Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 46. (14.11.1889)
- Date
- 1889-11-14
- Page
- Seite 185 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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dass der Vorbeter vorher die Benediction שהחינו sprioht, fährt er mit folgenden Worten fort: ״In einigen Ge• meinden wird jedoch 80 verfahren, dass der Vorbeter mit den Worten כל נדרים ואיסורים וכר beginnt“, und nun wird die bekannte Formel, jedoch wie schon bemerkt, in einer etwas anderen Fassang, als die uns heute vorliegende, angeführt, die alsdann mit den Worten schliesst: א־ן כאן לא נדר וכר׳ •ש כאן מחילה ״ וסליחה וכפרה ככתוב בתורתך ונסלח לכל כדת וכר.Aber“, — so fährt Mar Amram fort, — שנרו מתיבתא הקדושה ״ שמנהג שטות הוא זה ואסור לעשות כןdie heilige Hochschule hat diesen Brauch als einen ״sinnlosen“ bezeichnet und es ist ״verboten“, mit dieser Formel zu beginnen; vielmehr soll nach שהחינו wie gewöhnlieh mit והוא רחום (?) begonnen und bis פורם סוכת שלום fortgefahren werden.“ So Mar Amram. Hieraus ist demnach klar ersichtlich, dass die Kol-nidre-Formel schon damals, d. h. gegen Ende des 9. Jahrhunderts, in die Liturgie des Versöhnungstages ihren Eingang gefunden hat, jedoch nicht ohne von den ersten Autoritäten der damals blühenden baby- Ionischen Hochschulen zu Sura und Pumpaditha den entschiedensten Widerspruoh erfahren zu haben und sogar als ״unsinniger Brauoh“ bezeichnet zu werden. In der That werden ausser Mar Amram die zeitgenössisohen Gaonim namentlich angeführt (vergl. T’schubath hagaonim a. betr. Stelle, Bosch z. Absoh. 8 von Joma, Tur Orach Chaiim Gap. 619). Selbst Saadia kennt die Formel noch nioht als allgemein anerkannt, sondern meint: 68״ יש שעו® ין כן giebt einige Gemeinden, in denen also verfahren wird.“ Demnaoh ist es unmöglich, die Entstehung der Formel Kol-nidre mit dem Versöhnungsgottesdienst der Marranen in Verbindung zu bringen, weil es einfaoh vor Ende des 14. Jahrhunderts keine Marannen gegeben hat. Der Verfasser des Artikels ״die Marranen von einst und jetzt“ hat wahrscheinlich die Kol-nidre-Formel mit den Eingangsworten על דעת וכר׳ verweohselt. Diese Eingangsworte kennen die Gaonim allerdings noch nioht und hängen offenbar, wie allgemein bekannt ist, mit den Marranen (.עכרינים) zusammen. Der in Tur O. Ch. 619 gemaohte Versuch, diese Eingungsworte anders zu erklären, darf füglioh als nioht glüoklioh, jedenfalls als gesucht bezeichnet werden. Babbiner Dr. Goldsohmidt-Colberg. Recensionen. Vogelstein, Dr. H. Der Kampf zwischen Priestern and Leviten seit den Tagen Ezeohiel’s. Eine historisoh-kritisohe Untersuchung. Stettin. Verlag von Friedrioh Nagel (Paul Niekammer) 1889.140 8. (Forts.) Zunäohst möohte der Becensent sich die bescheidene Frage erlauben, ob es denn schlechterdings unmöglioh ist, Moses für den Verfasser des Deuteronomiam8, oder gar der vier ersten Kapitel von Numeri (Seite 116) zu halten? Sollte aber meine bibelkritisohe Befähigung — bei aller Aufklärung — zu sehr in den Fesseln des Glaubens be- und gefangen ■ein, so wüsste ioh dooh für die Lösung der Geschichte Korah’s (Numeri 16) einen andern Ausweg zu finden, als den, welcher dem Verfasser auf Seite 52 beliebte, wo ״die Erfindung eines Priesters ״aushilft, der als Deus ex maohina auftritt. — Die Empörung Korah’s ist nämlioh nioht auf den Kampf von Priestern und Leviten zurückzuführen, sondern auf den Gegensatz zwisohen Gottesgnadenthum und Volks- Souveränität in der Staatsgemeinde (Num. 16,3). Die Persönlichkeit des hohen Priesters Aron aber tritt ganz in den Hintergrund dem Staatsoberhaupt Moses gegenüber (Num. 16, 11b). Wenn nun in Deuteron. 