Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 43. (24.10.1889)
- Date
- 1889-10-24
- Page
- Seite 168 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Verwendung im mündlichen und schriftlichen Verkehr, mit der Ergründung und vereinfachten Darstellung der Wortbildung des reichen Sprachschatzes unserer hochdeutschen Sprache zubrachte. Dem nationalen Deutschthum war diese Entfaltung seines reichen geistigen Vermögens geweiht. Doch hatte der Mann mit der Vollendung dieses Wörterbuches seine sohriftstellerische Thätigkeit noch lange nicht geschlossen. Seit dem Jahre 1865 bis zur Gegenwart haben wir von ihm noch eine ziemlich grosse Anzahl Sohriften zu verzeichnen; alle sind im Dienste unseres nationalen Deutschthums gearbeitet. Wir nennen von denselben: ״Heitere Kinderwelt״;1868 ״Fremdwörterbuch“ 1871; ״Wörterbuch der deutschen Synonymen“ 1871; ״Vorschlage zur Feststellung der einheitlichen Recht- Schreibung für Alldeutschland“ 1878—74; ״Deutscher Sprachschatz, geordnet nach Begriffen“ 1874 bis 1876; ״Orthographisches Wörterbuch“ 1878; ״Katechismus der deutschen Orthographie“ 1878; ״Handwörterbuch der deutschen Sprache“ 1878; ״Aus den besten Lebensstunden“ 1878; ״Geschichte der deutschen Spraohe und Litteratur“ 1881; ״Neue Beiträge zur deutschen Synonymik“ 1881; ״Satzbau und Wortfolge“ 1882; ״Geschichte der neugriechischen Litteratur“ 1884; ״Verdeutschungswörterbuoh“ 1884; ״Ergänzungswörterbuch der deutschen Sprache“ 1886; ״ Deutsches Stil- und Musterbuch“ 1886; ״Fürs deutsche Haus“ 1886; ״Deutsche Sprachbriefe“ 1886; ״Abriss der deutschen Silbenmessuug u. Verskunst“, ״Wörterbuch der llauptsohwierigkeiten in der deutschen Sprache“ 1887; Lehrbuch der deutschen Sprache für Schulen“ 7. Aufl. 1888, u. a ra. Zum Schluss seien einige Ehrenauszeichnungeu erwähnt, die Sanders von regierenden Fürsten erhielt: von Sr. Königlichen Hoheit unserem Grossherzog wurde er zum ״Professor“ ernannt und darauf mit dem Orden der Wendischen Krone geschmückt; Se. Majestät, der König von Griechenland, liess ihm den Orden des Erlösers übermittein. Wolle Gott diesen im Dienste der Wissenschaft stehenden Mann, der s. G. w. am 12. November d. J. seinen 70. Geburtstag feiert, noch lange gesegnete Jahre in unserer Mitte frisch und kräftig erhalten. Dr. J. Hamburger in Strelitz (Mecklenburg.) Rabbi David Kimchi. Von Harry L. Lewis in London. III. Das erste von ״Redak“ geschriebene Buch war sein Werk über die hebräische Sprache. Dieses besteht aus zwei Theilen; der erste (חלק הדקדוק) haudelt über die Grammatik und wird gewöhnlich מכלול genannt, obschon dieser Titel eigentlich für das ganze Werk gilt. Der zweite Theil (חלק הענין) enthält ein Wörterbuch über die Bibel, dessen Specialtitel ספר השדשים״“ ist, welcher zugleich die Art seiner Einrichtung auzeigt, wonach jedes Wort unter dem Stammworte, unter welokem es angeführt ist, seine Erklärung findet. Das ganze Werk ist auoh des Titels würdig, welchen sein Verfasser ihm gegeben hat; es ist in wahrem Sinne ein מכלול, eine oompendiöse Ueber8icht über das ganze Gebiet der hebräischen Sprache nebst dazu gehörigem biblischen Wörterbuche. Das von ״Kimchi“ bei der Bearbeitung dieses Werkes angestrebte Ziel war, die Arbeiten R. Jehudah Hajug’s und Abulwalid’s abzukürzen und gleichzeitig zu ergänzen, so dass jeder die hebräische Sprache Lernende mit leiohter Mühe sich die ganze Grammatik zu eigen machen konnte und zugleioh befähigt