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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-10-10 · N° 41-42. (10.10.1889) · p. Seite 162

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 41-42. (10.10.1889)
Date
1889-10-10
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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162 ו Neigung, abstaud. So besuchte er auf der Berliner ן Universität die Oollegien vonBoekh, Droysen, Dirichlet, ■ Dove u. a. m. und verkehrte mit seinen Studienj genossen: W. Koner, H. B. Oppenheim, M. Car- | riüre und Steinschneider. Auch zwei junge : Griechen: Kangelarius und Jiaklis Mitropulos geseilten sich zu ihm. Aus dem vereinten Streben dieser Studienfreunde gingen seine ersten litterarischen Lei- ' stuugeu hervor, im Jahre 1842 veröflentlichte er mit seinen Freunden Carriöre und Oppenheim eine! Sammlung neugriechischer Volks- und Freiheitslieder, j und 1841 folgte die grosses Aufsehen erregende Schrift: ״Volksleben der Neugriechen, dargestellt und erklärt aus Liedern, Sprichwörtern und Kunstgedichten.“ Andere Arbeiten von ihm waren die Beiträge in dem ״Archiv für das Studium der neueren Sprachen“, in j den ״Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik“, ״Jahrbüchem für Philologie und Pädagogik“ u. v. a. So ' ausgerüstet mit gründlichen Kenntnissen der alten! und neuen Sprachforschung kehrte er nach Erlangung 1 der Doktorwürde und bestandenen Prüfung eines Ober-! lehrers in seine Vaterstadt Strelitz zurück. Hier eröffnete sich ihm bald ein Feld für seine Thätigkeit. 1 An der Lehranstalt, wo er seine erste Ausbildung genossen, war im Jahre 1849 nach Abgang des Schul- : directors Dr. Ginsberg die Stelle eines Dirigenten erledigt. Dr. Daniel Sanders wurde einstimmig für dieselbe gewählt. Michaeli 1842 übernahm er dieses für ihn höchste, wichtige Amt, das von ihm bis Ostern 1852, 9'/2 Jahre mit voller Hingebung treulich verwaltet wurde Seine eigene Worte darüber sind: ״In diesem Amte, dem ich mich mit Lust und Liebe, 1 ״mit dem grössten Eifer und mit der vollen Hin- ״gebung widmete, habe ich nahe 10 der schönsten! ״Jahre meines Lebens zugebracht. In dieser ganzen ״Zeit bildete meine Schule UDd die Sorge für die mir ״anvertraute Jugend den Mitte.punkt meines Denkens, ״Lebens, Webens, Wirkens und Schaffens.“ Wir sehen darin, und das bezeugen heute noch gern seine Schüler, die in Verehrung und Liebe zu ihm emporschauen, eine Erfüllung seiner Worte, die er bei seinem Amtsantritte ausgesprochen: ״Mit Liebe ״und Lust, mit Eifer und Ausdauer, rüstig ״und unermüdet werde ich hier zum Wohl ״und zum Heil zu wirken und zu schaffen ״streben“ Diese fachmännische, sich hingebende Thätigkeit erfreute sich bald des schönsten Segens. Die Schule hob sich unter ihm und genoss eiues grossen Vertrauens, auch von Seiten der christlichen Bevölkerung, die ihre Kinder diese Anstalt besuchen Hessen; ebenso sah man unter den Schülern Kinder aus anderen Städten Mecklenburgs. Dr. Kämpf, jetzt Professor und emerit. Prediger in Prag, wirkte zu gleicher Zeit an dieser Schule als Religionslehrer. Es waren freudige, glückliche Jahre, die er nun verlebte. Den 20. April 1847 heirathete er die ebenso schöne, wie gebildete Ida Friedländer, verwittwete Dr. Koner, mit der er heute noch in glücklicher Ehe lebt. Doch sollte es mit ihm noch ganz anders und viel besser werden; die Vorsehung hatte ihn zum Lehrer des Deutschen für Alldeutschland und darüber hinaus bestimmt. Das Jahr 1818 mit seiner unklaren verwirrenden Gähruug brach ein und riss unsern Daniel Sanders mit. Er wurde Publizist und gab die ״Blätter für freies Volksthum“, sowie später mit Adolf Glasbrenner, damals in Neustrelitz, die ״Xeuien der