Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 49. (5.12.1889)
- Date
- 1889-12-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 49. Jüdisehes Janrg, 21VU1.־ Litteratur-Blatt. Iw ■•Inehtu( aller Jilntkn amd Mm kilnlMdM IlttararlK'kaa Br• «ktlm|M aaf Im dar Phlla■ •opkl«, «cacklrhlt, KlhatBraphla, Thao■ tplr, Orleatalla, Kxafaa«, ■•aallatlk, l.ltartfk 1. Mdacaflk. Herausgegebeu ▼on Rabbiner Dr. Xoriti Rahmer. 9TC«93e6׳wKj, 5. S)«cem6׳et 1S89.- Bleker der claackliplyaa I1l(taratar,nalek dar Badaat on »gaaaadt «ardaa, JMgk la dlaaaai Blatt# alagakeada iaaKul^ Rat tlaaaadaaa raa awal Bacaaaiaa#■ Kzaatplaraa rrfalrt alaatallr# kar« tiralla-laaertloa. I Dm H^ldlsck• Litter»tmr-Bl»tt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bozen Preis bei allen Baohhandluageiv tii Leipaig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark* Abonnenten der .Uraelitisoben Wochenschrift“, die vierteljährlich' bei allen Postanstalten und Buchhandlungen ■.Mark Bahlen, erbalteu aas ״Jüdische Litteiatur-Bl&tt“ gratis. — Inserate werdeninit Bi Pf. ■tttr die gespaltene Petitneile, Beilagen mit SO Mark, berechnet uni sind au die Bxpelition diese# Blattes zu senden Bnchh&ndler a. Lehrer, welche direct oder durch Robert. Friese Inserate einseudea, erhalten 25 X liahatt. I n 11 alt: Wiss enschaftliche Aufsätze: Einiges aus der ersten Zeit, und über deD Stifter der Jacobson-Schule. Vom Landrnbbiner Dr. Rülf in Braunschweig —Wie übersetzt Onltelos das wert ך.ימ־ם? Litt ei aturbericht: Recensionen: Braunschweiger, Dr. .A• Ine Lohreu der Mischna, ihr Leben und Wirken für Schule und Haus etc ^Schluss ) — Steckelmacher, Dr. M , Stadtrabbiner in X. ir.nlieim, Die Gottesidee der Offenbarung und des Heider! .ums im Lichte eines neuen Unterscheidungsmerkmals betrachtet. Li t.: arische Notizen. Unbefugter Nechdruci» aus diesem Blaffe ist nicht geslattet. Einiges aus der ersten Zeit und Uber den Stifter der Jacobson-Schule. Vom Landrabbiner Dr. Rülf in Braunschweig. (Fortsetzung.) Ohne die Entscheidung seines, wie er wohl wusste, ihm gnädigst gesinnten Fürsten abzuwarten, richtete er an denselben die Bitte, um Entlassung aus dem Dienste und die Erlaubniss, Braunschweig verlassen zu dürfen. — Das ziemlich umfangreiche Schriftstück bietet des Interessanten so viel und zeigt uns den Character Jacobsons in einem so freundlichen, klaren Lichte, dass wir nicht umhin können, es hier folgen zu lassen. ״Durchlauchtigster Fürst, Gnädigster Herzog und Herr! In der wehmüthigsten Stimmung, die aucli das Gemüth eines weniger warm fühlenden Mannes zu erschüttern vermöchte, wage ich es, meinem huldreichsten Fürsten eine Bitte vorzutragen, deren Gewährung mir itzt als eine Gnade erflehen zu müssen, meinem Herzen ein schmerzendes Opfer ist. Die Bitte ist: Erlassung meiner Pflichten, Erlaubniss, mich aus dem braunschweigischen Lande entfernen zu dürfen. — Die Bitte ist das Resultat einer reichen Prüfung. Die Gründe, welche zu diesem Entschlüsse mich bestimmen konnten, Ew. Herzoglichen Durchlaucht vorzutragen, verbietet mir die Vereinung gegen meinen edelsteji Fürsten und das Gefühl von Dankbarkeit, das unvertilgbar auch im fernsten Auslande mein Herz