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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-11-21 · N° 47. (21.11.1889) · p. Seite 189

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 47. (21.11.1889)
Date
1889-11-21
Page
Seite 189 (sequence 3)
Language
German
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— 2&9 — dem kecken Stürmer nach and nimmt es ihm nicht übel; eine Schrift, in der es gewaltig gährt, bietet uns wenigstens die Garantie, dass sie nicht wässerig ist. Mit diesen Vorbehalten können wir das Buoh des Herrn Dr. Stern warm empfehlen; die Frische und das Feuer der Jugend lodern durch dieses Büchlein; der Autor hat ein reiches Wissen und ein ernstes Bestreben, auf den Grund der religiösen Probleme zu dringen. In fünf Kapiteln behandelt Dr. Stern sein inhaltreiches Thema. Die Orthodoxie, der Ratio• nalismus, die Reform, der Mysticismus, das dogma• freie Judeuthum. Was er uns im letzten Kapitel empfiehlt, ist, dass sich die Parteien im Judentbum hübsch untereinander vertragen sollen. Es ist ein Glück für unsern Autor, dass er von der der Jugend eigentümlichen Neigung nach dem Neuen und Unerhörten sich nicht dazu verführen lässt, uns exorbitante Rathsohläge zu geben und es ist ein Glück für die Juden, dass sie diesen guten und weisen Rath längst befolgen. Noch, G. s. D., stehen alle Juden auf gemeinsamem Boden, wir haben Parteien aber keine Sekten. Dr. Stern ist ein freisinniger Mann, indess kein Reformer. Der Reform wirft er unter Anderm vor, dass sie sich prinoiplos von Rücksichten auf die Bequemlichkeit leiten lasse; wir berühren absiohtlich diesen wundesten Punkt. Indess, auch das ist ein Princip und zwar ein gut rabbinisches, dass man der Gesammtheit keine Beschlüsse auferlegt, deren Ausführung sie in ihrer Mehrheit nioht ertragen kann. Unleugbar war es innerhalb des Ghetto’s leichter, den Sohulchan Aruch zu halten, als heut zu Tage; ja heut zu Tage ist es nahezu zur Unmöglichkeit geworden, ihn in allen seinen Verzweigungen zu beobachten. Freilich wird es nicht leicht, dieses Princip in die Praxis einzuführen, aber darum sollte ein so unterrichteter und tiefdenkender Mann wie Herr Dr. Stern von der Bequemliohkeitstheorie nioht gar so geringschätzig reden. — Jeder unbefangene Leser wird dem Autor für mannigfache Anregung dankbar sein und die Kritik darf die Hoffnung aussprechen, dass dieser gährende Most zu einem kräftigen Wein sich klären, dass der Autor nooh manche tüchtige litterarische Leistung uns bescheeren wird. Vogelstein, Dr. H. Der Kampf zwisohen Priestern und Leviten seit den Tagen Ezechiel’s. Eine historisch-kritische Untersuchung. (Schluss.) Auf Seite 94 behauptet der Verfasser, auf Grund der Stelle (Mal. 3, 14, 15), es sei zur Zeit Maleachi’s im Volke die Ansicht viel verbreitet gewesen, ״dass das Lebensglück des Menschen unabhängig sei von seiner Frömmigkeit, und werde dieses dem Bösen oftmals in höherem Maasse zu Theil als jdem Guten“. Die Frage, warum das Gute auf Erden leidet, und das Böse scheinbar triumphirt, führt zum Oefteren in den biblischen Schriften zur Antwort, dass äusserliches Glück verschieden ist von innerer Seligkeit, flüchtige Freude von ewiger Belohnung der Tugend, welche die Religion lehrt. Dieser von der Religion ertheilten Antwort wegen wird daher die von fluchtiger und irdischer Lebensanscbauung eingegebeue Frage aufgeworfen, ohne dass deshalb der Inhalt der Letzteren beweisen würde, dass er dem der herrschenden und verbreiteten Meinung entspreche. (Vergl. Jeremias 12, 1 b, Koheleth 4, I, Psalm 92, 8—11). Religiöse in Form von Frage und Antwort ausgesprochene Sentenzen sind eben wesentlich verschieden von historischen Belegen. Auf Seite 108 hat der Verfasser ganz übersehen, dass in I. Chronik. 