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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-12-05 · N° 49. (5.12.1889) · p. Seite 198

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 49. (5.12.1889)
Date
1889-12-05
Page
Seite 198 (sequence 4)
Language
German
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— 198 — führungen involviren — wir werden vielmehr, namentlieh in dem, was den principiellen Ausgangspunkt seiner Darstellung betrifft, unsere abweichende Auffassung zu betonen und zu begründen versuchen müssen —, aber die Erkenntniss von dem scharfen psychologischen Blick für geschichtliche Wahrheit, der sich in der ernsten Gedankenarbeit des Herrn Verfasseis kundgibt, sowie das Verständniss von den vielfältigen fruchtbaren Gesichtspunkten, die er für die Beleuchtung des Offenbarungsinhalts aufstellt, sichern dieser Schrift eine zweifellos hohe und bleibende Bedeutung. Herr Dr. Steckelmacher, ein An bänger Steinheims, und ein Fortbildner seines Prinzips von dem paradoxen Inhalt der Offenbarung in ethischer Beziehung, wie er sich in dieser Schrift als solcher erweist, unternimmt es in derselben, wie er mit edler Bescheidenheit sich ausdrückt ,den Grundgedanken Steinheims durch einen kleinen Seitenbau zu stützen und zu erganzen“; er ■ucht durch vergleichende Religionsbetrachtung den überzeugenden Nachweis zu liefern, dass unter all den geschichtlich hervorgetretenen religiösen Vorstellungskreisen, das Judenthum zuerst die Lehre von der selbstlosen Liebe des ausserweltliehen, persönlichen Gottes zu seinen Geschöpfen aufgestellt habe, eine Lehre, welchen immer der natiirliehen Richtung des menschlichen Empfindens entspringen könne, sondern nur durch höhere Ortenbarung übermittelt sein müsse. Die gssammte heidnische Welt, auch die grossen Denker, die zu derselben gehörten, hätten niemals in der Weise, wie die Bibel es thut, nur von dem Sein und Wirken der Gottheit geredet, sondern stets den Gegensatz von dem seligen Befinden der Gottheit und dem Elend der Menschen hervortreten lassen, weil eben die Lehren von den wahren Beziehungen des gött.ichen Wesens zu dem Menschengeschleohte nicht der natürlichen Richtung des menschlichen Empfindens entspringen können und der menschliche Geist dieselben nicht aus eigener Kraft zu entdecken vermochte. Diesen Grundgedanken hat der Herr Verfasser durch seine trefflichen geschichtlichen Nachweise aut das Ueberzcugendste er׳ härtet; er hat mit diesem Ergebnisse einen der wichtigsten Bausteine geliefert für das noch zu errichtende Gebäude der ,absoluten Wahrheiten“ — mit Form- Stecher zu reden — welche der Lehiinhalt des Judenthums enthält. Aber das Princip, von welchem Herr Dr. Steckelmacher mit Steiuheim ausgeht, bedarf, unseres Erachtens nach, was die Feststellung seines Wertlies anbelangt, noch einer besonderen Untersuchung.' Es ist das Princip, dass die Lehren der Offenbarung einen paradoxen Inhalt in sich tragen, dass dieselben eine überraschende Wirkung auf die menschliche Vernunft ausüben, dass der menschliehe Gei8t zur Anerkennung ihres Wahrheitsgehaltes sich verstehen, oder mit demselben sich befreunden müsse, obschon er dieselben nicht aus eigener Kraft erzeugen vermöge. Herr Dr Steckeimacher weist nun in Bezug auf Steinheim darauf i hin (8. 8), dass ״in der Verwechslung von ״paradox“ . und ״unlogisch“ sei wohl mit einer der Gründe zu I finden, derentwegen man nach anfänglicher Begeiste-; rung sich doch ▼erhältnissmässig bald wieder von , Steinbeim abgewandt habe.