Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 50. (12.12.1889)
- Date
- 1889-12-12
- Page
- Seite 202 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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9 — 202 — dass dadurch die Fähigkeit der Vernunft für die selbstständige Aufstellung gesicherter religiöser Wahr• heiten unbedingt vereint werden müsse. Die begeisterten Lobsprüohe auf die Thora, die aus dem Munde der Psalmisten ertönen, wie in Psalm 119,18. ״Oeffne meine Augen, dass ich ־Wunder schaue aus deiner Lehre“ oder ibidem V. 129 ״Wunderbar sind deine Zeugnisse, darum bewahrt sie meine Seele“, diese be• geisterten Lobessprüche, sie beziehen sich, wie wir auf den ersten Augenblick erkennen, in allgemeiner Weise auf das Ganze der göttlichen Lehre, die in ihren Tiefen unerforschlich ist; sie sprechen aber keineswegs auch nur die leiseste Andeutung des Ge* dankens aus, dass die menschliche Vernunft ganz und gar ohnmächtig sei, religiöse Wahrheiten aus eigener Kraft zu erzeugen. Betrachten wir nuu auch die für unsere Frage be de u tungs vollen Worte, die Mose zu Israel im Deute: on. (Cap. 30, Vers 11 u. folg.) spricht: ״Denn dieses Gebot, das ich dir heute gebiete, es ist vor dir nicht verborgen (״es ist für dich nicht zu wunderbar“) tjnd nicht ferne. Nicht im Himmel ist es, dass du sprechen könntest, wer steigt für uns zum Himmel und holt es und lässt es uns hören, dass wir es thun. Und es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sprechen könntest, wer fährt für uns hinüber jenseits des Meeres und holt es uns und lässt es uns hören, dass wir es thun, sondern sehr nahe ist dir das Wort, (״die Sache“) mit deinem Munde und mit deinem Herzen es zu vollführen“. Nachmanides zur Stelle und Albo (Ikkarim Absch. 4 Cap. 25) beziehen im Anschluss an das Vorhergehend e,*) die Anfangsworte, ״Denu dieses Gebot“, auf die Pflicht der reuigen Rückkehr zu Gott. Für diese Pflicht, sagt also die Schrift, bedarfst du nicht erst einer besonderen Offenbarung; du kannst sie durch die Erwägungen deiner denkenden Vernunft leicht in deinem eigenen Inneren finden. Die Schrift erkennt also hiermit, w“1m auch in indirecter Weise, ausdrücklich für die menschliche Vernunft das Vermögen an, religiöse Wahrheiten aus sich selbst zu erzeugen. Es giebt Gebote, lehrt sie, die für uus verborgen sind und für unser« Verstand zu fern liegen; es giebt aber wiederum auch Gebote, deren Auffindung für die Vernunft nahe, ja auch ״sehr nahe“ liegt•. *) Der Herr Verfasser erwähnt diese .Schriftstelle aut S. 59 und bezeichnet sie als den allgemeinen Hinweis dessen, dass die Wahrheiten der Religion von Gott unmittelbar dem Menschen gelehrt worden seien, ohne dass dieselben erst durch Speculation ermittelt zu werden brauchten. Wäre dies der Inhalt der Schrittstelle, 80 würde dadurch die Lessing’scho Auttassung von der Offenbarung gerechtfertigt, der der Herr Verfasser vermöge seines I’rincips fernsteht (Seite 9). Dieses Zeugniss der Schrift über das Verhältniss der Offenbarung zur Vernunft wird für jede allgemeine religionsphilosophishe Forschung in den Vordergrund der denkenden Betraohtang treten müssen und es wird auch bei jeder einzelnen Frage auf diesem Gebiete immer wieder das geuaueste Verhör stattfiuden müssen, ob di6 Vernunft hier eine gesicherte Entscheidung treffen könne, oder ob sie in Folge der in ihr erzeugten gedanklichen Gegensätze auf eine solche Entscheidung verzichten müsse. (Fortsetzung folgt.) Rfilf, Dr. Rabbiner in Memel, ist weiteren Kreisen nur als der rührige Anwalt der polnischen Juden bekannt; aber der Manu, der 80 aufopfernd für seine Brüder eintritt, entfaltet auch eine vielseitige publicistische und wissenschaftliche