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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-11-21 · N° 47. (21.11.1889) · p. Seite 190

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 47. (21.11.1889)
Date
1889-11-21
Page
Seite 190 (sequence 4)
Language
German
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— 190 — egten Werke der Chronik ungleich mehr Gewicht gelegt werden musste, «18 im Buche der Könige, in dem die Feier eines solch wichtigen Festes bei einem so frommen Könige wie Chiskia von selbst vorausgesetzt wird. Kommt nun noch der Umstand dazu, wie ja der Verfasser selbst auf Seite 129 einläumt, dass das Chiskiauische Passah-Fest eigentlich nur ein Fest des zweiten Passah war und bei geringer Betheiligung und unter solch bedauerlichen Umständen stattgetunden hatte, dass sich (11. Chronik 39,15) die Priester und Leviten des kläglichen Misslingens geschämt hatten, so wird es nur zu leioht erklärlich, wesshalb das Buch der Könige dem Könige Chiskia nur eine Gefälligkeit historischenStillschweigens über diese Feierlichkeit erweisen wollte, das aber aus dem Bedürfnisse der Erlösung des .Volkes heraus in der Zeit der Auferstehung des jüdischen Staates das Buch der Chronik gebrochen, welches mit biblischer Naturwahrheit unter gleichmässiger Vertheilung von Licht und Schatten das chiskianische Passahfest geschildert hatte. Auch liegt unter den so bewandten Verhältnissen kein Wiederspruch darin, wenn II. Könige 23,22 und in der Parallele II. Chronik 35,18 das viel spätere Josianisohe Passahfest mit dem Bemerken geschildert wird, dass eine solche Feier seit den ältesten Zeiten nicht stattgefunden hat. Die Festlichkeit war eben danach. Auf Seite 111 folgert der Verfasser daraus, dass der Versündigung David’s mit Bathseba in der Chronik keine Erwähnung geschieht, während die durch Zählung des Volkes begangene Sünde David's wohl erzählt wird, dass es der Tendenz des Chronisten entsprochen hatte, von einem Könige, dem er sonst nichts Böses naohsagt, dennoch Naohtheiliges zu berichten, da es ja doch zur Gründung des Altars in Jerusalem und zur Machtentfaltung des Levitenthums geführt hatte. — Wenn das wirklich der Pall gewesen wäre, so hätte der ״Chronist“ niemals mein ethisches und auch nicht mein ästhetisches Wohlgefallen erwerben können. loh würde ihm zugerufen habea: ״Keinen Honig und keinen Stachel“. Es lag ja doch viel näher für den Schüler Zacharias Frankels aus dem Stillschweigen der Chronik über die Sünde David’s mit Bathscheba einen Beweis herzuleiten, wie sehr recht der Talmud hatte, wenn er behauptet, dass David vor dem Bichterstuhle der Geschichte nicht gesündigt, weiler wohl sinnlich,aber nicht unsittlich gehandelt hatte. Im Kriege, in welchem naoh talmudischer Erklärung, jeder Krieger von seiner Ehefrau gesohieden ist, lernt (II. Sam. 11) der König David das Weib des Urias kennen. Der Krieger wird in die vorderste Reihe, mittelst allerhöchsten Erlasses des Königs an den obersten Betehlshaber Joab, zum Feldherren befördert. Er fällt, und seine Wittwe heiruthet der König David. Das ist wohl nicht gottgefällig (II. Sam. 11,27, Psalm 51,0) aber nicht menschenunwürdig. Auf Seite 130 sagt der Verfasser, bezüglich des 27. Verses im 30. Kapitel der II. Chronik - den■ Ausdruck הכהני־ם הלוים; auch die LXX (Vatic.) haben an dieser Stelle 01!epe!? 01 Aso׳tx: ohne y.a:. Es ist sehr wohl möglich, dass der Chronist hier absichtlich eine zweideutige Fassung gewählt hat; denn die Befugniss des Segensprechens über das Volk halten nur die Priester (Num. 0, 22—27). Hält der Ver; fässer denn wirklich, wo es sich um ein göttliches Gesetz bandelt, eine Vertuschung durch eine ״zweideutige“ Fassung in einem heiligen Buche, oder auch nur in einem heiliger Geschichtsforschung gewidmeten Werke für denkbar? Einen solchen Historiographen würde ioh für keinen ״gentleman“ halten, geschweige denn für berechtigt, in die heilige Schrift aufgenommen zu werden. — Hätte doch der Autor, den ja meine aufrichtigen Sympathien auf Schritt und Tritt