Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 50. (12.12.1889)
- Date
- 1889-12-12
- Page
- Seite 201 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— נ 20 des Fuchses haben Aehnlichkeit mit der Sage von Bileams Esel, nnd die Parabel Jothams in Richter IX 7—16 mit der Erzählung von den Bäumen, welche zu Gizdhubar sprachen. Uehergehend zu der Besprechung des Einflusses, welchen das Nomadenleben übte, führte Herr Boscawen mehrere Stellen aus Liedern au, welche zeigten, wie sehr diese frühesten Semiten gleich den Hebräern dieser Lebensweise zugethan waren. Es war dieses aber die Lebensweise Abrahams, Davids, Moses’ Der Schäfer war die Heldengestalt in der schöusten aller orientalischen Dichtungen, dem Liede Salomohs. Die Wüste war der Schauplatz, auf welchem jener ungestüme monotheistische Hass gegen den Pomp der Givilisation und des Stä itelebens seinen Ursprung hatte. Der vornehmste Titel, welchen die frühesten semitischen Könige von Babylon führten, war ״rieu“ (״ (רעהHirt“ eines weit ausgebreiteten Volkes. Es war der Wüstensohn, welcher in dem Einflüsse Phöniziens und Egyptens auf die Hebräer eine directe Verhöhnung der Gottesmacht erblickte. Die Wüste erzeugte Moses, Elias und Johannes den Täufer, gemäss einer Ueberlieferung des Gründers des Islam: ״Jeder Prophet soll für längere Zeit ein Hirte gewesen sein.“ Bei Gelegenheit der Besprechung der Entwickelung der früheren hebräischen Litteratur verwies Herr Boscawen auf die Thatsache, dass in baby- Ionischen Schriften Anführungen aus älteren Werken gleich dem Buche ״Jaschar“ (Samuel II 1, 18) ge* tunden würden. Dieses Buch Jaschar“ enthält nach seiner Vermuthung wie das ״Kitab-el Aghani“ der Araber eine Sammlung von Heldengedichten. ״Jaschar“ kommt von ישר her und kann mit dem assy* rischen ״isirtu“ Aufrichtigkeit, Geradheit“ verglichen werden, welche Wörter wieder Synonyma von Zikani ״ =־der Held“ sind. Zum Schlüsse führte Redner noch eine Stelle aus einem chaldäischen Epos ״Buch des Helden Gizdhubar“ an; ״Den Bogen hebst du nicht vom Boden. Die, welche du erlegen möchtest, sammle um dich; der Gefangene verachtet dich — der Gefangene verachtet dich.“ Hier haben wir, sagte Herr Boscawen, ein älteres Bruchstück oder verlorne Verse eines Liedes aus der gemeinsamen Heimath der Hebräer und Babylonier. Recensionen. steckelinacher, Dr. M., Stadtrabbiner in Mannheim, Die Gottesidee der Offenbarung und des Heidenthums im Lichte eines neuen Uaterscheidungsmerkmals betrachtet. J. Bensheimer, Mannheim. (Forts.) Durch das PrincipSt.’s oder durch die Consequenzen desselben,wirddie Vernunft, was die Aufstellung religiöser Wahrheiten anbelangt, als diezumeistunlähige Herrin aus dem Hause gewiesen und als neue Herrin wird die Offenbarung eingeführt; die Vernunft wird dann wieder herbeigerufen, um als ״ancilla“ auf sie zu hören, ja sogar im redlichen Bemühen den Werth und die Trefflichkeit der neuen ״Herrin“ zu preisen. Wie nun aber wenn eine andere, neue Herrin auftritt mit dem Verlangen oder dem Machtspruche, gehört und anerkannt zu werden, wenn sie sich darauf beruft, dass auch der Iuhalt ihrer Giaubenselemente und Vorschriften nicht der natürlichen Richtung des menschlichen Denkens und Empfindens entspringen könne, ihr göttlicher Ursprung somit erwiesen sei, wenn sie schliesslich der ihre unmittelbare Anerkennung verweigernden Vernunft subjective Schwäche der Erkenntnis 8 vorwirft, oder Vertiefung des gedanklichen Processes fordert, wird da die Vernunft in dem Streben nach selbstständiger ף In v. No. S. 198a Z. 26 v.u. ist 8t. ״immer•‘ zu lesen: nimmer. Entscheidung, nicht zunächst das Merkmal des Paradoxen beim Oäenbarungsinhalte