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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-12-12 · N° 50. (12.12.1889) · p. Seite 200

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 50. (12.12.1889)
Date
1889-12-12
Page
Seite 200 (sequence 2)
Language
German
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— 200 — 1 vom gänzlichen Sinken gerettet und mit unglaablicher Kraftanstrengung gehoben hatte, wie hätte ich, mäde eines langen fruchtlosen Kampfes, zu furchtsam, meinen Fürsten täglich mit dringenden Bitt- Schriften zu belästigen, um meine Gesundheit gegen die zerstörende täglich erduldete Kränkungen zu sichern, diese Entreprise zu einer Zeit aufgeben können, da sie den Lohn meiner höchsten Anstrengung mir zu liefern aufing, und bei hergestellter Ordnung und planmässiger Einrichtung ein sehr bedeutender Gewinn berechnet werden konnte? Ein in meinem Comptoir angestellt gewesener \Zogling jüdischen Glaubens, den ich unter der ausdrücklichen Bedingung in meine Dienste nahm, dass er sich in Braunschweig nicht etabliren dürfe, trennte sich von mir, liess sich hier ohne Schutz, ohne Concession nieder, treibt Geschäfte, hat mir schon manche Kränkung zugefügt und kann mir bedeutend nachtheilig werden, da er meine genaueren Connexionen kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hat. Unter dem kräftigen Schutze einer wohlwollenden Protection treibt er Geschäfte, und wird seinen Wirkungskreis in Kurzem ansehnlich erweitern. Mancher Neuling und manches unbedeutende Mitglied der hiesigen Judenschaft hat auf sehr kurzem Wege Rechte erobert, die gegen die Landesgesetze und Gilde-Ordnung streiten, und weder Kaufmannsinnung noch Landschaft haben dagegen gesprochen. Des verstorbenen Herz Samson Kinder aber, deren Vater dem Staate wesentliche Dienste geleistet hat, der, wie notorisch ist, dem Lande den Credit wieder schaffte, der für eine Zeit lang verloren war, der es schriftlich und in den schmeichelhaftesten Ausdrücken anfweiseu konnte, dass er mit verschiedenen Waaren zu handeln concessiouirt sei, und dessen Kinder noch ein bei dem Absterben ihres Vaters erhaltenes gnädigstes Schreiben besitzen, dass auch sie beim Wohlverhalten einer gnädigen Fürsorge sich zu erfreuen hätten, diese Kinder sind zum Stillschweigen verwiesen, als sie mehrmals es wagten, die Rechte ihres Vaters für sich benutzen zu wollen, sie haben weiter Keines davon erhalten können, als in jeder Stunde, wann sie nur wollen, ihr Vaterland — zu verlassen. Auch mir ist bis jetzt mein Wirkungskreis noch nicht angewiesen und genauer bezeichnet, ich weiss noch nioht, welche Obliegenheiten ich als Kammer-Agent gegen den gnädigsten Fürsten und gegen deii Staat erfüllen soll, und welche Ansprüche ich mit Bescheidenheit dagegen machen dürfe. Vergleiche ich meine Lage mit den mir genau bekannten Verhältnissen der Kammer-Agenten in den benachbarten Staaten, so finde ich mich ungemein zurückgesetzt. In Schwer i n, Cassel, Hannover, Münc h e n erhalten dieKam mer- Agenteuuicht nur eine anständigeBesoldung, sondern geniessen auch Vortheile, die ihr Gehait weit überwiegen. In Berlin, Wien, Dresden etc. haben sie ausschliesslich die Zahlungen an auswärtige Gesandten und Höfe, und durch Festsetzung der Üebermachungskosten, verschiedener Posten Odorationen und freie Benutzung der Staatskassen, Ent- Schädigung für eine nicht gezahlte Besoldung, die sie das Entbehren derselben nicht fühlen lässt. (Forts, f., Oie semitischen Religionen. Am Dienstag (19. November) hielt Herr W. St. B o sc a v e n in der ßloomsbury Hall in London den zweiten seiner Vorträge ,über semitische Rassen und Sprachen“, welcher zugleich der erste von 3 Vorträgen über obiges Thema war und sich