Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-11-14 · N° 46. (14.11.1889) · p. Seite 186

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 46. (14.11.1889)
Date
1889-11-14
Page
Seite 186 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492408-5990870-5991307--1844-5368750
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

— 186 von dem Lehrer and Meister Prof. Gräte (Band II b pag. 151) in dieser Biohtung abzuweiohen. *) (Schluss f.) Rostowski, ספר מורד, צדק זדם שטת הרמב״ם (Wilna, 1888.) (Schluss.) Dass die Ergebnisse dieser Speoalation mit den kosmologischen, psychologischen and ethischen Lehr9n Maimani’8 übereinstimmen, haben wir bereits angedeatet. Sowohl die Würdigaag des formalen Principes der Forsohung, das Maimani aasspricht, als auoh die Erkenntniss des engen Zusammenhanges, in dem alle Theile des Maimonidischen Systems mit einander stehen, wie der objeotiven Stellungnahme, die Maimani älteren Autoritäten gegenüber beobachtet — all’ diese Momente sind für Herrn Bostowski von solch schwerwiegender Bedeutung, dass er dem Maimani anbedingte Heeresfolge zu leisten sich entschliesst. Freilieh die geschichtlichen Voraussetzungen des Maimanisehen Systems kennt er nur in sehr geringem Maasse, er wei8s nicht, dass Maimuni zu Aristotelikern redet und dass sein Prinoip der Umdeutung der Schriftverse nur innerhalb gewisser Grenzen zur Anwendung gelangt H. B. aber folgt ohne irgend welche Nöthigung jedem witzigen oder sinnreichen Einfall und deutet Sohriftverse in einem ihm entsprechenden höheren Sinne, die einer solchen Deutung gar nicht bedurften and in ihrem einfachen natürlichen Sinne zweifellos besser mit den positiven Grundlagen des Judenthums übereinstimmen, als in der ihnen zugedaohten Eigenschaft, die äussere Hülle für ein grosses Geheimniss (סוד גדול) za sein. So sind nach H. Bostowski die sieben Be- Zeichnungen ״eitel“, die Kohelet gebraucht, in direoter Beziehung auf die vergänglichen Seelenvermögen gesprechen; die Erzählungen von Kain und Abel beanspruohten ebenfalls eine höhere Deutung, sie seien gleichsam Sinnbilder für das Walten der Seelenkrätte und was dergleichen mehr an gewaltsamen Uebertreibungen des Umdeutungsprinoips in dem Werke des Herrn Verfassers zu finden ist. Wir möchten ihn in diesem seinem willkürlichen Principe der Umdeutung auf die bedeutsame Warnung des Gersonides hinweisen, die derselbe ebenfalls an die ihm bekannten künstlichen Auslegungen der Erzählung von Kain und Abel anknüpft, indem er sagt, dass die Umdeutung nur da erfolgen müsse, wo der Sinn des Sohriftverses dieselbe nothwendig fordere; sonst würde der eigentliche Geist der Thora ganz und gar verflüchtigt werden und der von ihr beabsichtigte belehrende Zweok würde ganz nnd gar verloren gehen. (Gersonides Pentateuchcomm. S. 17 b.) *) In vor. No. lese man S. 181a Z. 14 v. u. ״Leser“ statt Lehrer, Sp. b. Z. 3 v. o. ״aufdrängen“, Z. 32 v. o. 20. Cap. (st 23). Diese künstlichen Auslegungen erweisen sich demgemäss zum mindesten als zweoklos, ebenso wie es die Ausführungen des Herrn Verfassers über die SeeleDlehre des Plato und des Aristoteles sind, die einen gänzlichen Mangel an der Kenntniss der grieohischen Philosophie verrathen. Der Herr Verfasser hat keine Ahnung von den Beweisen Plato’s für die Unsterblichkeit der Seele, die im ״Phädon“ mit grosser Klarheit entwickelt sind; für seine Kenntniss des Aristoteles ist es bezeichnend, dass der Herr Verfasser allen Ernstes die Meinung aussprioht, dass Aristoteles nur zum Scheine und um keinen Anstoss beim Volke zu erregen, die Unsterblichkeit der