Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 49. (5.12.1889)
- Date
- 1889-12-05
- Page
- Seite 196 (sequence 2)
- Language
- German
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-r- 196 — beim Verschwinden bittere Kränkung in mein wundes j Herz goss Ich habe vergebens gelebt! Wenn bei ן diesem traurigen Bekenntnisse eine Thräne das Auge! des fühlenden Mannes benetzt! — Verzeihen Sie das als gnädigster Fürst, es ist ein Opfer, eine Thräne, der Menschheit geweint! Peinigender wird mir itzt der Gedanke, wie glücklich ich gewesen sein würde, wenn das Grtite. welches Ew. Herzogi. Durchlaucht bloss dessRalh, weil cs gut ist, zu befördern so eifrig bemüht sind, auch zum Vortheile meiner Nation hätte realisirt werden können; wenn nicht Vorurtheile, hergebrachtes Unrecht und ein Heer aufgeweckter, ängstlicher Besorgnisse gegen meine tbätigsten Bemühungen in engem Bunde Ew. Iler/ogl. Durchlaucht selbst das offene Gestündniss ablocken mussten — dass zwischen Wollen und Vollbringen eine Klippe sich aufthürme, an der die edelsten Entwürfe scheitern, dass auch die biedersten Fürsten doch nur Menschen sind. Ich scheide von hier mit der innigsten lieberzeugung, mit dem beiuhigsten Gefühle, meine Pflichten treu erfüllt, das Glück meiner Mitbürger thütig gefördert, und manche Thräne getrocknet zu haben, die im Verborgenen geweint wurde. Ich war glücklich genug, dum Staate und meinem Fürsten mit eigener Aufopferung manche Schuld zu retten, die für verloren geachtet wurde, durch Thiitigkeit und Commerciouen Verwicklungen aufzulösen, die grosse Verluste befürchten Hessen. Ich erhielt die schmeichelhaftesten Versicherungen der Zufriedenheit meines gütigsten Fürsten, nur diesen Preis zu erringen beabsichtigte ich, verschmähte jede angebotenc Entschädigung, die den Werth meiner Thiitigkeit und der freudig dafür dargebraehten < >pfer nach meinem Gefühle herabgesetzt haben würde. Ich schuf mir eiucn neuen Gesohäftskreis, der meine Unternehmungen reichlich belohnte. Durch Herbeiziehung auswärtiger Geschäfte, die eine richtige Beurtheilung mich wählen Hess, und die eine glückliche •Oonjunctur begünstigte, sammelte ich mir ein Vermögen, das rein vom Fluche des Wucherziuses meinen Enkeln verbleiben wird. Ich errichtete eine förmliche Leih- und Depot-Bank, in der jeder das ihm lästige Geld selbst auf die kürzeste Zeit zu;5 u/0 Zinsen belegen konnte. Hierdurch hemmte ich manche Verlegenheit, wurde vorzüglich dem handelnden Publicum nützlich. Unterstützung bedürfende Wittwen und Waisen gemessen noch itzt aus dieser Bank 4— 5 0/י Zinsen. Ich lieh auf kurze oder längere Zeit zu 1 und 5 pCt. Zinsen aus, ja ohne Zinsen dem, der Unterstützung mir zu verdienen schien. Selbst die Landescassen erhielten zu 1, höchstens 5 pCt Zinsen Vorschüsse, und nie verlangte icli höhere Vergütung, wenn mir auch die Rücknahme in sehr geringen Summen zur Pflicht gemacht wurde. Bei diesem Geschäfte, meine Handlungsbücher beweisen es, berücksichtigte ich mehr den Vortheil des Ganzeu als mein individuelles Interesse. Ich habe mich nicht auf Kosten meiner Mitbürger und des hiesigen Landes bereichert. Alle Unternehmungen, die ich vorzuschlagen wagte, >ind durch den glücklichen Ausgang gekrönt, und noch bis auf den itzigen Augenblick hat so wenig ein Privatmann als der Staat dabei im Geringsten verloren. Was meine Gegner ohne nähere Sachk׳ nnu.iss mir so gerne anrechnen möohten, dass ich eine grosse Summe hiesigen Geldes ins Ausland geschafft habe, rechne ich mir als ein nicht zu übersehendes Verdienst an. Bei meinem Eintritt in das hiesige Land land icli alle Ca *sen iiberstrümt mit augeboteuein Gelde, das man