Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-12-05 · N° 49. (5.12.1889) · p. Seite 197

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 49. (5.12.1889)
Date
1889-12-05
Page
Seite 197 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492408-5990870-5991311--1858-5368761
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

- 197 — , Wie kann aber An&h die אימים ימים znerst ent* deokt haben, wenn sie schon in den Tagen Abraham’s bekannt waren? Darum verwarf vermuthlich ein späterer Leser das verdächtige אמתני, den terminus technicas für אימים, und setzte dafür das uns verdächtige, נבר^א, welches ungefähr denselben Sinn ergiebt, wie אמתני» Wir empfehlen diese Conjectur der Prüfung Sachverständiger. Sohrau O.-S. Dr. Immanuel Deutsch. Rezensionen. braunschwelger, Dr. A. Die Lehren der Misohnah, ihr Leben und ־Wirken für Schule und Haus etc. bei J. Kauffraann. Frankfurt a M. 1889. S. 283. (Schluss) Besprochen von Dr. G. Deutsch, Rabbiner in Brüx. Ueber die Sprache des Buches kann ich bedauerlicherweise nicht viel Günstiges sagen; sie leidet an Undeutlichkeit und ist an vielen Stellen fehlerhaft. Es genügt, wenn ich aus der drei Seiten langen Vorrede folgendes citiere. ״ Jene seine Führer und Herren“, jene Personen unserer Ahnen“; ״neben dem haladuschen Theil der Tanaim“, ״Seder Hadoroth hat zwar ein ähnliches aufgestellt“, (soll doch heissen, der Verfasser des Seder Hadoroth), daneben sind Ausdrücke wie ״Entbindung der Schwagerehe“, statt Entbindung von der Schwagerehe (S. 137) so wenig selten, dass ich unmöglich ein vollständiges Verzeichniss derselben geben könnte. Sachlich hätte ich eigentlich nichts Bedeutendes zu bemängeln. Das Bach enthält sehr 1 eiche Quellenangaben die dem Leser ein selbstständiges Urtheil ermöglichen, ohne ihn zu zwingen, dem Schriftsteller aufs Wort zu glauben. Trotzdem kann ich die bei uns sehr beliebten Uebertreibungen und Ueber- Schätzungen nickt ungerügt lassen. Man kann dochwohl nicht mit Recht sagen, dass der Kreis der Taniten ״auf den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft grössere Männer aufzuweisen hatte, Männer, welche nach j e d e r Richtung hin gross und erhaben dastanden. (S. 145). Wenn R. Jose z. B. sagt, dass die Erde auf Säulen ruhe, diese Säulen wieder auf dem Wasser, das Wasser auf Bergen, die Berge auf dem Winde, und der Wind auf dem Sturme und der Sturm an dem Arme Gottes aufjgehängt ist (Chagiga 12 , so lässt sich wohl entschuldigend sagen, dass solche Aussprüche hagadische Spielereien seien, . man kann auch einen allegorischen Gedanken hinter ihnen vermuthen, aber sicher ist, dass eine geographische und astronomische Wissenschaft von den Urhebern solcher Aussprüche weder gesucht nooh gefördert wurde, es besteht ebenso wenig ein Zweifel darüber, dass die ganze Anschauung von der Tradition nur geeignet war,, eine scholastische Wissenschaft zu wecken, welche durchaus hinter den Forschungen der grossen Griechen weit Zurückbleiben musste. Warum sollen wir nicht offen bekennen, dass der Werih der alten!abbiuiscben Litteratur niohi darin liegt, was sie auf dem Gebiete wissenschaftlicher Kenntnisse geleistet hat, sondern vielmehr darin, wie sie das 8ittliche Leben aut dem Wege religiöser Betrach- ׳ tungeii aulgefasst und gehoben hat. ln das Capitel der Uebertreibungen gehört auch die mangelhafte Scheiduug zwischen Wahrheit und Dichtung in den talmudischen Aussprüchen, so z. B. die 120 Lebensjahre R. Jochanan ben tiakkai’8, von denen 40 dem Geschäfte, 40 dem Studium und 40 der Lehre gewidmet waren; die 12,000 Schüler des R. Akiba; die abenteuerliche, in so später Zeit erfundene Geschichte