begleiten, den glücklichen Griff, den er auf Seite 80 mit der Behandlung des Talmud (Iebamoth 86 b) bei Besprechung des Zehnten der Leviten gethan, nur auf Seite 131 auszunutzen verstanden, er hätte mit wissenschaftlicher Strategik alle exegetischen Bollwerke umgehen können. Diese talmudische Stelle, die der Autor übrigens nicht ganz korrekt auf Seite 139 interpretirt hatte — da R. Akiba den Rabbi Eleasar ben Asarjah, einen Priester, am Genuss des Zehnten zu verhindern nur theoretisch und bedingungsweise das Recht, aber nicht die Macht hat, — giebt, mit Berufung auf Ezechiel 44,15 am besten Aufschluss darüber, dass da, wo die Priester in die Rechte der Leviten treten, der Ausdruck הכהנים הל וים wohl am Platze ist, im Sinne von mit levitischen Rechten ausgestatteten Priestern. Wie nun im Traktate Iebamoth 86 b das Recht der Leviten auf den Zehnten von dem leviti8chen Priester ausgeübt wird, so wird in II. Chronik 30. Kapitel, Vers 27, von Priestern, die mit dem Attribute der Leviten ausgezeichnet waren, soferne sie ja auch die Gebete verrichtet hatten, dem göttliehen Gesetze gemäss, der Segen dem Volke ertheilt. Mit Segen wollen wir sohliessen. ״Segen sei der Mühe Preis!“ Alle Anerkennung verdient Quellen- Studium und Verwerthung des biblischen Materials in vorliegender hoch interessanter Arbeit, welche nicht nur in ״manchen“ sondern in recht vielen Behauptungen auf die Zustimmung ihrer Leser rechnen darf. Für alle Ergebnisse der Untersuchung hatte ja der Verfasser, ״bei der Verschiedenheit der Standpunkte“ Anerkennung gar nicht erwartet. Fleiss, Scharfsinn und Präoision des Ausdruckes aber machen in diesem Sinne die Studie in hohem Grade lesenswerth und der Verbreitung würdig. Prof. Dr. N. Liitterarische Notiz. 1. Paris. Ober-Rabbiner W e i 1 veröffentlichte in Jem״Umvers Israelite“ eine sehr lehrreiche Biographie Uabbenu Tam’s. — E. A. Astruc, Oberrabbiner m Bayonne, veröffentlicht eine sehr lehrreiche Abhandluug über die drei Sabbatlie, Sabbath, Schinitto und Jubeljahr, und beleuchtet dann die sociale Rolle des alten Israel. — Bei Hacliette in Paris ist soeben eine von Maurice Verels herausgegebene hebräische Geschichte seit dem Ursprünge bis zur persischen Epoche erschienen. Als Antwort aut die letzte der beiden Fragen in No. dl erlaube ich mir, auf folgende Stelle in Zuaz’"״Namen der Juden■* Ges. Schriften, Bd. II, S 70) hinzuweisen: ״Es hat vielmehr die Geschichte gelehrt, dass niemals alle Bibelnamen zugleich in Gebrauch gewesen, dass sie sich einander ablösten und nur in kleinen Massen im Umlaute blieben. 80 sind beispielsweise von den 3־J mit den Buchstaben ״Resch“ beginnenden •daunesnamen der Bibel nur 5 gebräuchlich, während das Mittelalter uud neuere Jahrhunderte 18 der verschiedensten lleimath einführten. Während viele davon ungebräuchlich wurden, bildeten sich jüngere Xameu, und umgekehrt waren vor dem U. oder 10. Jahrhundert mehrere selten oder unbekannt, die später und jeizt ganz gewöhnlich sind.*1 Unter den jetzt folgenden 24 Namen befinden sich auch Abraham, Mose und Aaron, welche also wegen ihres seltenen Vorkommens vor dem 9. Jahrhundert überhaupt sich unter deu Lehrern des lalmüus nicht linden dürften. — — Ad vocem ״Namen“ wäre es vielleicht interessant, gewisse Judenhetzer, welchen es eine besondere Last zu sein scheint, jüdische Namen mit ihren I1üra1?chen Bemerkungen zu besudeln, darauf aufmerksam zu machen, dass der i o mchordirigent in Cola L. Cohen heisst. Jedeutalls itart angenommen werden, dass dieser kein.hule ist. Damit derselbe nun nicht wegen unserer Sünden (als Jude geboren zu sein) mitzuleiden habe, wäre unseren Lästerern daher zu ratheu, in allen Fällen, wo sie sich hemussigt glauhon, über einen Ooh e 11 herzutallun, genau anzugeberi, ob ein jüdischer oder e>n christlicher Cohen gemeint ssi. Cohen-Rees a. Rhein. T•rautwörtlicher Redacteur Dr. R&hmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wo It'f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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