Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 41-42. (10.10.1889)
- Date
- 1889-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 414־a• Jüdisehes' Litteratur-Blatt. Bar Beleeehtaag •Iler JitottM ■»* Jade■ betreffende■ lltterarieehea Br• •ehelnanee■ •■f de« «eklet• der Pkllo• enekte, «eeeklebte, Ktkno*r»kle, Tkeo• a*le, OrleaUlla. EzeKeae, HaniMetU, Utartfk a. PM1«e«lk- Herausgegebeu ▼OB Rabbiner Dr. Moritz liahmer. 9T£a<j9e6wtg., 10. Octo&ci 1889. Bieber derelaeeblifigen Mtterntnr,aeleh der Bedeetion ■ageeaadt «erd•■, Radea In die»« Blatte eingehende Beapreehang Bel Blaeendang rea eael Beeeaeleae• Kxeaplar•■ errelgt elamnllge käme «rntle-laeertloa. Das ppJUlBek• Lltteratmr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig hei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschritt“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten nnd Buohhandlnngen 8 Mark zahlen, erhalten das ,Jüdische Littetatur-Blatt־‘ gratis. — Inserate werden mit » Pf. für die gespaltene Petitzeile. Beilagen mit 20 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 X Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Daniel Sanders. Ein Lebensbild — Rabbi David Kimchi. Von Harry L. Lewis in London. — Das Targum za dem Bache Schir ha*Schirim. Von Dr. Jacob Reiss, Rabbiner in Katteoplan (Böhmen). Litteraturbericht: Recensionen: Rostowski, ,0פר מורד צדק ע״פ שטת הרמב״ם Beilage: Litteraturbericht: Recensionen: שיר הבכור> Gottesdienstliche Gesänge für israelitische Gemeinden nach sephardischem Ritas, componirt u. heraasgegeben von Isidor L ö w i t. Litterarische Notizen. — Inserate. Unbtfugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Daniel Sanders. Ein Lebensbild. Professor Dr. Daniel Sanders, der deutsche Sprachforscher und Lexicograph, der durch sein grosses ״Wörterbuch der deutschen Sprache mit Belegen von Luther bis auf die Gegenwart“ (Leipzig, 3 Quartbände) und seine ״Zeitung für die deutsche Sprache“ weit über Europa gekannt ist, wurde den 12. November 1819 zu Strelitz in Mecklenburg, der frühem herzoglichen Residenz, geboren. Sein Vater war der biedere Kaufmann Hendel Sanders, und seine Mutter, die bald nach dessen Geburt starb, biess Malchen, geborne Scbäfer, beide gehörten den alten, achtbaren Familien der hiesigen jüdischen Gemeinde an. So war unser Daniel gleich nach seinem Eintritt ins Leben mutterlos. Zum Glück erfreute er sich eines Vaters, der in edler, fürsorglicher Wachsamkeit dem Kinde die Süssigkeit der Mutterliebe möglichst zu ersetzen suchte und mit väterlicher Hingebung die Erziehung und Heranbildung des Knaben besorgte. Pietätsvoll hören wir ihn später von seinem Vater sprechen: ״Kannte doch ״die ganze Stadt ihn als bieder und rechtschaffen — ״milde, freigiebig gegen Nothleidende, nach Kräften ״hilfsbereit gegen Alle in allen Lagen. Ich bin auf ״meinen Lebenswegen sehr vielen begegnet, die meinen ״Vater an Gaben des Geistes und an geistiger Aus- ״bildung weit, weit überragt haben, aber keinem ein- ״Eigen, der ihn an Herzensbildung, an Wohlwollen ״gegen alle Menschen, an Bieder- und Gradsinn über- ״troffen hätte.“ (Nord u. Süd, Breslau. 1888 S. Iö6). Aus seiner im Jahre 1868 herausgegebenen Gedichtsammlung: ״Die heitere Kiuderwelt“ ersehen wir, dass unser Daniel eine heitere, glückliche Kindheit genoss, in der der Sinn für Einfaohheit und Natürlichkeit geweckt wurde, aus der sich der Hang fhr Poesie, besonders für Volkspoesie, entwickelte. Seine erste Bildungsstätte war die damals sehr besuchte, jüdische öcentliohe Freischule seiner Vaterstadt. Von den damaligen tüchtigen Lehrkräften an derselben nennen wir den Director Dr. Lehfeldt, der später mit seinem Sohwager, Dr. Moritz Veit, Begründer der ״Veit'sohen Verlagsbuchhandlung in Berlin“ wurde, und Joseph Zeduer, nachmaliger Bibliothekar am ״Britischen Museum* in London; beiden Männern verdankte er die Grundlage seines Wissens, besonders die Anregung zu seinem Vorwärtsstreben. Mit vieler Verehrung und Dankbarkeit hing er noch später an Letzterem, dem er die schon genannte Schrift: ״Heitere Kinderwelt“ widmete. Wir lesen dort aut dem Widmungsblatt: Ich weiss, du denkst gern früh’rer Zeit, wo du warst mein Führer Und Lehrer liebevoll. Der Zeit wird dich gemahnen Dies Buch, trügt nicht mein Ahnen. Nimm’s als des Dankes Zoll! Du weisst, mein theurer Zedner, Dass ich kein Phrasenredner, Rein Freund von Worten bin. Lass schweigend mich dir reichen Dies kleine Dankeszeichen Und nimm es freundlich hin! An einer andern Stelle (Nord u. Süd S. 167) spricht er von beiden: ״Ich bewundere noch heute ״den erziehlichen Scharf bliok meiner beiden Lehrer, ״die trotz meiner oben erwähnten Flüchtigkeit und ״des Mangels an dem zum erfolgreichen Stadium so ״unumgänglich nothwendigen ernsten und ausdauern- ״den Fleisse, mioh dennoch meinem Vater wiederholt ״als zum Studium geeignet und berufen bezeichnet ״habeD.“ Za Ostern 1832 verliessen diese beiden Lehrer die Schule in Strelitz; unser Daniel hatte schon das 12. Jahr zurückgelegt, er sollte nun das Gymnasium in Strelitz besuohen. Sein Vater bestimmte ihn zum Studium, aber er hatte den Wunsch, Kaufmann zu werden. Doch fügte er sich dem Willen seines Vaters, er liess sioh prüfen und wurde iu die Tertia des genannten Gymnasiums aufgenommen. Zu Ostern 1839 war seine Gymuasialzeit beendet, er erhielt ein gutes ״Zeugniss der Reite“ und bezog damit die Universität zu Berlin. Ueber diese 80 glücklich uud schnell beendeten Gymnasialstudien hören wir von ihm: ״loh hatte zum ersten mal nioht bloas begriffen, sondern auch an mir selbst erprobt, dass der Mensch, was er seinen Fähigkeiten gemäss ernstlich will, auch wirklich kann, und wie viel eia solcher ernstlicher Wille uud die ihm entsprechend unverrüokt aufs Ziel bliokende, stetig uud unverdrossen schrittweise vorrückende Arbeit vermag.“ Er sollte sich für seinen künftigen Beruf entscheiden. Wieder war es sein Vater, der ihn zum Mediziner bestimmte, aber bald davon, auf die Erklärung seines Sohnes, er habe nur für das Philologische bestimmte