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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-11-21 · N° 47. (21.11.1889) · p. Seite 188

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 47. (21.11.1889)
Date
1889-11-21
Page
Seite 188 (sequence 2)
Language
German
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188 — werden müsse, die erste Bresche, welche in alte Vorurtheile gelegt werden solle; wenn dies in einem kleinen Orte, wie Seesen, einige Schwierigkeiten mache, so seien diese doch noch nichts gegen die Hindernisse, welche in einem grösseren Orte in gleichem Falle entgegen stehen würden. Kr — der Magistrat — wünsche die Regelung der Sache aber auch um der Professiouisten selbst willen, die Lehrlinge erhalten, welche ihnen nicht nur nicht die geringsten Kosten verursachen, sondern auch noch dazu ein hohes Lehrgeld einbringen. Die hier und da gehörte .Befürchtung jedoch, dass zu viele der Zöglinge sieb dem Handwerke widmen möchten, sei gewiss nicht zulässig. Die mosaischen (lesetze. welche zur Aufrechterhultung des Instituts auch von den Lehrlingen streng beobachtet sein wollten, lasse dies nicht zu. Der Kammer-Agent werde schwerlich eine sehr grosse Anzahl solcher Lehrlinge am 'fische beibehalten können, da er dieselben noch dazu bis zur Zeit der iiberstandciicnen Lehrjahre auch mit allen sonstigen Bediirfnissen zu unterstützen AVillens sei. Diesen von humanem (.leiste diktirten Bericht legt das Ministerium mit folgendem Referate — ein aufgeklebter Zettel enthält dasselbe — dem Herzoge vor: ,.So wünschenswert!! es einer ehristlichen Regierung auch immer sein muss, Religionsvorurtheile nach dem Geiste der jetzigen Zeiten zu heben, und solchem nach auch die •luden zu jedem bürgerlichen Gewerbe zuz.ulassen, so erschweren doch ihre Religionsbcgritfe und ihr mosaisches Gesetz alle Mittel nach und nach dazu zu gelangen, und wirken den besten Absichten entgegen; besonders aber ist jenes ihrer Aufnahme hei den Handwerkern hinderlich, daher es auch völlig unthunlich ist, in Deutschland einer Gilde geradezu zu befehlen, dass sie die Juden zunftmiissig uufuehmun und ein- und ausschreiben lassen solle. Der von dem Magistrate in Seesen vorgeschlagene Mittelweg ist daher sehr willkommen; und wenn man gleich beabsichtigt, der Juden Aufnahme bei den Handwerkern möglichst zu begünstigen. so kann und darf dieses doch nie zum Schaden der Gilden geschehen, und halten wir es daher lür völlig ohnhedenklich, denselben die Ver- Sicherung zu crtheilen, dass nie ein Jude per G011cessionem die Krlaubniss erhalten solle, ein zunftmässiges Professions-Gewerbe zu treiben." Der Herzog entschied laut Resolution vom .'11. Uctober nach dem Vorschläge des Seeseuer Magistrats und seiner Käthe, machte sich aber Letzterer Argumentation nicht zu eigen, wie er auch schon früher einmal in dieser Angelegenheit die dem Judenthum ungünstigen Ausführungen der Minister zurückgewiesen und nicht in die Resolution aulgenommen hatte. Kr lie!» \ielmehr bemerken, den Gilden werde willfahren, um das letzte liinderniss, welches der Annahme jüdischer Lehrlinge entgegenstebt, wegzuriiumen, und so das Kmporkommen und den Zweck der jiid. Bildungs- Anstalt zu befördern. Demnächst und beim Schlüsse jedes Jahres sei aber noch seitens des Magistrats zu berichten, wie viele jüdisch(• Lehrlinge und bei welchen Gilden solche angenommen sind. (Forts.!olgt.) die Giesskanne aas Colchester und zwar aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stamme, wo sie Eigenthum des damaligen geistlichen Gemeindeoberhauptes Rabbi Joseph gewesen