Seele gelehrt habe (S. 108). Ein Mann, der über Plato’s und Aristoteles’ Lehren von der Seele in besonderen Capiteln handelt, muss eine ganz andere Kenntniss der Quellen besitzen als Herr B. sie erkennen lässt. Es ist uns nioh recht verständlich geworden, warum der Herr Ver fasser über diese Materien zu reden unternommen hat nachdem derselbe über Maimuni’s Meinung vollständig aus dessen ״Moreh“ oder den ״Sohemoneh Perakim“ unterrichtet sein konnte. Trotz all dies6r grossen unleugbaren Mängel, welche die Arbeit des Herrn Verfassers an sich trägt, können wir ihm doch unsere Anerkennung nicht versagen im Hinblick auf die unzweideutigen Zeichen einer ernsten grossen Gedankenarbeit, die in seinem Werke zu Tage treten. Der Herr Verfasser ist aufs Erustlichste bemüht gewesen, ein festes Gebäude klarer, religiöser Vorstellungen in seinem Geiste zu erriohten und er ist zweifellos auf das Tiefste von der Ueberzeuguug durchdrungen, da38 das rechte Verstandniss der Lehren Maimuni’s das beglüokende Bewusstsein, die Wahrheit des Judenthums erfasst za haben, erzeuge. Ob diese seine Meinung auoh viel Freunde und Anhänger finden werde, kann immerhin zweifelhaft erscheinen; jedenfalls aber wird die Arbeit des Herrn Bostowski für Viole von befreiender Wirkung sein, was die Enge ihres geistigen Gesichtskreises anbelangt und sie wird auoh überdies 80 Manchen unter den gebildeten Glaubensgenossen seines Landes zu fleissigem Studium des ״ Moreh“ veranlassen. Leobsohütz. Babb. Dr. Krakauer. Literarische Notiz. In No. 39 dieses Blattes sucht Herr L. Cohen in Ree» den tautologiachen Ausdruck im Roschhaschonogebet תבל ארצך zu erklären. Ist nun auch diese Erklärung, sowie die der Redaction, u. des II. N. in No. 41—42 einleuchtend und geistreich, so scheint doch wohl den Verfasser des obigen Gebetes bei Anwendung der Worte der biblische Sprachgebrauch geleitet zu haben, denn in Preverb. 8,31 heisst es: משחקת בתבל ארצו♦ (VergL dazu Jalkut z. St. No. 943.) Ad 08jer ^״Xanten. Literarischer Anzeiger. jtiUige gödjrr! T ne aff פ sd• Zuckermandel mit 1 Uovlla Supplement (Register u. Glossar), neu — (statt 28 M.) für 1« M. (Porto 50 Pfg.) Die Jonathan’selie Pentateueh»Uebersetzang in ihrem Verhältnis zur Halacha. Von Rabb. I)r. Gronemann. (statt 3 M.) für 1,60 M. PaHaO Beiträge zur Geschichte I Dl IvOjder hebr.u.aram.Studien für 2 M. (Porto 30 Pfg.) [2381 laophnrnn z®k«־hr1tt *״r die (IVuvilUI Uli, Wissenschaft des Judenthums v.Dr. Kobalt (hebr.n. deutsch. Abth.) 9 Jahrgänge f. 9 M. Zu beziehen durch die Exped. dieses Blattes. Epilepsie. [a10& Krampi- und Nervenleidenda finden sichere Heilung nach einzig dastehender tausendfach bewährter Methode. Briefliche Behandlung nach Einsendung eines ausführl. Berichtes, dieselben sind mit Retourmarken zu adressiren: HygleaSanatorlnmHambnrgl 3« UKincmVKlafle erfdjicn foeben: 3>er ‘gobttnßußu* heu ^ubeit bon Dr. J. Rabbinowici. »rei« SWf. 1.80. grantfurt a. SR. [2365 J. Kaufmann. Im Verlage von Robert Friese in Leipzig ist erschienen: Ludwig Geiger als Kritiker der neuesten jtd Geschichtschreibung. Von Dr. M. G-üdexnann. Preis 50 Pf. [2380 (Auch durch die Exped. d. Bl. zu beziehen.) Unter der Presse befimdet sich «and erscheint demnächst t Tefilla kezara, II. Cursus hebräisches Gebetbtchleln fdr die Jugend ton Pr. H. Rahmer. Sechste stark vermehrte u. verbesserte Auflage. Frankfurt a. M. J. Kauffmann• Briefkasten der Kedaotion. Diverse ״litter. Notizen“ mussten Raummang w. zurückgel. werd. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wo lff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.