Jacobson, der sichj der Fürstin ehrerbietig genähert, um ihr seinen Respect zu bezeigen, eine von der Fürstin selbst aus Eiohenlaub künstlich gewundene Krone der Bürgertugend auf das Haupt, und die Aelteste declamirte dabei folgende Verse: ") V־ Stromdeck, Darstellungen aus meinem Leben I, 3<'.צ f, lässt diesem Feste die Einweihung des Tempels in Seesen vorausgelien. Das ist jedoch ein Irrthum, denn der Tempel wurde erst am 17. Juli 1810 eingeweiht. Das Fest konnte mithin auch nicht den Zweck haben, Jacobson als ״Tempel- Stifter“ zu feiern. *) v. Strombeck, handschriftlich im Laudes-Hauptarchive zu Wolfenbilttel. ״Dich riet, ein unterdrücktes Volk zu heben. Nach langer, schwerer Zeit die Vorsehung. Verlass'nen brachtest Da ein neues Leben, Und es zu thun — die» war Dir Lohn genung. Du sah’st die Flamm’ erloschen, edler Mann, Und fachst sie kräftig an zu neuem Glanz; Du zeigst, was Tugend, Math und Arbeit kann: Darum empfange jetzt den Bärgerkranz “ , Jacobsou, erzählt v. Strombeck, auf das äusserste überrascht uud auf das tiefste gerührt, fast unfähig zu reden, beugte das Knie vor der edlen Fürstin, nahm den Kranz vom Haupte und drückte ihn an seine Brust, mit den Worten: ״Der Kranz soll einst mit in meinen Sarg.“ Wenige Tage nach diesem Feste erfolgte die anglückliche Schlacht bei Jena. Die mörderische Kugel, welche den Herzog hinstreckte und das Land Braunschweig seines Vaters*) beraubte, sie verwaiste auoh Jacobson. Er fühlte sich verlassen, ohne Halt und Stütze. Wer sollte ihn nunmehr schützen und stützen,׳ wenn seine Gegner ihm wieder das Herz verwundeten! Und an Gelegenheit hierzu konnte es nicht fehlen. Amt und Pflicht fesselten ihn auch nicht mehr; denn nach der Flucht des Fürstenhauses gab es keine Kammeragentur mehr. Er führte darum. au9, wozu! er vor Kurzem schon entschlossen wai, er verliess Braunschweig. Dass er gerade Gas sei wählte, das hatte vorzüglich darin seinen Grund, dass hochstehende, ihm befreundete Persönlichkeiten ihn naoh dort eingeladen und ihm nahe gelegt hatten, wie besonders segensreich er von dort aus für seine Glaubensgenossen werde wirken können.*) (Schluss folgt.) Was man in England heutzutage von Heinrich Heine denkt. Bekanntlich war Göthe, wie es so viele andere Helden der Feder vor und naoh ihm waren, kein allzugrosser Judenfreund. Seiner Abneigung gegen die Anhänger des Judenthums gab er namentHoh in seinem ״Wilhelm Meister“ III 0. 11 Ausdruck, indem er daselbst sagt: ״Wir dulden folgerecht keinen Juden unter uns, denn wie sollten wir ihm den Aatheil au der höohsten Cultur vergönnen, deren Urspruug und Herkommen er verleugnet?“ Diesem Urtheile vJJ!■ kommen entsprechend, war auch die Kälte und Herabl&ssung mit der Qötbe Heinrich Heine empfing, als dieser ihn einst in seinem Hause besuchte. Warum? Weil er einer Race entstammte, die dem grossen deutschen Dichter abhold war. Ganz anders behaidelte Göthe aber den aristokratischen Dichter Byrai, als dieser ihm seine Aufwartung maohte. Ja, d«r junge Brite, der Dichter des ״Manfeld“ und ״Child! Herold“, machte auf Göthe einen solohen ausser• ordentlichen Eindruck, dass letzterer in ihm den* Mann erblickte, den er selbst in seinem ״Faust“ und ״Wilhelm Meister“ als den wirklichen Repräsentanten! einer neuen Generation gezeichnet, welche die Fähige keit besitzen wird, ״Heiterkeit mit Selbstbewusstsein*! in sich zu vereinigen. j Die Quarterly Revieu, eine der ältesten und an* gesehensten Vierteljahrsohriften Englands, brachte kürzlich einen, Heinrich Heine betitelten Aufsatz) worin der besagte Punkt besprochen wird. Der Verfasser desselben sucht darin nachzuweisen, dass nicht Byron, sondern vielmehr Heine fortdauern wird, das Sinnbild eines Jahrhunderts zu sein, worin das Ro- *) Sei uns, was uns unser Vater war, stand aut der Elirenplorte der Stadt Braunschweig zum Empfange <les Königs Jer&me. J *) Arnheim: Die Jacobson-Schule Seite 5.

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