Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 50. (12.12.1889)
- Date
- 1889-12-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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(Fortsetzung.) ״Io der unglücklichen Progression würde die TJ11knnde, dem Staatsvermögen einen weiteren Wirkungskreis vorzuzeiohnen, das Unglück des Landes vermehrt haben, wenn ich nicht duroh grosse Anlehen für fremde Landschaften den Ausweg eröffnet hätte, das Geld, das dem Vaterlande drüokend lästig wurde, im Auslande vorteilhafter zu nützen. Dem minder Begüterten sicherte ich dadurch eine bequemere Subsistenz und zog eine grosse Masse fremder Zinsen in’8 Land, und da ein grosser Theil meiner Anleihen auch in’s Ausland gingen, und ich bloss den Vermittler dabei abgab, so war auch die Concurrenz (?) dieser Geschäfte der hiesigen Stadt nützlich. Bis auf den itzigen Angenbliok hat noch nicht ein einziger bei den von mir eröffneten Anleihen einen Groschen eiugebüsst, nnd auch der Staat hat daduroh nichts verloren, denn noch itzt steht der Zinsfuss, den die Landescassen zahlen, zu 2, 2'/נ und 3°/0, während der Königl. preussisohe Staat, der russische Kaiserhofj die sichersten mecklenburgischen nnd alle benachbarten nnd entfernten landschaftlichen Cassen 5% Zinsen zahlen müssen. In der Wahl der mir angebotenen Negooiationen leitete mich die äugstliebste Vorsicht. Nicht für Schwindler — für die reellsten Staaten, deren anerkannt( s Prinoip Biedersinn ist, deren Sicherheit mir documentirt werden konnte, eröffnete ioh diese Anleihen. Sollte künftighin nicht vorherzusehendes Unglück den Sturz der Begierungen, den Buin der Länder herbeiiühren, und dadurch Capitaliei hiesiger Unterthanen verloren gehen, so wird at.ch dann kein gerechter Vorwurf mich treffen können; auch dann werde ich in gleichem Maasse schuldlos sein, als wenn ioh für unser Fürstenhaus nnd hiesige Landschaft Capitalisn za negooiiren beauftragt wäre und, die Vorsehung verhüte es! auoh unser Staat in den unglücklichen Strudel fortgerissen würde, der die ZurüokzahluDg der Staats-Anleihen verzögern müsste. Für mich habe ich nie eineGnad׳, nie eine Belohnung erbeten, keiner Auflage mich entzogen,jedem zum allgemeinen oder individuellen Nutzen bestimmten Institute willig Unterstützung geboten, und die grosse Genugtuung erfahren, dass Ew. Berzogl. Durchlaucht einen meiner Beiträge für den Armenstand den mir zu stolz kliageuden Namen ״des Kammeragenten Israel Jacobson Stiftung* beizulegeu gnädigst befohlen haben. Ich befinde mich jetzt in der Lage, meine jährlicheu Ausgaben zu 30,000 Thaler berechnen zu können, von denen nur 4000 Thaler für meinen engeren Haushalt verwandt werden. Aut diese Ausgabe erhält mancher, dem es wohl thut, seine Anweisung. Dass es mir aber möglich wurde, diese Ausgabe ohne meinen Buin berechnen zu können, ist ein unverzeihliches Verbrechen in den Augen Aller, deren beschränkter Verstand es nicht zu fassen vermag, wie man ein grosses Vermögen ohne grosse Vergehen durch industriöse Thätigkeit erwerben könne. Jede Unternehmung wurde mir erschwert, und wenn ich durch dauernden Fleiss, durch, kluge Leitung, durch Benutzuug aller mir mühsam geschafften Connexionen, durch Herbeiziehung meine Wünsche begünstigender Conjuncturen dieser Unternehmung einen glüokliehen Erfolg versebaft und gesichert hatte, so warf man mich dennoch in die niedrigste Classe derer, welche aut Kosten des Staates sich bereicherten, berechnete nicht den Aufwand von Kraft, der mir den glücklichen Ausgang versohafft, nicht den Verlust, den bei derselben Unternehmung meine Vorgänger erfahren hatten. Nicht weniger schonend wurde ioh beurtheilt, wenn ioh von Ew. Herzogi. Durchlaucht aufgefördert, wenn ich befehligt wurde, irgend eia Geschäft zu übernehmen. Dann musste ich listige Kunstgriffe augewandt haben, um grossen Gewinn zu erschleichen. Mein inneres Bewusstsein sprach mich von jeder Strafbarkeit frei — allein diese meusohenfeindlichen Aeusserungen, die man bei jeder passenden Gelegenheit selbst meinem gnädigsten Fürsten zu wiederholen und mich dadurch wenigstens in ein zweideutiges Licht zu stellen wagte, mussten deu höchst nachtheiligen Erfolg hervorbriugen, dass sie das volle Zutrauen schwäohten, womit Ew. Herzogi. Durchlaucht mich in früheren Jahren so unendlich beglückt haben. Wie hätten mir sonst so unzählige nutzlose Sehwierigkeiten bei meiner Lotterie-Entreprise in den Weg j gelegt werden dürfen! Bei einem Institute, das ich I mit der grössten Gefahr eines bedeutenden Verluste«