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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-12-19 · N° 51. (19.12.1889) · p. Seite 204

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 51. (19.12.1889)
Date
1889-12-19
Page
Seite 204 (sequence 2)
Language
German
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— 204 — dagegen, man rückt mir und ihm unser Religion»- System vor, man protestirt feierlichst, und da die Polizei sich gegen die Innung erklärt, wagt es die Kaufmannschaft ihr Unglück dem Lande drohenden Ruin herbeiführenden, die ganze Verfassung umstossenden Beschwerden dem das Vaterland repräsentuenden Collegio der Landschaft vorzutragen, das sich dadurch gezwungen sieht, Vorstellungen meinem gnädigsten Fürsten zu überreichen. Ich kenne genau die Fäden, welche diese Conspiration leiten, genau die Menschen, die solche Pläne zu unterstützen sich erlauben können — ich bin zu stolz ihnen entgegen zu arbeiten, und zu dankbar für die Huld meines Fürsten, als dass ich es wünschen sollte, Sohritte gegen die Landschaft, gegen die Kaufmannschaft zu veranlassen, die einem so menschlich, so edel fühlenden Fürsten das Herz verwunden müssen. Dem Einschreiben meines Sohnes konnte unmöglich dio Kaufmannsgilde entgegenstehen, weil bei deren Bestätigung das landesherrliche Recht sich Vorbehalten, dieselbe mindern, mehren und abändern | zu können. Was die Landschaft dagegen eingewandt! hat, ist mir völlig unbekannt, soviel glaube ich aber, j dass der § 26 des Landtags-Abschieds von 1777 nur j die Aufnahme zu vieler jüdischer Nation zum Nachtheil des gemeinen Wesens beschränken will, dieser j Fall kommt aber hier durchaus nicht zur Frage. I Wüsste die Kaufmannschaft, welche Anerbietungen i bereits meinem Sohne gemacht, von ihm aber aus- ' geschlagen worden sind, sie würde es wahrlich nicht glauben, dass er es für ein Qlück halten könnte, mit einem aus ihfer Mitte zu rivalisiren. Allein welche Vortheile kann ich, können die Meinigen von der hohen Gnade eines Fürsten in einem Lande erhoffen, wo man zum Drucke meiner Nation ein durch Verdienst erworbenes uuerbeten ertheiltes Bürgerrecht nicht einmal in Ausübung zu bringen versuchen darf, ohne das ganze Land, ohne den bedeutendsten Kaufmannstand gegen sich autzubringen. Welche Vortheile werde ich den gedrückten Bürgern meines Glaubens in diesem Laude verschaffen zu können Hoffnung haben? Werde ich es nicht selbst als ein Glück bej trachten müssen, wenn man mich׳ nicht nach der | Verordnung vom 1. Docember 1686 zwingt, auf dem | Bruche zu wohnen, es mir nicht nach dem § 3!) der j Wechselordnung zur Pflicht macht, jedem, der aut j mich einen Wechsel hat, die Geldsumme bei Gefahr j des Verlustes ins Haus zu bringen? Noch sind beide Gesetze nicht aufgehoben! Soll ich aus Dankbarkeit gegeu die Huld meines .Fürsten denselben mit der Landschaft in unangenehme Verhältnisse bringen? Diese Entehrung meiuer Denk- und Handlungsweise soll mir nicht vorgeworfen werden können! — Ich scheide von hier mit innig gerührtem Herzen für das viele Gute, das mein gnädigster Fürst mir erwiesen hat, aber auch mit dem . peinigenden Gefühle, dass es dem besten Fürsten nicht möglich war, selbst den begünstigsteu Bürger meines Glaubens gegeu Unannehmlichkeiten sicher zu stellen, deren fernere Ertragung mir den Rest eines inühevollen Lebens verbittern, mich zu nutzbarer Thätigkeit unfähig machen würde. Mein seitheriger Wirkungskreis iuteressirt ein sehr grosses Publicum. Diesem bin ich es schuldig, die Gründe zu nennen, welche mich entscheidend bestimmen mussten, ein