Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 51. (19.12.1889)
- Date
- 1889-12-19
- Page
- Seite 205 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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—< ־20 liegt wohl keinem Zweifel, dass, wie die griechische Mythologie sehr Vieles dem Orient entnahm, so aaoh die religiösen Ideen der Jaden au den Qrieohen kamen und deren Wahrheit von Männern wie Sokrates und Plato erkannt wurde. Für die ägyptisoh-hellenistische Periode steht es geschichtlich lest, dass die Beligionsbücher und -Schriften der Jaden im hellenistischen Gewände au den Griechen kamen. Auch das Christenthum fand hierdurch für seiue jüdischen Ideen die Gemeinden Griechenlands anerst vorbereitet und in ihnen entgegenkommende Aufnahme. Der Hellenismus maohte zwar auch umgekehrt seinen Einfluss auf die Juden geltend, jedooh war das Judenthum zum Theil gezwungen, zu seiner eigenen ErhakuDg 8ioh oft abwehrend dagegen zu verhalten. Das richtige Verhältnis beider zu einander ist schon in der heiligen Schrift dahin angedeutet, dass die religiösen Wahrheiten des Judenthums von den Hellenen anerkannt werden müssten, dass dagegen die Ideen und Formen der sohönen Künste von den Hellenen entlehnt werden sollten. So heisst es Gen. 9,27 :*j ״Gott wird Jaf'et’s (Hellas) schöne Künste zur Ausbreitung und Anerkennung bringen, aber Jafet (die Hellenen) müssen in Sem’s (des Jadenthums) Zelten wohnen“, um dort die wahre Gotteserkenntniss und Sittlichkeit zu erlernen und anzunehmen. Die Lehre von Gott und Sittlichkeit hat demnaoh die Welt von den Juden erhalten; die Lehren und Formen der Kunst aber sind der Welt von den Hellenen übermittelt worden. Wenn diese auch nicht durchweg den Hellenen ursprünglich sind, so haben sie dooh bei ihnen olassisohe Aufnahme und Pflege gefanden. Hellas und Judäa sind demnaoh für die Welt die alten Träger und Vermittler ihres geistigen Eigenthums. R-A. Kecensionen. Steckelmaclier, Dr. M., Stadtrabbiner in Mannheim, Die Gottesidee der Offenbarung und des Heidenthums im Liohte eines neuen Unterscheidungsmerkmals betrachtet. J. Bensheimer, Mannheim. (Forts.) Der vorschauende Blick, den nun der Herr Verfasser im Hinblick auf die künftige Werthschätzung des Steinheim’sehen Princips für die religionsphilosophischen Bestrebungen, unternommen hat, bietet zweifelsohne die verlockende Anregung dar, einen eigenen Versuoh zu wagen zur Ermittelung dessen, in welchem Maasse und in weloher Weise etwa, naoh den bisher gewonnenen geschichtlichen Erfahrungen von dem Weben des menschlichen Geistes, diese Werthschätzung sioh gestalten möchte. Eine treffliehe geschichtliche Bemerkung ist es, wenn Form- Stecher sagt. **) ״Die innere und äussere Gestaltung des Judenthums wird bedingt von 8ein6r eigenen Weltanschauung und von der seiner Umgebung, darum trägt es sein eigenes Golorit in der Mitte des Heidenthtuns y ein anderes in der des Islams und wieder ein anderes in der des Christenthums.“ Dass nun dieser geschichtliche Prozess, der durch äussere Einflüsse hervorgerufen wird, nunmehr seinen Ab- Schluss erreicht habe, wird Niemand, der auch nur ') יפת von פתה gleich ״ פתחThür, Balm brechen“. Gleichzeitig iy in יפת auf dte Ableitung von ״ יפהschon" angespielt. .16’״ heis3t '״ יפתה לבבorten stehen“ (פתח ist kend ^iVw״*nd^ Ji,htir1(ThÖrÖttnuJ"g)' ׳ילת von ״ דלד׳icüwan־ {!