fahren lassen und nur dem Ergebniss der eigenen logischen Erwägungen folgen müssen? Das ist ja in dar That das grosse Ringen in der Geistesarbeit unserer alten Denker, die sie für sich selbst und ihre Zeitgenossen unternahmen, dass sie die logische Berechtigung fremder, aber Geltung heischender religiösen Elemente durch den Nachweis ihrer inneren Unhaltbarkeit nach den Gesetzen des Denkens zu verneinen suchten. Hätten sie das Merkmal von dem paradoxen Inhalt der Offenbarung betont, oder auch als ausreichendes Kriterium für seinen höheren Ursprung anerkannt, so hätten sie folgerichtig die praktis che Verwerthuug dieses Princips auch ihren Gegnern nicht streitig machen können, die ja den gleichen Maassstab der übernatürlichen Erleuchtung anwenden; daun war es aber auch nur die Sache einer mehr äusserlichen, schlagfertigen Dialektik, den Vor/. 1g des einen Ringos vor dem andern — mit dem Gleichnisse von Lessing zu redeu — uaclfeAussen hin, vor der Menge zu erweisen. Der Pragmatismus der Geschichte lehrt uns in der That, dass das Ringen der Geister auch nach dieser Richtung hin stattfand und stattfinden musste, sowie die Lehre von der übernatürlichen Erleuchtung zum festen, auf besondere Ueberlieferungen sieh stützenden Ausgangspunkte geworden war. Die religiösen Disputationen z. B. zu denen die Juden im Mittelalter in Frankreich und Spanien aufgefordert wurden, zeigen uns schon das bedrohliehe Moment, das in dem Steinheim’schen Principe und in seinen Gonsequenzen liegt, im schärfsten Lichte. Nach der Disputation, die in Barzelona im Jahre 1263 stattfand, sagte der König zu Naohmani: ״Er habe nooh nie eine so ungerechte Sache so geistvoll vertheidigen gehört“ (Grätz, Bd. 7 S. 131). Der Glaube an den nur göttlichen Ursprung seines Bekenntnisses panzert ihn vor der Wirkung eines jeden noch so trefflichen dialektischen Einwands. Lavater — um noch eia Beispiel zu erwähnen, — kann es sich nicht versagen, in dem Briefe an Mendelssohn, in welchem er bereits um Vergebung für seiu Ansinnen bittet, schliesslich doch noch dem frommen Bedauern Ausdruck zu geben, dass Mendelssohn nicht seiner (Lavaters) Kirche augehöre, weil dieselbe für die Ausbildung des moralischen Gefühles und für die durch diese Ausbildung bedingte Glückseligkeit den kürzesten Weg darbiete.*) Was ist gleichsam, fragen wir, nie geistige Triebkraft, dieses in so lebhaften Worten ausgedrückten eigenartigen Bedauerns? Es ist zweifelsohne der Glaube Lavaters an die Göttlichkeit der von ihm vertretenen messianischen Heilslehre, d6r ihm diesen Wunsch, ungeachtet aller entgegenstehenden Bedenken, als ein berechtigtes Verlangen erscheinen lässt. Aber auch abgesehen von dem logisohen Bedenken und den geschichtlichen Zeugnissen, die die volle Berechtigung des äteiuheim’schen Princips in Frage stellen, kann es zum Mindesten zweifelhaft erscheinen, ob die Bibel selbst aut das Paradoxe ihres Olfeubaruugsinhaltes ein solches Gewicht legt, *) Antwort an den Herrn Moses Mendelssohn zu Berlin von •Johann Caspar Lavater“. Gegen den Schluss des Briefes hin heisst es: . . . ״Wollte Gott, dass sie ein Christ wären!“ . . . ״Das Maass der Glückseligkeit, lehren Sie, werde bei allen vornünttigen Wesen dom Maasse ihrer moralischen Recoptivität gleich sein■ Nach moinen Begriffen nun kann der Christ' dio höchste Stute dieser moralischen Fähigkeit am Leichtesten und Geschwinde8ten erreichen; und sollten Sie es mir nicht gern verzeihen, dass mich diese ebenfalls in meiner Natur tief eiagograbene Ueberzeugung (\) angetrieben hat und noch antreibt, von ganzer Seele zu wünschen, dass Sie den kürzesten Weg zur höchsten Tugend und Seligkeit betreten möchten?׳‘