Land zu verlassen, dessen gluckliehe Verfassung beneidet wird, dem ich sehr viel verdanke. Ich werde es öffentlich bekannt machen, dass nur die hohe Achtung vor der Person meines Fürsten mir den Abschied erschweren konnte, dass ich mich aler von Menschen umgebeu sah, die kleinlieber Neid über ein durch Tnätigkeit erworbenes Vermögen zu meinen Neidern machte, die im hohen Dünkel eigenen Werthes jedes bescheidene Verdienet za vernichten bemüht waren, dmeen Menschenwürde ein Unding ist, deren beschränkter Kopf, deren be. engte■ Herz von Vorurtheilen beherrscht wird, die zur Ehre der Menschheit längst vertilgt ■ein sollten, von Menschen, die unter der Larve der Dankbarkeit für genossene Wohlthaten sich zu Vertheidigern der Bosheit und jedes Verstosses gegen die natürlichen Menschenrechte erniedrigen können. Ich werde diese Menschen namhaft machen, und vielleicht dadurch eineu Theil der Sohuld tilgen, zu welcher ich dem : braunschweigischeu Lande verpflichtet bin. Meinem ] Institute in Seesen soll ungeschmälert der ihm bestimmte Fonds verbleiben und den Armen in Braunschweig nichts von dem entzogen werden, was ioh in der reinsten Absicht nützlioh zu werden ihnen zusicherte. Ich wiederhole meine Bitte und ersterbe Braunschweig, 8. Juni 1806. Ew. Herzog!. Durohlauoht untertänigster Knecht Israel Jaoobsohn.“ Sofort nach erfolgter Kenntnisnahme von dem vorstehendem Entlassungsgesuohe beigefügten Begleitschreiben schrieb der Herzog eigenhändig an Jacobsohn: ״Mein lieber Herr Kammer-Agent Israel Jacobson! Mit besonderer Theilnahme habe loh Ihren Vorsatz, die hiesige Stadt verlassen zu wollen, erfahren, und loh darf gestehen, dass Mir derselbe um so unerwarteter war, da Ich jederzeit an Ihrer Zufriedenheit mit dem hiesigen Aufenthalte aufrichtigen Antheil genommen und dazu nach Meinen Kräften beizutragen mit Vergnügen mir zur Pflicht gemaoht habe. Ich ersuche Sie, die Ausführung Ihres Vorhabens wenigstens nicht zu beeilen, indem Ich Mir schmeichele, dass, weun Mir nähere Aufklärungen über den Inhält der Ihrem gefälligen Schreiben beigefügten Anlage zugehen, vielleicht eine Abänderung in dem von Ihnen gefassten Entschlüsse Meinem Wunsche gemäss herbeigeführt werden könne. Mit vieler Hochschätzung bin Ich jederzeit Braunschweig, am 0. Juni 1806. Ihr ganz ergebener (Schluss folg!.) Carl Wilhelm Ferdinand.“ Hellas und Judäa. Die Museen weisen Zeuge auf, welche den ägyptischen Mumien als Hülle gedient haben und in schönster Kunst eingestiokte oder -gewebte Figuren und Zeiohnungen enthalten. Man erkennt, dass sie den Griechen als Muster und Vorbilder gedient haben und von ihnen nachgeahmt worden sind, denn die Kunst der Griechen ist viel jünger, als die der Aegypter. Auch sind es nicht nur Kunsterzeugnisse der Aegypter, sondern auch der Perser und anderer orientalischen Völkerschaften, welche durch die Hand der Aegypter, Phönizier oder Anderer vom Osten zum Westen ge- Irageu wurden und so zu den Griechen kamen. Es ן ist hieraus tiir die alte Zeit aufs neue die Abhängigkeit des Westens vom Osten erwiesen und specied dargethau, dass Griechenland mit seiner Wissenschaft und Kunst nicht die Ursprünglichkeit vertritt, welche ihm für die Zeit des classisohen Alterthums zuerkannt wird, und zwar bis auf den heutigen Tag. Iadess ist auzuerkennen, dass Griechenland vorzugsweise für das Schöne emplänglioh war, und nicht nur di,e Männer der Wissenschaft und Kunst gingen ihm und ' seiner Pflege nach, sondern sie fanden auch dafür Boden und Aufnahme bei ihrem Volke. Es unter

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