werden sollte, sie beim Schreiben" von Commentaren, Briefen oder Gediohten praktisch verwerthen ru können. Er weist darauf hin, dass für das Studium der Grammatik nur kurze Zeit zur Verfügung stehe, da nichts das direote Studium der Bibel und derjenigen Bücher, welche die praktische Ausübung der göttlichen Gebote lehren, stören dürfe. Kimchi gebührt ferner das Verdienst, die Prinzipien der Grammatik nicht bloss vereinfacht und abgekürzt, sondern auoh die Lernenden befähigt zu haben, des Gebrauches der arabisch geschriebenen oder aus dem Arabischen ins Hebräische mit mehr oder weniger Genauigkeit und Eleganz übersetzten Bücher entrathen zu können. Er zeigt ferner, dass man auf Grammatik nur wenig Zeit verwenden kann, denn Nichts darf das Studium der Bibel oder derjenigen Bücher unterbrechen, welche sich mit der praktischen Ausübung der göttlichen Gebote beschäftigen. Kimchi beanspruoht mit Reoht das Verdienst, die grammatischen Regeln nicht nur vereinfacht und abgekürzt, sondern auch als der Erste den Studirenden den Gebrauch der arabisch geschriebenen Büoher entbehrlioh gemacht und diese mit mehr oder weniger Genauigkeit und Eleganz in die hebräische Spraohe übertragen zu haben. Keine Uebersetzung kann das Original angemessen wiedergeben und die hebräisohen Uebertragungen der arabisch geschriebenen philosophischen und grammatischen Werke machen von dieser Regel keine Ausnahme. Dennooh muss der frische und klare Styl Kimchi’s denen eine willkommene Erleichterung gewährt haben, welche bis dahin genöthigt waren, sioh Auskunft in den etwas schwierigen und ungeschickten Uebersetzungen zu verschaffen, welohe von den Juden jener Zeit in allen Ländern, wo das Arabische nicht die Muttersprache war, in grossem Ruf standen. Die Grammatik Kimohi’s verfolgt ein durohaus praktisches Ziel. Er ordnet die Wörter naohKlassen und zwar durchgängig mit Berücksichtigung ihrer Form und nicht ihrer Bedeutung Sein Buch ist zwar in 3 Theile getheilt, wovon jeder eine der logischen Kategorien behandelt, nach welohen die Wörter eingetbeilt werden können, nämlich פעל, שס ומלה Zeitwort, Hauptwort und Partikel; aber gerade hierbei hat er sioh jedenfalls mehr von der Erwägung, dass die Formen uud Biegungen dieser Wörterklassen von einander ab weichen, als davon, dass sie im Satze verschiedene Funktionen üben, leiten lassen. Wenn er die Hauptwörter behaudolt, berührt er nur leicht ihre logischen Unterschiede, hierdurch zeigend, dass er sie nur mit Rücksicht auf ihre Form betrachten will, ohne selbst zwisohen Substantiven und Adjeotiven, שם דבר ושם תואר zu unterscheiden. Er erwähnt eben die Art und Weise, naoh welcher sein Vater die Hauptwörter elngetheilt hat, nämlich in solche, welohe 1. ein wahrnehmendes oder ein wahrnehmbares Ding, 2. eine abstraote Eigenschaft und 3. die Abwesenheit irgend einer Eigenschaft bezeichnen. Als Beispiel der letztem Klasse führt er das Wort חשך (Finsterniss) au, welohes nicht das Vorhandensein irgend weloher Eigenschaft, sondern ganz einfach die Ab- Wesenheit aes Lichtes anzeigt. Aber der Redak gestaltet sich hier ebensowenig als anderswo, die Nebenwege abstraoter Theorien zu betreten. Da er jedooh einmal diese Eintheilungsmethode erwählt hat, fährt er fort, das Hauptwort mit Rüoksioht auf seine Form allein zu behandeln und sieht von den Unterschieden ab, die naoh seiner Ansioht eher in die Logik als in die Grammatik gehören. (Schluss folgt.)