Thätigkeit; er ist in Memel nicht nur Rabbiner, sondern auch Redaoteur einer täglich erscheinenden Zeitung des ״Memeler Dampfboots“. Was muss in dem Manne ftlr eine Arbeitskraft stecken, dass er nooh Zeit gefunden hat,, ein grosses philosophisches Werk iu zwei Bänden zu schreiben. Wir können auf den Inhalt dieses Werkes, der uns nicht vorliegt, nicht eingehen. Aber es wird unsere Leser interessiren, wie ehrenvoll das Urtheil der competentesten Kritik über dies Bach lautet. Der Titel ist: ״Weltgedanke und Gedankenwelt“. Gerhard v. Amyntor kritisirt es in den ״ akademischen Monatsheften “ uni nennt es epochemachend, ״eine reiche Quelle hohen Genusses und mächtig naohwirkender Anregung“; vom Stil sagt er, dass er oft sich zu grosser Schönheit erhebe“; er giebt Rülf dea Ehrennamen eines tiefen. Denkers. Eduard v. Hartmann preist ״die bedeutende Speoulations-Anlage von gründlicher Sohulung, einen starken Drang zu erschöpfender Systembildung und eine ungewöhnliche Frische uud Leichtigkeit der Darstellung“. Eduard v. Hartmaun sohliesst seine Kritik mit einem Wunsche, dem wir uns aus tiefster Seele ansohliessen: ״Es wäre in der That ein Gewinn für die Wissenschaft, wenn eia so bedeutendes Talent noch vor dem Niedergang seiner Kräfte durch Sohioksalsgunst in die Lage versetzt würde, das Versäumte nachzuholea uud die noch ausstehenden Früohte seines Geistes zur vollen Reife zu zerlegen“. Herr Dr. Rülf will sein System mit einem dritten Band krönen: ״Wissenschaft des Gottesgedankehs“. Niemand wird dem Manne seine Bewunderung versagen, der in Memel in der ultima Thule, uud unter dem Joche einer oolossalen Berufsarbeit nooh so Grosses leistet. Litterarischer Anzeiger. Verlag von H. Kngel Berlin 0 9. Von der ״Hendeltiaolin- Bibliothek“ erachten soeben No. 11—15, von den ״Gemein verMtftndl’chen Meli ift«*n‘*etc.,No.l. Das brate, billigste und nutzliclia. VliMiiukageachenk für Jung und Alt, zur Ycrtlioiiiing in Mcliulen braonile's geeiguet. Mttuimtliclie Bucliliundluiigen nehmen Beateilangen entgegen, die sofort ohne Krhöliuug des l*r>׳iaes (25 l*fg. die No.) oflVi'irt iverdeu■ ln den meisten But'11 litt ■1dl. vor■ rat■ big.[3017 Epilepsie. t21ü5 Kramp(- und Nervenleidende finden sichere Heilung nach einzig dastehender tausendfach bewährter Methode. Briefliche Behandlung nach Einsendung eines ausführl. Berichtes, dieselben sind mit Retourmarken zu adressiren: HygleuSnnatorluniHamb'irgl Kochbuch ו für israel. Frauen von — Rebekka Woltf g(b. Heineniaim. Nennte verb. Auflage. Elegant Leinwandband Prefs Mk. 3.50. Ab vorzüglich anerkannt. Frankf.a M. J. Kanlfmann, Vorl. In meinem Verlage ist erschienen und durch alle Buchhandlungeu Zu beziehen: 3017׳ Israel Auits-kaleuiier von Dr J. Levy. fln der vorigen Nr. des ״Liiteraturblattes“ besprochen*. Preis elegant geb. Mk. 1.50, bei portofreier Zusendung Mk. 1.60. H. Engel, Berlin. Klosterstr. 15. Soeben erschien mein: Katalog \'r. U. Hebraiea 0. Jiidaica 9000 Nummern enthaltend. A. tioldschmldt, Bucht!. Hiuisbarg. Anfrage. Die Gemahlin Kaiser Karl VI.,dieKaiserin Elisabeth Christine, war, wie man weiss eine geborene Prinzessin von Braunschweig-ßlankenburg. Nachdem der Kaiser am 90. October 1740 geatorben war, zog die Kaiserin nach Ungarn. Sie hinterliess .Schulden im Betrage von fl 311 790, die tilr sie gezahlt, wurden. Die Kaiserin zahlte für die Darlehen meist 0 Perceut. Der Jude Alexander David iu Wo'fenbüttel, dem sie 11 91000 schuldig war, erhielt 5 Perceut. Ist ein Leser dieser Blätter in der Lage etwas näheres über genannten Alexauder David mitzatheilen? W. V.-iantwoitlicher Kedacteur Dr. Rabmer. Magdeburg. Druck von D. L. Wo 1 ff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese Leipzig•