“ li"1; h,u ';nd her bewegen, die schlies.sbare Thür (Thür- «uSJ ’ “emnach: em orten *teilendes Herz ist ein leicht ver- ”da8,s nichl °llä״ st*he euer Herz, d. h. nicht leicht verführt werde“. *) ״Die Religion des Geistes“ Seite 419. die in religiösen Tönen erschallenden Lockrufe vernimmt za behaupten wagen; wir sind zwar reich genug, um uns unseres 80 kostbaren, unvergänglichen Sohatzes aus vollster Seele zu freuen, aber es wird, in leioht begreiflicher Missgunst, das Jadentham stets im Spiegel geistiger and sittlicher Armuth gezeigt. In Lavaters Zeitalter gestand man es ans wenigstens ■u, dass aaoh wir in unserem Glaubenskreise zur höchsten Moralität und Glückseligkeit gelangen können, wenn auch nicht auf dem geschwindesten Wege; in unseren Tagen scheint aaoh dieses Bewusstsein abbanden gekommen zu sein durch mehr oder minder bewusste Trübung unserer geschichtlichen Quellen and unseres Sohriftthums überhaupt. Wir sind daher noch nicht zur erwünschten Bane gekommen, um mit Müsse das Reich der absoluten Wahrheiten, die das Jadenthum enthält, auferbauen zu können; vielmehr besteht für uns nooh, naoh wie vor, die in doppelter Beziehung bedeutungsvollste Aufgabe darin, den Hinweis und den Naohweis von dem Vernunftgemässen und sittlichen Inhalt des Judenthums immer wieder zu erneuern; aas diesem Grunde ist auoh jede zu klaren und begründeten Ergebnissen führende, vergleichende Beligionsbetraohtung von geradezu uuschätzbarem Werth. Denn daroh diesen Hinweis und Nachweis errichten wir nicht nur naoh Aussen hin das mächtigste Bollwerk, sondern festigen aaoh die Schwankenden in unserer eigenen Mitte; ein Bollwerk übrigens auoh in dem Sinne, dass sobald I der vemunftgemässe und sittliche Inhalt des Jaden- 1 thums erwiesen ist, nie und «immer die Aufhebung : dieser Lehren beanspruoht werden kann durch irgend eiDe andere, sioh als Offenbarung ausgebende ZusammensetzuDg von religiösen Vorstellungen. Der menschliche Geist, er wird nun, wie die Erfahrung lehrt, von Natur nur dann zur Anerkennung einer j Lehre veranlasst, wenn sie den logisohea Gesetzen! seines Denkens entspricht; je tiefer und ausreichender das Verständniss dieser Lehre sioh in ihm entwickelt hat, desto mächtiger entwickelt sioh in ihm auoh von selbst das Gefühl der Bewunderung für den inneren Gehalt dieser Lehre und beziehungsweise auoh für den prägnanten Ausdruck derselben. Aber auf diese'Denkthätigkeit folgt dann auoh nooh von selbst ein anderer, in psychologischer Beziehung merkwürdiger Denkprooess, die Untersuchung dessen, ob der Geist im Stande gewesen wäre, diese Lehre aus sioh selbst zu erzeugen. So nun wird der mensohliehe Geist von selbst geleitet oder gedrängt zu der Frage nach dem göttliohen oder menschlichen Ursprung der religiösen Lehren und dies um so mehr, je reicher sioh in ihm das Verständniss entwickelt hat für den Wahrheitsgehalt und die Bedeutung dieser Lehren. Ein solches Verständniss gehört noch in das Grenzgebiet der religiösen Ueberzeugnng selbst, auf die der Einzelne Anspruch macht; die nähere Untersuohung dessen, welche der religiösen Lehren göttliehen Ursprung sein müssen und welche wiederum auch dem menschlichen Geiste entspringen konnte□, das scheint uns die eigentlichste Aufgabe der Reli• gionsphilosophie zu sein, die wir demgemäss deflniren möchten als die Wissenschaft von den göttliehen und natürlichen Wahrheiten in gder Religion. Aber selbst auch demjenigen, der sioh zu diesen Höhen der Speculatiou nicht erheben kanu, oder andererseits mit den stolzen Worten Hartmanns nur von ״ selbstgeschaffenen Moralprincipien“ redet, muss billiger weise, wenn er die thatsäohliche Cuiturent- Wicklung der Menschheit mit wahrhaft geschichtlichem Sinne übersohaut, die Summe all der in dem Offenbarungsinhalte niedergelegten Lehren ein ungemessenes