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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-11-07 · N° 45. (7.11.1889) · p. Seite 181

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 45. (7.11.1889)
Date
1889-11-07
Page
Seite 181 (sequence 3)
Language
German
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— iSl — יופי anführt.*) Dieser erwähnt auoh, däss Comment&re des Redak an den Proverbien, Job, Daniel, E9ra und den 5 Megilloth existiren. Mag diese Angabe im Ganzen wahr sein oder nicht, 80 scheint doch kein Zweifel darüber obzuwalten, dass R. Jizchak ben Ja’betz, welcher kurze Zeit nachher einen CommeDtar zu Job schrieb, ein von Redak herrührendes Werk über dieses Buoh besessen hat. Es sei noch hinzagefügt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Kimchi einen Commentar zu den Proverbien geschrieben, auch daraus erhellet, dass ihm zugeschriebene Werke über Ruth und den Tractat Aboth wirklich gedruokt sind. Ausser diesen Commentaren schrieb der Redak ein kleines Werk über die Ma&sorah unter dem Titel ט סופר!? und auch eine polemische Schrift gegen das Christenthum, welche in einer sehr corrumpirten Gestalt in dem Sammelwerke מלחמת חובה abgedruckt ist. Kimchi widmete in seinen Schriften den Angriffen auf die christliche Auslegung der Propheten und auf die Lehrsätze des Christenthums überhaupt einen bedeutenden Raum. — Schon zur Zeit der Reformation haben die Uebersetzer der Bibel in verschiedenen europäischen Sprachen die Werke Kimchi’s eingehend studirt. Die autorisirte englische Uebersetzung zeigt Spuren seines Einflusses fast auf jeder Seite. So trugen also die Werke des Redak, gleich allen ehrlich gemeinten menschlichen Bestrebungen, reichere Frucht, als er selbst es nur hat ahnen können. Er hat sehr viel dazu beigetragen, die Bibel zu einem Yolksbuche zu machen. L. C. (Nach ״Jew. Standard“ und ״Jew. Chronicle“.) Kecensionen. Vogelstein, Dr. H. Der Kampf zwischen Priestern und Leviten seit den Tagen Ezechiel’s. Eine historisch-kritische Untersuchung. Stettin, Verlag von Friedrioh Vogel (Paul Niekammer) 1889. 140 S. Der Verfasser hat mit diesem Buche mehr gethan, als er verheissen hat. Das Buch umfasst drei Epochen: die vorexilisohe, nachexilische (bis zum Abschluss der Bibel) und die nachbiblische bis zur Zerstöruug des zweiten Tempels. Dass dies die Kritik erst herausfinden muss, und die Untersuchung der historischen Gliederung ermangelt: darin liegt, ganz abgesehen von der ungleichmäßigen Vertheilung des Stoffes der Zeit nach, ein Fehler des übrigens recht beachtenswerthen Werkes. Aber der Mangel liegt für die historische Studie auoh darin, dass der mit voller Klarheit sein Thema beherrschende Autor für dieses Thema eben seine Lehrer nioht genug zu interessiren, geschweige denn zu erwärmen versteht. Dem Buche fehlt der einheitliche Gesichtspunkt, von welchem aus das Ganze und die Theile der Aufgabe hätten behandelt werden sollen, welohe, anstatt aus sich heraus, gemäss dem leitenden Hauptgedanken, 8ioh zu entwickeln, synthetisch aneinander gereiht werden, bis sie zu zehn Kapiteln angewachsen sind. Und dooh hätte der Verfasser mit »einer durch eine vortreffliche Diktion empfeblenswerthen Arbeit der Wissen- Schaft einen nioht zu unterschätzenden Dienst gereistet, wenn die Untersuchung von dem historisch unangreifbaren Standpunkte ausgegangen wäre, dass ״der Kampf zwischen Priestern und Leviten“ den _*) Mendelssohn bemerkt in seinem Commentar zu Genesis K. dn, V. Z2 bei Anführung einer Stelle aus מכלל יופי in Klammem:!״- .