von R. Elieser ben Hyrkanos, der bfs in sein 20. Lebensjahr nicht einmal beten gelernt hatte, dies alles gehört doch in das Gebiet der Sage, ebensogut wie der Esel des R. Pinohrs ben Jair, der kein Futter berühren mochte, wenn er nicht wusste, dass der Zehent davon gegeben war. Von diesen beispielsweise erwähnten Geschiohtohen giebt der Verfasser nur das letzte mit einem hinzugefiigten ״soll“ als blosse Möglichkeit an, die drei ersten aber als Thatsachen. Hingegen meine ioh, dass wir Ursaohe haben, die bei einem grossen Theile unserer Glaubensgenossen vorhandene Neigung, die ganze rabbinische Litteratur als Unsinn zu erklären, diesen nicht nooh das Sohwert zu unserer Bekämpfung in die Hand zu geben, ebenso wie auf der anderen Seite es ein wohlthätige3 Werk genannt werden muss, wenn wir der Minderzahl innerhalb des Judenthums, die alles, was geschrieben steht, glauben zu müssen meint, nicht allzu grosse Opfer des Intellects auferlegen. Ein Buoh, welches solohe Kreise belehren will, die ein selbstständiges Urtheil sioh nicht bilden können, sollte die Erscheinungen in ihrer zeitge- Schichthöhen Bedeutung begreiflich machen. Da wäre es doch am Platze gewesen, die Verordnungen R. Jochanan ben Sakkai’s nicht bloss aufzuzählen, sondern sie als das, was sie sind, als bewusste Umgestaltungen des Jndenthums, zu oharacterisieren. Ebenso durfte Aoher nicht als blosser Bösewioht dargestellt werden, sondern es musste zugegeben werden, dass die talmudischen Quellen ihn parteiisch und einseitig behandeln. Es ist hier nicht der Ort dazu, derlei Einwände ausführlich zu behandeln. Auch sollten meine Aufstellungen nicht den Zweck haben, den Werth des Buches herunter zu setzen, sondern mein aufrichtiges Interesse an demselben zu beweisen, von welchem ioh wünschte, dass es der Autor besser gemacht hätte, weil er bewiesen hatte, dass er es gut machen kann. Steckelmacher, Dr. M., Stadtrabbiner in Mannheim, Die Gottesidee der Offenbarung und des Heidenthums im Lichte eines neuen Unterscheidungsmerkmals betrachtet. Eine religionsvergleichende Studie. Mannheim 1890. Verl. J. Bensheimer. Bekanntlich war es eine bezeichnende Eigenart unserer alten Weisen, dass sie des Oefteren auch den Ausdruck rühmender Anerkennung mit dem Hinweis auf ein Schriftwort verbanden, um zugleich auch die freudige Ergriffenheit ihres Herzens bei diesem ihrem Urtheil auf das Deutlichste zu bekunden. Wenn wir, diesem Beispiele folgend, den Eindruok schildern wollen, den wir naoh der wiederholten Leotüre der uns vorliegenden ״religionsvergleiohonden Studie“, empfangen habeD, so wird die Anwendung des Schrift- Wortes auf deren Verfasser: ״Naoh Massgabe seines Verstandes wird gerühmt der Mann“ (Spr. 12,8), uns als der angemessenste Ausdruck erscheinen für die Würdigung des hohen wissenschaftlichen Geistes wie des gesicherten Ergebnisses, die in der überaus lichtvollen Darstellung des Herrn Verfassers ihren geradezu classischen Ausdruck gefunden haben. Namentlieb der logische Aufbau und die künstlerische GestaltuDg des wissenschaftlichen Stoffes, der bei aller j Gedankentiefe leioht und klar dahinfliessende Strom 1 der Darstellung, sie erweisen sioh in hohem Grade | wirksam, den Leser zur stets wiederholten Lectüre einznladen, um das hier llargebotene sioh mit den eigenen prägnanten Worten des Herrn Verfassers dem Gedächtnisse einzuprägen. Diese freudige und rückhaltlose Anerkennung der naoh Form und Inhalt hervorragenden geistigen Bedeutsamkeit, die der Schrift des Herrn Dr. Steckelmacher innewohnt, soll keineswegs unsere volle Zustimmung zu allen seinen Aus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.