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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-12-19 · N° 51. (19.12.1889) · p. Seite 206

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 51. (19.12.1889)
Date
1889-12-19
Page
Seite 206 (sequence 4)
Language
German
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*206 Erstaunen' abnöthigen und zur Ueberzeugung von dem göttlichen Ursprünge dieser als vernunttgemäss und aittlioh erkannten Lehren führen. Jeder besonnene Mensch weiss es schon aus der eigenen Erfahrung des täglichen Lebens, welcher Beharrlichkeit des Denkens es in wichtigen Fragen bedarf, um zu einer klaren, allseitig begründeten Entscheidung zu gelangen. ־Wie überwältigend muss auf ihn der Anblick der überreichen Fülle der Offenbarungslehren wirken, da er bei jeder einzelnen derselben erkennt — mit des Herrn Verfassers trefflichen ־Worten zu reden — ״dass wir es in ihr nicht mit einem un- I sicher tastenden, kindlich fabelnden oder nebelhaft philosophirenden Hypostasiren zu thun haben, sondern mit einem von vornherein das Siegel der Objectivität tragenden Gedanken . . .“ Also schon durch die überreiche Fülle ihres .objectiven Inhaltes, den die Offenbarung enthält, weist sie mit NothWendigkeit auf ihren göttlichen Ursprung hin; diese Ueberzeugung wird im denkenden Geiste jedes Einzelnen einen weiteren festen Stützpunkt finden, in Folge der vermittelst höherer Speculation gewonnenen Erkenntniss, dass die weitaus überwiegende Mehrheit dieser! als vernunftgemäss und sittlich erkannten Lehren; nicht aus dem eigenen Geiste des Menschen oder aus dessen Gemüthe entspringen können. In dieser Weise möchte, unseres Erachtens nach, das Maass der Werthschätzung und Geltung zu bestimmen sein, das dem Steinheim’schen Princip zweifelsohne zuerkannt werden muss; wollten wir demselben eine primäre Bedeutung zumessen, so müssten wir überdies die ן practische Verwerthung dieses Princips, wie wir eben | nachgewiesen zu haben glauben, auch für andere | Glaubenskreise als zulässig erachten und in der That 1 wurde diese Verwerthung bereits in den früheren i scholastischen!Systemen der einzelnen Glaubenskreise i in ausgiebiger Weise unternommen. | Des Weiteren bezieht sich der Herr Verfasser auf den, wie es scheint, auch von ihm selbst vertre- . tenen Nachweis Steinheims, dass es gleichsam ver- ' hängnissartig in der dialektischen Natur des menschliehen Denkens liege, dass es lediglich sich selber folgend, nur zur Vielgötterei, zur Ewigkeit der Materie, zum Determinismus u. s. f'., ’ also zum schnurstracks graden Gegentheil von dem gelange, von dem, was die Offenbarung lehrt.“ Dieser Nachweis dürfte, was; die ״Vielgötterei“ anbelangt, doch eine wesentliche j Berichtigung erfahren im Hinblick aut die thatsächliehe Entwicklung des speculativen Denkens bei den Griechen. ״Die Natur lehrt den Monotheismus, aber ן das Bestehen des Staates fordert den Glauben an eine! Mehrheit von Göttern, der darum nicht beseitigt; werden darf, so erklärt Antistheues“. (Freudenthal: j ״Ueber die Theologie des Xeuophaues“ S. lli.)—(F.f.) | Birnbaum, Ed., Chanuka-Melod ie ״Maos Zur*' für Pianoforte. Königsberg i. Pr. Bruno Meyer & (Jo. ״ Psalm 23. Für dreistimmigen Knabenchor. Königsberg i.Pr. Hartang’sche Bochhandlung. Unter den zahlreichen traditionellen Melodien unserer Svnagoge waren es immer einige, welche sich einer gewissen Pöpulantät — sit venia verbo — erfreuten und selbst heute noch, obgleich die ״heiligen“ Melodien als Hausmusik nicht mehr in den Häusern erklingen, sind es besonders zwei derselben, die sich nicht nnr ihre Beliebtheit unter den Juden erhalten haben sondern auch von hervorragenden christlichen Componisten b - nutzt worden sind. Es sind dies die Col-nidre- und Maos-Zur- Melodien. Vielfach sind dieselben bearbeitet : tür Instrumentalwie für Yokalirusik. Die vorliegende Chanukka-Melodie in A-dur 0 con moto ist für das Pianotorte Überträgen. Im Diskant liegt die Me׳ lodie. und da diese dem fröhlichen Feste entsprechend an und für sich ein heiteres Gepräge trägt, so ist die freie Figuration sehr passend hierzu gedacht,. Ich kann diese Ausgabe des Componisten unsem klavierspielenden Söhnen und Töchtern nicht bloss zum Chanukkafeste, sondern überhaupt als 1'lavierstück empfehlen. Vor