15,20 von demselben linnenen Ephod die Rede ist, welches König David, nach II. Sam. 6,14, bei der Einholung der Lade getragen hat. Nur hatte, nach der erstgenannten Stelle, der I^önig ausserdem einen Mantel aus Byssus (מכרבל) umgehüllt, von welchem gerade, weil er dieses Gewand mit den Leviten gemein hatte, in der Parallele aus II. Samuel nicht die Rede ist. In keinem Falle aber bot, wie der Verfasser irrthümlich annimmt, der Mantel einen Ersatz für das Ephod. Auf Seite 111 macht der Verfasser aufmerksam auf die Umänderung der (U Sam. 24,24) als Kaufpreis für die Tenne und die Rinder Arawne’s äugegebenen 50 Schekel in 000 Schekel Goldes, die nur für den Platz gezahlt wurden, wie dies aus I. Chronik 21,25 hervorgeht und beweist damit, wie dem ״Chronisten“ daran gelegen war, die Bedeutung der Opferfälle durch ״eine hohe Kaufsumme hervorzuheben“. Nun, wenn das wirklich die Absicht des ״Chronisten“ gewesen sein sollte, so würde mir weder das Mittel noch der Zweck der Thathandlung irgend welohe Achtung eingeflösst haben. Ich würde es von einer modernen Gemeinde-Verwaltung ganz unverantwortlieh finden, wenn sie einer jüdischen Gemeinde in dieser Form und in dieser Absicht über eine neuerbaute Cultusstätte Rechenschaft ablegen würde; wie soll ich denn erst ein heiliges Buch so wenig moralisoh erklären wollen? Hier müssen wir daher anders übersetzen. II. Simuel spricht von der Tenne und dem Rind, die sicherlich mit 50 Schekel reichlich bezahlt waren, die Parallele in der Chronik aber von dem Grundstück, das wohl 600 Sohekel Goldes werbh war. Aehnlioh verhielt es 8ioh mit der Volkszählung in beiden Stellen. In Chronik I, 21,5 beträgt die Zahl der gesammten Israeliten, die kriegsbeiähigt waren (1 (שלף הרב Million 100 000 Mann, die der Waffenangehörigen des Stammes Juda 470 000 Mann. In der Parallele Samuel II, 24,9 hingegen beträgt die Zahl der waffenfähigen Israeliten S00 000 Maua und die der jüdischen Mannen 500 000 Mann. Wenn nun die Zahl der Israeliten in Samuel viel kleiner und die der Juden in der Chronik geringer ist, so erklärt sioh dies daraus, dass in Samuel bei den Israeliten das Attribut איש חיל hinzutritt, welches wohl die Kriegstüohtigkeit bedeutet, und bei den Juden der Chronik das Prädikat שלף חרב der Waffenfähigkeit. So gleicht sioh der Unterschied in beiden biblischen Stellen aus. Auf Seite 128 meint der Verfasser mit der ihm eigenen Gemüthlichkeit, dass die Feier des Passah unter Chiskia, wie sie in II. Chronik Kapitel 30 gesohildert wird, ״der Phantasie des Chronisten“ ihr Entstehen verdankt; da sie im K&uigsbuohe nioht erwähnt ist. Nun, dieser letztere Umstand ist der Tendenz der Chronik zuzuschreiben, welche, nach meinem Dafürhalten, nicht wie der Verfasser meint, in der Verherrlichung des Standes und Stammes der Leviten wurzelt und gipfelt, sondern iu der des Hauses David, dessen Schilderung ja fast ganz den Inhalt des ersten Buches der Chronik ausmacht. Nachdem König Cyrus (II. Chron. 23), und das ist der Schluss- und Angelpunkt der heiligen Erzählung, den Exilirten die Erlaubniss zum Aufbau des Tempels gegeben hatte, musste au König David und die seinem Hause entstammten Könige und Fürsten historisch angekuüpft werden, um den Juden Staatliehe und kirchliche Organisation zu geben. So war der König David die Sonne, um welchen Priester und Leviten wie die Sterne der Erlösung leuchteten. In der Erlösungsgeschichte des jüdischen Volkes aber bildet die dem Passah-Fest zu Grunde liegende Befreiuug aus dem Lande Mizraim ein Haupt-Moment, auf welches in einem in der Freiheitsepoche anga

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