“ Einen anderen inneren : GrunJ, der auf das Princip selbst Bezug hat, giebt : der Herr Verfasser nicht an; vielleicht denkt derselbe, ' indem er von ״einem der Gründe“ sprioht, an die B3merkuug von Grätz über Steinheim (Bd. 11 S. 481). Uns will aber bedünken, dass es das Unzureichende oder, wenn wir es genauer sagen, das gefahrdrohende Moment im Principe Steinheims ist, welches die volle Anerkennung desselben verhindern musste. Die Lehre, dass das Merkmal des Offenbaruugsinhaltes das Paradoxe sei, sie ist, wenn wir es recht bedenken, ein zweischneidig Schwert; denn dann hat jedes religiöse Dogma oder jedes Mysterium, das sich als Offenbarung ausgibt, iusofern es nur nicht unseren moralischen Begriffen von der Gottheit und dem Menschen widerspricht, gleichsam einen Anspruch auf unsere Würdigung und denkende Betrachtung. (Fortsetzung folgt.) Litterarische Notizen. l’aris. Das erste Heft von Rubeas Daval’s grossem Werke ,.Loxicon Svriacuni anctore Hassan Bar Bahlnle voces Syriacas Graecasque cum Glossis Syriacis et Arabicis Compiectus“ ist bei Bouillon A Vieweg hier erschiehen. Es enthalt den Buchstaben א, Das ganze Werk wird erst lbitl vollendet sein. Die vollständige Liste der von Bar Bahlul gebrauchten griechischen Wörter, welche jedem Buchstaben folgen soll, wird nach dem ״Athenaeum lür die Geschichte des Griechischen“, insofern es von semitischen :Schrittstellern benutzt wurde, sehr lehrreich sein. Die talmudischen Schriften enthalten viele solcher Wörter, aber noch häufiger kommen sie in syrischen Werken vor. Die Geschichte der Entstehung des ״Bar Bahlulsehen ‘ Wörterbuches, die von ihm benutzten (4uerteawer*e und die in demselben vorkommenden Wörter aus den versebiedenen aramäischen Dialecten will Herr Duval in der Einleitung zusammenstellen, welche hierdurch ein wichtiger Beitrag zur Semitischen Philologie werden wird. London. Das erste lieft des aramäischen Theils des ״Corpus Inscriptionum Semiticaruin“, von welchem einige Bogen den Orientalisten•('ongress zu Stockholm Vorlagen, wird noch, im Laute dieses Jahres erscheinen. Die Verfasser sind Gra'f M. de Vogue und M. R. Duval. Litterarischer Anzeiger. Bei Bruno Meyer & Co. in Königsberg in Pr. ist soeben erschienen: Chanuca-Melodi(‘ ״Ma0s Zm׳j <מעון ציר) FBr Pianefoi'te bearbeitet von Ed. Birnbaum. 1*1 eis I Mk. Früher erchicn 011 ׳ demselben Componisten .PSALM 21 ,,Der Herr Ist mein Hirt‘•. tür dreisimmigeu Knahenchor. Preis 1 Mk. Beide Compositionen eignen sich besonders zur Auflührung bei ('hanuca-Feierlichkeiteu tür Kinder etc. ״Die Chanuca-Melodie“ ist zudem von einer literarischhistorischen ״Vorbemerkung“ über die Geschichte derselben begleitet und verdient . in den musikliehenden jüd. Familien verbleitet zu weiden. [00.12 in meinem Selbstverläge ist erschienen: &<>;> IST eiciitrag־ zu den im Jahre 1888 von 111'r veröffentlichten Kreslsaer Mynagogcngeoilngen Zu beziehen v. Verfasser. Preis 5 Mk. Breslau, November 1880. Cantor Deutsch. Epilepsie. [105־ Krampf- und Nervenleidende finden sichere Heilung nach einzig dastehender tausendtach bewährter Methode. Briefliche Behandlung nach Einsendung eines ausiührl. Berichtes, dieselben sind mit Retourmarkeu zu adressiren: HyglrnSanatoriuniHauib'irgl Kochbuch für Lsrael. Frauen von Rebekka H'olff Hemeinaim. Neunte verb Autlage. Elegant Leinwandband Preis Mk. 8.50. AD vorzüglich anerkannt. Frankfurt a. M. J. Kacffmaaa, Verlag.[3018 In meinem Verlage ist erschienen und durch alle BuchhaudluDgen zu beziehen: 3017 Israel. Amts •Kalender von Dr. J. Levy. [In der vorigen Nr. des ״Litteraturblattes“ besprochen׳. Preis elegant geh. Mk. 150, bei portofreier Zusendqng Mk. 1.00. H. E«b«I jJ3wlimJ£10sterstr^lö Verantwortlicher Redacteur Dr. Ra h mer, Magdeburg. Druok von D. L. Wo 1 ff, Magdeburg. Verlag ▼on Robert Fri ose Leipzig;

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