einiger Zeit habe ich die vou Mas Bruch tür Cbor und Orchester komponirten ״Hebräischen Gesänge“, worunter sich als No 3 auch die Chanukka-Melodie zu Byrons ,,Arabiens Kamele“ (On Jordan's banks the Arabs camels stray■‘) befindet, dem hiesigen, aus den vornehmsten christlichen Kreisen bestehenden gemischten Gesangverein emptohlen uud sind diese Gesäuge (worauf icli noch zurückzukommen gedenke) nicht nur von diesen christlichen Mitgliedern seihst sehr gern gesungen worden, sondern sie sind auch von dem tast ebenso aus Christen bestehenden, den ersten Kreisen der Stadt angehürigen Auditorium mit grossem Applaus aut'geuommen worden. Warum theil.1 ich dieses hier mit? Weil leider unsere eigenen Glaubensgenossen sich bisweilen schämen, herrliche jüdische Melodien in Gegenwart christlicher Zuhörer zu spielen. Schämt sich irgend ein Christ, seine kirchlichen Weihnächteetc. Lieder vorzutragen? Das Interessanteste an dieser Birnbaum’schen Ausgabe aber ist die historische Vorbemerkung, in welcher er den Ursprung und das Alter der Melodie angiebt. Als Ursprung bezeichnet er das alte deutsche Volkslied: ״So weiss ich eins, das mich erfrewt, das plümleiti auf! preiter heyde“, und die Abfassung des Textes setzt er in das 13. Jahrhundert. — Das andere Opus, der Psalm 2'J, für Sopran I. u. II. und Alt in Es-dar C ist dem um die Ausbildung von Cantoren, sowie um die Bereicherung dor jrtd. CJesangliUeratur ho eil vordienten Oberkantor Moritz Deutsch in Breslau gewidmet. Der Ps. ist frisch, schön erfunden, sehr sanglich und leicht aust'ührbar, weshalb er sich bald seinen Freundeskreis erwerben wird. Grade an solchen (für Kindergesaug berechnete) geistliehen Liedern, namentlich an zweistimmigen, fohlt es uns, obgleich ja einige vorhanden, die mehl׳ oder minder brauchbar sind. So möge auch dieser Ps. des Componisten. von welchem u 18 bisher nur Gutes geboten wurde, die wohlverdiente Verbreitung finden. Essen, Dezember 18fit. Siegfried Graf. Litterarische Notizen. Xew-Vork. Die babylonische Expedition, welche im vorigen Jahre von der Pennsylvanischen Universität unter Leitung aes De. John P. Peters entsandt wurde, entdeckte das eiuzige bis jetzt bekannte Zeugniss über Naramsin, einen König von Niffer, w2101131׳371 ־!> Jahre v. d. g. Z. regierte. Hs ist dies ein aus gebranntem T11011 verfertigter Stempel, welcher dazu diente, den Ziegelsteinen, welche dieser alte Monarch zum Bau seines Palastes verwendete, seinen Namen und Titel antzudriic kern. Litterarische!׳ Anzeiger. oflerirt werden, ln den mei«ten Kaclihandl. vorräthig. >301( Soeben erschien mein: Katalog Xr. 11. Hebraiea u. Jiidaica -0!H1 Nummern enthaltend. A. (•oldschmUU, Buchü. Haiuhurg. Folgende Bücher wünsche ich zu verkaufen oder gegen andete Bücher zu vertauschen: [3U4׳i 1. llrockhaus’ Convers ■Lex. (7. AuH. 1- Bändei lür 10 Alk. — 3. Urockh. kleines Convers.-Lex (vorletzte Aufi. wie neu) M 7.50 3. Midrasch rabba, gut geh. M U. 4־ Midra Tancb (wie neu) Mk. - •בינה לעתים .<־ geh. Mk. 2.00. (>. Illopstock (sämmtl. W. (13 Bändchen, schon gebunden) M. 3. A. Levin in Sngan. *UU10C gitdfer! gegen haar zu < beziehen durch die Expedition d. ״Israelitischen Wochenschrift“. 11;״ PAciLfa ü״s Kal) Kubuna IMC I UM Md übersetzt v. Dr. Aug. Wünsche, für 3 M. "" der Prophet( 11 Predigten) ) von M. Schwalb, 1 M. Verlag von 11. Engel Berlin C. i. Von der ״M endeltmolin Jtiblioiliok“ erm4׳liien soeben Ko. 11—15, von den . ,Genie! 11 versIHnd liehen Hell» Ilten״ etc., Ko. 1. Ilas brste, billitfMtcuiid nütz lieh«. ChauukngeMelienk für .11111 g uud Alt, zur Vertlieitiing In Melinlen besonder« geeignet, hiäuimtliche liuelihandlungen nehmen llestel- Inngen entgegen, die *ofort ohne Frhühung des l’rrlsfs (Ü5 Pfr. die K'o.) Kochbuch | tür i&rael. Frauen vuii a Wollt geh. Ilvim iuaiiH. Neunte verb. Auflage. Elegant Leiuwaudband Preis Mk. 3.50. AIj vorzüglich anerkenn׳. Franki.ii M. J. Kauflmann,י erl. Die Chanuka- ־Wunder Festspiel 111 drei Akten fOr Israel. Schulen n. Familien von Ur. L. Jussaf versendet gezen Einsendung von 50 Pfg. franco die Exped. der ״Jsrael. Wochecschritt.“ r23ü‘2 Verantwortlicher Hedacteur D.r. ltahmer, Magdeburg. Druok von D. L. Wo 1 ft, Magdeburg. Verlag vou Bobsrl Friese Leipzig. 1

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