nicht zu benutzen verstand. Dies schuf Verlegenbeiten der drückendsten Art, die so manche bange, so manche laute Klage erweckten. Die Ca>sen kündigten alle Capitalien, die zu 1, die zu JpCt. belegt waren, setzten sie zu 2 '/,, zu 2pCt. herab, und im Jubel über diesen Missgriff, entwarf man eine Schilderung von dem neidenswertben Glück eines Staates, dessen Credit die seltene Stufe erreicht hätte, dass selbst der einzigen Staats-Leihhank CapitaUen zu 1 pCt. Zinsen angeboten und von ihr verschmäht wären. Dies war leider ein erträumtes Staatsglük. Man vergass in dem Gemälde die Thränen von Wittwen und Waisen zu zeichnen, die durch Herabsetzung des Zinsfusses bei der stets steigenden Theuerung von ihren Oapitalien zu zehren hatten, und wenn sie aufgezehrt, um Unterstützung zu betteln genöthigt waren. Mau übersah die ewige Regel der wirkenden Natur, dass, wer im unthätigen Schlummer die Kräfte des Staates einwiegt, das moralische Absterben derselben bewirkt; dass nur durch rastlosen Unitrieh eine Kraftfülle und solide Stärke erzeugt werden könne. (Fortsetzung folgt) Wie übersetzt Onkelos das Wort □הימי? (Gen. XXXVI, 24.) Diese Frage erscheint müssig und die Antwort sehr einfach. Die uns vorliegenden Ausgaben bringen als Uebersetzung für הימים das Etymon ג3ריא. Auffällend ist aber zunächst, dass der Talmud keinerlei Relation für diese Paraphrase bietet. Der jerusalemische Talmud (of. Berachot Cap. VIII, 6 und Genesis Rabbah z. St.) gräcisirt das 2r.al־ Xsy0|juvov הימים duroh leichte Inversion und findet so das Wort המיוגם — Y)|uövo;, Halbesel, Maulesel. Der babylonische Talmud (ot Pessachim fol. 54 u) führt im Namen des R, Simeon ben Gamaliel dieselbe Erklärung ohne nähere sprachliche Begründung an. — Schon Jacob Reifmann wundert sich in seinem interessanten Schriftchen שדה ארם über diese Uebersetzuug des Onkelos |1nd wie vor einem unlösbaren Räthsel stehend, vermisst er im Talmud jeden Hinweis auf diese Paraphrase mit den Worten (ibid. pag. 18): ומדעת המתרגם אין אמר ואין דברים בתלמויד. Was an zweiter Stelle autfällt, ist, dass der sogen. Pseudo-Jonathan sich nicht die Uebersetzung לבריא aneignet. Bei seiner Abhängig* keit von Onkelos fällt dieser Umstand bedeutsam in’s Gewicht. Bekanntlich ist Pseudo-Jonathan von der Tendenz geleitet, die Grundschrift des Onkelos aus dem Ost-Aramäischen in das West-Aramäische zu übertragen. Erst in zweiter Reihe fügt er seiner Paraphrase palästinensische Aggadot und Midrasohim ein. Unsere Stelle paraphrasirt Pseudo-Jonathan: הוא מה דאר5ע ית עדריא עם אתני ולזמן א0זבח ית כודנייתא. Hier finden wir die talmadisohe Relation getreulich wieder und keine Spur von גבריא, welche die Grundsohrift des Onkelos doch sichtbar enthält. Uns will es scheinen, dass in dieser Paraphrase des Pseudo- Jonathan auch die Uebersetzung des Onkelos enthalten ist. Vielleicht hat Onkelos das ominöse הימים mit אתני übersetzt, was Pseudo-Jonathan auch bringt. ימים sind ihm alsdann ״Eselinnen“, hervorgegangen aus einer bestimmten Kreuzung der Arten. Ein scribulus nahm füglich Anstoss an der Uebersetzuug אתני tür ןמים weil er es nach einer sehr geläufigen Verschiebung»- und V erwechsluDgsmethode (חילוף אותיות א״הו״י) mit j אימים identificirteאימים) ״ — Gen. XIV, 5 — giebt ODkelos i wieder mit אמחני.) Was war einfacher, als zwischen I den ersten und zweiten Gonsonanten des Wortes אוזני den Consonanten מ zu interpoliren? Nun stand wirklich das Wort אמתני •fix und fertig da. Leider rechtfertigte der Zusammenhang diese Uebertragung der Steile durchaus nioht. Heisst es doch ausdrücklioh an unserer Stelle, Auah habe etwas Neues gefunden oder dntdeckt, nämlich die ימים in der Wüste.