11,6 nur der Aufstand Dathan’s und Abiram’s und nioht der Name Koreh’s angeführt wird (Seite 49), so liegt dies einerseits darin, dass die Genannten in offenem, pöbelhaften Aufruhr dem Gottesmanne gegenübertraten (Num. 16,12), andrerseits wiederum an dem Umstande, dass in einer von Exod. 18,21 abweiohenden Weise verfassungsmässiger Selbstbestimmung des Volkes (Deut. 1,13) den Principien des volkstümlichen und volksbestrebten Stammesgenossen, Korach einiges Entgegenkommen geäassert ward. — Die ״jehovistisohe Erzählung“ (Seite 50) wäre also, von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, vollkommen richtig und in ■ioh widerspruchslos. Seite 66 betraoh&t der Verfasser das Gebot der Leuohte (Numeri 8) als eine ״Einschiebung“, und dooh schlägt die vom Autor selbst mitgetheilte Midrasch- Erzählung gesohiokt die Brücke von den Leviten zu den Ahroniden; wie denn das Gesetz der Beleuchtung von der ewigen Lampe einfachster Constraotion (Exod. 27,20), zur Leuchte (Lev. 24,4) höherer Stufe, und von dieser zuletzt (Numeri 8,2) zum siebenzackigen Leaohter in regelrechter Entwickelung fortsohreitet. Auf Seite 11 erhebt der Verfasser in der Note die Frage, ob wohl nioht die ״Interpolation“ 1. Sam. 2,27 bis Ende duroh einen Zadokiten (aus Eifersuoht gegen den Priester der jüngeren Linie aus dem Hause Aron) eingeschoben wurde? Ioh möohte dem Herrn Verfasser, dem klaren Wortlaute der Sohrift naoh, mit einem entschiedenen ״Nein“ antworten. Bei dem den Priesterberuf entwürdigenden Verhalten der Söhne Eli’s und der unverzeihlichen Nachgiebigkeit des Vaters muss es noch als gelinde Strafe angesehen werden, dass die Abkömmlinge dieses Hauses bei dem von Gottes Gnaden eingesetzten Oberhaupte der Priesters ohaft um eine Anstellung um des lieben Brodes willen, werden naohsuohen müssen (1. Sam. 2,36.) Auf Seite 24 hat der Verfasser in glänzender Weise die Ansprache des Propheten Maleaohi (Gap. 2) an die Priester auszalegen verstanden. Ihm war aber die eine in seinem Buohe nirgends berührte Thatsaohe entgangen, dass der ״Deuteronomiker“ — gläubige und dooh dabei ganz aufgeklärte Bibelausleger sagen: der Gotteslehrer — die Leviten für ihre heroische Glaubensthat zur Zeit der Anbetung des goldenen Kalbes mit dem Segen belohnte, den er vor seinem Hinsoheiden verkündet hatte: ״dass sie (die Leviten) das Beoht lehren werden Jakob und die Gotteslehre Israel“. So stand denn zur Zeit Maleaohi’s eine auf Geburt und Stellung eingebildete, herrsohsüohtige und anmas sende Priestersohaft einer, der heiligen Ueberlieferung gemäss, geistig hoohstehenden, wissensohaftlioh gebildeten Staatsbeamtensohaft gegenüber, ähnlich wie in der Aronidisohen Zeit. Hier hat nun, wie es der Verfasser richtig erkannt hat, der Prophet auf die Gemeinschaft der Abstammung Beider (aus dem Haqse Levi) hingewiesen, um die aus der Bevorzugung duroh Geburt hergeholten Waffen der Hierarchie mit gleioher Waffe zu entwaffnen. Der Levi aber, mit dem Gott das Bündniss geschlossen hat (V. 5), ist Moses, das Staats- und Stammeshaupt. Die Priester aber mögen bedenken, dass gottgefällige Herrsohaft den Dienst der wissenschaftlichen Erkenntniss zum Wohle des Staates bedeutet (V. 7). Die Krone der Wissenschaft ist heiliger, als das Priesterdiadem. Das entspricht der Lehre und Geschichte der Folgezeit. So lösen sich auch alle vom Verfasser auf Seite 20 in Betreff der Leviten, denen Priester zugezählt werden, erhobenen Schwierigkeiten; da Esra 8,24, Nehem. 8,7 und 9,5 das Wort הלוים Priester und Leviten, vermöge der Gleichheit der Herkunft beider, bedeutet, und es ist keine Veranlassung vorhanden,