וואולי הוא מפי׳ הרדי׳ק רם־ בראשיתDer Anfang dieses Citats, soweit es sich auf die Erklärung des *Vortes bezieht, ist aber nicht, aus K.itnchi’s Comiuentar ur Genesis, sondern aus dem 0פר השרשים. (Dur Uebers.) zwisohen Kirche and Staat bedeutet. Hiermit wäre der Schlüssel zur Lösung aller Schwierigkeiten gegeben, welohe dem Bibelforscher sich auf dringen. Mau muss einmal das Gebiet der altjüdi30hen Geschichte durchforschen, und man findet, dass mit der selbstlosen Weihe des idealen Priesterberules das Ansehen dieses Standes wächst, ohne das staatliche und Hof-Beamtenthum der Leviten za beeinträchtigen, wo beide Stände pflichtbewusst sind, halten sie sioh wechselseitig die Waage, wo aber das Priestertham herrsch-und selbst süchtig wird, wächst ebenso die Macht des die Staatsantorität stützenden Beamtenthums, wie mit der Corruption der Leviten das Ansehen der das Gesammt-Ideal schützenden and stützenden Priesterschaft. Diese Thatsaohe lässt sioh geschiohtlioh in allen drei Epochen beweisen. Als Aron das goldene Kalb gefertigt and hierdurch zum Cultus des Goldes die Massen verleitet hatte, da waren (Exodus 32) die Söhne Levi’s, die Helden des Glaubens, die Retter der Gemeinde Gottes. Als zur Zeit Ezeohiel’s, des Priesters und Propheten, die Leviten entartet waren, wurden diese, wie aus dem 44. Cap. V. 12—15 hervorgeht, zu Knechten herabgedrückt, denen der Zutritt zum Heiligthum versagt ward, während die Priester eine höohst bevorzugte Stellung erlangten, denen zu Liebe Gesetze und Ein* riohturgen ins Leben traten, ganz dazu aegetkan, dass die Verderbten ״nicht sollen leben können“ unter dem Drucke der nothwendig gewordenen Gewalt der Hierarchie. — Spinoza in seinem theologischpolitischen Traktate interpretirt 80 den 25. Vers des 23. Capitels in Ezeohiel, ohne damit, wie bis jetzt selbst von Grätz angenommen ward, die religiösen Normen und Formen des Judenthums antasten za wollen. — Nehemias wiederum stellt (Cap. 13, V. 30,31) das volle Gleichgewicht zwischen beiden Ständen her, welches in der naobbiblisohen Zeit, als mit der Krone des Priesterthums das Diadem der Gotteslehre vereinigt ward, aufgehörb hatte; da mit Simon dem Gerechten das Ansehen des so ausgestatteben Priesterthums vorwiegend geworden war. — Nun kommt noch der dogmatische Standpunkt des Verfassers in Betracht. Wenn mau zur Orthodoxie sioh bekeuut, kann allerdings von einer Bibelkritik nioht im Entfemtesten die Rede sein. Aber selbst vom rationellen Standpunkte aus kann wohl im Geiste Leasing1 s and Spinoza’s der Geist für höher gelten, als der Buohstabe, die Religion für älter als die Bibel, die Kritik aber nur auf dem Boden der Religion, des lebendigen Offenbarungsglaubens, sich bewegen und dooh wohl nicht ausserhalb desselben. — Ohne die Hingabe an das heilige Gottesworb und die demselben entströmende, Fühlen und Denken gleiohmässig sittlioh erlösende Heilswahrheit ist, naoh meinem Dafürhalten, jede theologische Wissenschaft unfruchtbar. Denn wie der grosse Landsmann des Herrn Verfassers, der sei. Dr. Zunz sagt, ist ״echte Wissenschaft thaterzeugend“. Was soll ich aber von einem wissenschaftlichen Standpunkte halten, dem ganze Partien der heiligen Schrift tendenziöse Erfindungen und Fiktionen der verschiedenen Schriftsteller sind? (Vgl. Seite 52). Nun, hier auf den geistlichen Stand des Verfassers hinzuweisen, hält die Kritik für unritterlioh, auf die iu ethisoher Hinsicht naohtheiligeu Folgen des durch die bestgemeinten wissenschaftlichen Studien erschütterten Glaubens an die göttlich offenbarte Lehre, strenge genommen, für nioht hierher gehörig. Wohl aber darf die Wissenschaft als solche die Stimme erheben, dass iu vielen Punkten mit pietätvollem Herzen die Wahrheit hätte gefunden werden können, ohne dass der Autor zu der Auuakme von ״Interpolationen“ u. dergl. Zuflucht hätte nehmen

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