erwärmen wird. Von dem Augenblicke, wo ich vor 12 Jalircu zum Kammer- Agenten ernannt wurde, bis auf den itzigeu Moment, erfuhr ich die lautsprechendsten Beweise des gnädigsten Wohlwollens, genoss eine Auszeichnung, die ich, entflammt durch den süssen Wahn, nun nützlicher werden, für einen grossen Zweck thütiger hinarbeiten zu können, vielleicht zu hoch achtete, und dadurch neidische Missgunst weckte, die mich und meine Entwürfe mit Waffen | bekämpfen, gegen welche den Sieg zu wünschen, mir! die hohe Achtung gegen Ew. Herzogi. Durchlaucht verbietet. Ich erhielt die Naturalisation nicht mir l'Ur mich, auch fiir meine Nachkommen; mir wurden unsdrücklioh für mich und die Mcinigen die Vorrechte christlicher Staatsbürger zugesichert in meinem Diplome, j dessen äussere Pracht mich nicht anziehen. dessen; Inhalt mir nicht wünschenswert!) sein könnte, denn ich 1 wurde ja dadurch nur mit deu geringsten meiner Christliehen Domestiken gleich gestellt, wenn nicht das Motiv! der Ertheilung: ״Dass es ein verdientes Merkmal der höchsten Gnade wegen treu geleisteter Dienste bei meinem bekannten Wohlverhalten und gemeinnützigen Betragen sein solle“ mir so unendlich schmeichelhaft gewesen wäre, dies Diplom zu dem köstlichsten Adelsbriefe erhoben hätte. Damals segnete ich meinen Ent- Schluss, Eltern und Vaterland verlassen, mich aus Ver- 1 hältnissen gerissen zu haben, die selbst demjenigen,; der sie weniger genau kannte, ueidenswerth schienen. ן Ich sah bei dem Glanze der Toleranz und des Biedersinns, der den Thron meines gnädigsten׳ Fürsten umstrahlte, den grossen Plan zur Wirklichkeit reifen, der wild in des Jünglings Seele auflodernd, das Herz des Männes wohlthätiger erwärmte, in einem aufgeklärten von entehrenden Vorurtheileu gereinigten Zeitalter, in einem von jedem Ausländer beneideten Staate die Ketten zerbrechen zu helfen. die zur Schande der Menschheit Jahrhunderte lang den Geist, die Kraft und den freien Willen meiner Nation gefesselt hielten. Mit rastloser Thätigkcit strebte ich 12 mühevolle Jahre nur dem einen Ziele zu, dem edelsten Fürsten, dem grossen Publikum, unter dessen Augen ich lebte, handelte und wirkte, durch mein Beispiel zu beweisen,׳ dass nicht Religions-Begriffe, Religions-Gebräuche, den Character der Menschheit bilden, und dass der Mann, der eifrig in seiner Synagoge den Schöpfer verehrt, ein dem Vaterlande nützlicher, ein ruhiger, ein wohlthätiger Staatsbürger sein könnte. Seit 12 Jahren nützte ich meinen ganzen Einfluss aut die Mitbürger meiner Nation — uiu sie zu sittlichen Menschen zu bilden, und ich bin stolz darauf, meine Wünsche zuiu Theil befriedigt zu haben. Für den grossen Plan zu wirken, meine Nation auf einer höhereu Stufe der CuLt 111• zurückzulassen, als ich auch in hiesigen Landen sie vorland, schuf ich mit bedeutendem Kostenaufwaudc ein Krziebungs-lustitut in Seesen, dessen Früchte mir schon reifen und den einzigen wolilthiitigen Genuss für so manche nutzlos verlebte Stunde gewähren. Vergebens habe ich 12 Jahre lang nach dem ciucu grossen Ziele gerungen, vergebeus die schönsten Jahre meines Lebens einem Puautoin geopfert, das, je näher ich Umx zu sein wähnte, je weiter mir entschwand, und