hauptsächlich mit den Quellen beschäftigte. Demselben entnehmen wir Folgendes: ,Das Studium der Religion der Semiten ist von der grössten Wichtigkeit, denn in der gerechten Würdigung der Kräfte, welche deren wunderbare Entwicklung herbeiführten, liegt das ganze Fundament des Jadenthums, Christ«uthams und Islams. Wenn schon in der Geschichte and den civil isatorischen Bestrebungen die Semiten eine Stellung ohne Gleichen einnahmen, so geschah dieses nooh oharacteristischer auf dem Gebiete der Religion. Das früheste, einfache Wüstenleben der Semiten brachte dieselben fortwährend mit der Natur in innige Berührung; trotzdem verfielen sie nicht in den Polytheismus der Arier mit ihrer Götterlehre, sanken aber auch nioht auf den niedrigen Standpunkt des Fetischismus mit seiner Dämonenlehre hinab, wie die turanisch3n Völker. Letztere erblickten in den Naturkräfteu ein grosses Heer mit den Menschen im Kampfe liegender Spukgestalten. Nicht so war es bei den Semiten. Rönan hat es als Axiom des ■ semitischen Characters hingestellt, dass derselbe keine Mythologie kannte, was nach seiner Meinung aus zwei Ursachen resultirte. Erstens bot die Sprache der Genesis den Mychologen keine Gelegenheit zu spielenden Wortbildungen und zweitens hatten die Semiten einen ausgeprägt ־ monotheistischen Sinn. Die Erde, die Luft, der Himmel und der Donner waren den Semiten nicht eben so viele nach eigenem Willen handelnde Naturkräfte, sondern nur Werkzeuge in der Hand einer grossen Alles durchdringenden göttlichen Kraft. Dieser Mangel an einer Mythologie ist durch Professor Max Müller und Dr. Goldzieher bestritten worden; aber Redner sagte, dass, wenn wir auoh zugeben, dass die hebräischen Dichter eine bewundernswürdige Liebe zur Natur und eiue noch bewundernswürdigere Fähigkeit der poetischen Naturschilderung besassen, wir diese nicht nach dem Maassstabe der arischen Litteraturerzeugnisse bemessen können Nachdem er eine Uebersicht über die das Studium der Kindheit des Semitenthums unterstützenden Schriften gegeben hatte, sagte Herr Boscawen, dass wir uns nach Babylonien zu wenden hätten, um die frühesten Anfänge seiner Eutwickelung kennen za , lernen. Eine der fruchtbarsten Quellen der Belehrung und zwar eine solche, welche dem Nationalsinne eben so entsprechend war, als sie von der priesterlichen Anschauung sich unterschied, ist in den Eigennamen zu finden. Schon 3000 Jahre v. d. g. Z. begegnen wir Namen, welche mit ״El“ אל oder ״Hu“ zusammen- : gesetzt sind, gerade wie in hebräischen Eigennamen. I Diese Namen, z. B. ״Uu-balit, Ilu-bani, Ilu-nazir, llu 1 su-abu-sa“ etc. zeigen, wie dieses göttliche Wesen als der Schöpfer, Beschützer, Lebenspender und Vater aller Wesen betraohtet wurde. Das Pantheon dieser Völker war ganz kunstlos, denn die Berührung mit dem babylonischen Pantheismus hatte nur so lange gedauert, dass sie einige wenige Spuren des Monotheismus hatte verwischen können. Sin, der Gott des Mondes, Sainas die Sonne, Rimmanu, der Donner und Regen, waren fast die einzigen Götter, deren , Namen wesentliche Bestandteile aus den Namen . dieses einfachen Volkes bildeten. Herr Boscawen fuhr alsdann fort, die merkwürdige Aehnlichkeit, welche die ßeligionsschrifteu der Baby-! Ionier mit denen der Hebräer hatten, nachzuweisen. Nioht nur in Liedern und Gedichteu, von welchen er Beispiele anführte, sondern auch in der gewöhnlicheren Litteratur lassen sich solche Spuren n&chweisen. Er- Zählungen, wie die von dem Streite Kains und Abels, und solche, welche auffallende Aehnlichkeit mit der von der Verfluchung der Erde haben, werden aufgefunden. Erzählungen ferner, wie die von dei Unterredung des Ochsen mit dem Pferde und dem Gebete

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