war. Ein anderer Schriftsteller trat dieser Ansicht entgegen; doch hatte ich damals keinen Grund und habe ihn auch heute nicht, auch nur einen Schritt von der durch meine Untersuchungen erlangten Po» sition zurückzuweichen; ich halte meine Behauptungen vielmehr in ihrem ganzen Umfange aufrecht Der Grand, wesshalb ich mich gedrungen fühle, den Gegenstand wieder aufzunehmen, liegt in einer neueren Entdeckung, welche meine früheren Angaben vollauf bestätigt. Es ist unwiderlegbar nachgewiesen, dass die britische Insel während des Mittelalters ein grosses Contingent Rabbonim enthielt und zwar Männer von Ruf, sowie dass sie gelegentlich auch der vorübergehende Aufenthaltsort anderer Gelehrten, darunter auch solcher vom Continent, deren Schriften deu jüdischen Namen mit Ruhm bedeckten, gewesen sei. Unter diesen weist Herr Joseph Jacobs den berühmten.Tossapnisten, Rabbi Elchanan ben Isaac nach, welcher kein anderer als der gleichherühmte Deodatus Episoopus war, der in englischen Documenten so oft vorkommt. Diese Spuren verfolgend, stellte ich mir die Aufgabe, nach einem Jechiel ben Schemuel zu suchen und fand auf diese Weise Gelegenheit, die unterbrochene Kette zwischen Joseph ben Jechiel auf der Giesskanne und seinem Grossvater Samuel wieder herstelleu zu können. Jetzt finde ich einen Josse ben Jechiel, der 12t>8 in Colohester wohnte und dessen Grossvaters Name mit Bestimmtheit als Samuel angegeben wird. Jechiels Familie, welche ausser ihm noch aus vier Söhnen bestand, wohnte in Stockwelle Street, wo sie auch Eigenthum besass. Aus nicht bekannten Gründen musste Jechiel den Märtyrertod sterben, wesshalb ihm der Titel Hakkadosch beigelegt wurde. Er muss gegen das Ende des 12. Jahrhunderts gelebt haben. Da nun in unsern jüdischen Annalen nur ein Jechiel ben Samuel rühmlich bekannt ist, so muss dieser nothwendig der englische Raw von Colohester, der eines traurigen Todes starb, gewesen sein. Dieser Raw Jechiel ben Schemuel wird als Piutdichter aus dem 12. Jahrhundert geschildert, welcher mit andern Rabbonim, besonders mit Rabbi Mosche Baltmann in Regensburg eine rege Correspondeuz unterhielt. Er 8011 der Führer seiner Gemeinde gewesen sein, in welchem Amte sein Sohn Josse ihm folgte und dieses stimmt auch zu der auf der Giesskanne befindlichen Inschrift. Rabbenu Jechiel wird in den Tossefoth oft genannt und sein Zeitgenosse, der ebenso berühmte Rabbenu Tarn, Enkel des Raschi, führt ihn in seinem ספר הישר an. Ich zweifle daher nicht im Geringsten, dass wir diese Giesskanne dem Nodiw Raw Josse, Sohn des Märtyrers Raw Jechiel ben Schemuel, des Piutdichters, verdanken und dass diese die Repräsentanten dreier Generationen der ersten englischen Juden darstelleu, welche einst in Colchester wohnten. Die Giesskanne der Bodleiana. Von M. D. Mavid. Seit einer Reihe von Jahren widmete ich der Lösung des Käthsels, wer wohl der Nodiv Rabbi Joseph, Sohn des Märtyrers Rabbi Jechiel, dessen Name »ich als Inschrift aut diesem interessanten Gefasse fiudet, gewesen sei, einen bedeutenden Autwaud au Zeit und Mühe. Ich brauche das eingeschlageue Verfahren uicht zu wiederholen. Ich behauptete, dass Recensionen. Stern, I>r. Simon, Rabbiner. Das europäische Israel. Brüun. Bernhard Epstein. (10ö S.1 Es käim ein Buch aut' jeder Seite zum Widerspruch reizeu, uud deuuoch uud vielleicht eben deswegen reizend sein. Der ungestüme Jugeudmuth, der ungenirt auf alle Parteien losstürmt, gefällt selbst in seiner Ueberschwenglichkeit; auch wenn einer etwas; heftig angeranut wird, so blickt er wohl lächelnd

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