Gegenwart“ heraus. Dia Schule, der er fast zehn Jahre thatkräftig und väterlich zur vollen Zulriedenheit der Betheiligten Vorstand, giug darauf Ostern 1852 ein. Eine von ihm verfasste und gedruckte (Neubraudenbürg 1852) Abschiedsrede schildert uns klar und beredt die Geschicke und die Geschichte dieser Schule: sie bildet ein bleibendes, geschichtliches Denkmal derselben, das uns heute noch des Interessanten genug bietet. Seine segensreiche Wirksamkeit als Schulmann war zu Ende. Reifere Schüler sprechen noch heute mit Liebe und Verehrung von ihm, seiner geschickten Lehrweise und seinem freundlichen Entgegenkommen. (Schluss folgt.) Rabbi David Kimchi. Von Harry L. Lewis in London. II. Wenden wir uns nun zu den philosophischen Schriftstellern, auf deren Aussprüche ״Redak“ grosses Gewicht legte, so begegnen wir unter diesen einem Namen, welcher alle andern überstrahlt. Ibn Esra, R. Jehuda Halevi und audere werden nur gelegentlieh von ihm angeführt; aber gleich Vielen seiner Zeitgenossen wurde ״Redak“ fast geblendet durch die erhabene Persönlichkeit des Maimonides und au ihn wendete er sich in allen schwierigen Fragen. Seine Ansichten über Prophetie, Wunder und Auferstehung sind daher fast die nämlichen, denen wir im Moreh Nebuchim begegnen. Dieses epochemachende Werk wird sogar von ״Kimchi“ schon in seinen frühesten Schriften, z. B. in seinem Wörterbuche, angeführt und wurde ihm wahrscheinlich zuerst durch die ältere Uebersetzung des Alcharisi bekannt. In seinen Commentaren zur Genesis und zu den Propheten führt er consequent die anerkannt bessero Uebersetzung von Samuel ibn Tibbon an, welche im Sterbejahre des Maimonides 4965 (1205) geschrieben wurde. Ein grosser Theil des philosophischen Wissens ״Kimchi’s“ rührt auch ohne Zweifel von seinem directen Verkehr mit Samuel ibn Tibbon her, denn in seinem hohen Alter schrieb er an Judah Alfachar, dass er sehnliohst wünsche, gewisse schwierige Probleme mit ihm zu erörtern, ״denn seitdem unser Bruder, der grosse Gelehrte R. Schemuel ibn Tibbon, zu den Vätern eingegangen, habe ich Keinen finden können, mit welchem ioh über solche Gegenstände sprechen könnte.“ Die Freundsohaft zwischen David Kimchi und Samuel ibn Tibbon machte Beiden auch um so mehr Ehre, als ihre Väter nicht in gutem Einvernehmen zu einander standen, da ihre beiderseitigen Uebersetzungen des חובות הלבבות eine gewisse Eifersucht unter ihnen erweckte. Glücklicherweise hatten die beiden Söhne den guten Willen, diesen Groll der Vergessenheit anheim zu geben und auf gemeinschaftlichem Boden sich entgegenzukommen, in ihrer Bewunderung des grossen Genius Maimonides. Der Geist, in welchem sie und andere Anhänger ihrer Schule die philosophischen Studien betrieben, ist in folgendem Passus, in welchem ״Kimohi“ streng die Ansicht vertritt, dass zwischen Thora und anderen Wissensfäohern ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältniss bestehe, hinlänglioh angedeutet. — Wenn des Mensohen Furcht vor der Sünde seiner Weisheit vorausgeht, so hat seine Weisheit Bestand. ״Furcht vor der Sünde“ bezeichnet die Thor ah, während ״Weisheit“ sioh auf die Philosophie bezieht. Derjenige also, welcher griechische Philosophie studirt, | ehe er die Thora lernt, wird zur Treulosigkeit an | dem Gottesgesetz verleitet werden und diejenigen! Zeichen und Wunder leugnen, welche durch mensch-! liebes Wissen allein nicht erklärt werden könneu, Wenn aber Jernaud zuerst die Thora und die göttliehe Weisheit, welche sie enthält, zu verstehen lernt, daun wird er in der That aus dem Studium der Philosophie einen Gewinn erzielen und scheinbare Schwierigkeiten zu beseitigen lernen, denn sein Glaube

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