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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-09-26 · N° 39. (26.9.1889) · p. Seite 155

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 39. (26.9.1889)
Date
1889-09-26
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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155 — Die “Weltist nach seinei Annahme ungefähr 7000 Jahre alt. Noch 55 Jahre wird die Lasterhaftigkeit unter den Menschen zunehmen; dann wird eine Zeit kommen, rein an Frieden und Sittenreinheit. Dieser Zeit folgt dann eine Periode vollendetste^ Yerderbniss von 300 jähriger Dauer, welche mit dem Untergange der Welt schliessen wird. Diesem folgt das Weltgericht, aus welchem die Frommen zum Leben bei Gott und die Bösewiohter zum Leben beim Satan ן hervorgehen werden. Es giebt Leute, welche reinen Herzens sind oder wenigstens für rein gehalten werden, obschou kein Mensch absolut rein ist. Bei diesen Worten wendete Amram seinen Blick, als wollte er in die Ferne blicken und rief aus: rGott ist einzig!“ Hiermit beabsichtigte er wohl einen leichten Hieb auf alle Christen, weil diese so nachdrücklich die Trinität betonen. Er sprach auch noch mit Interesse von den Trümmern auf dem Berge Garizim und von dem Wachsthum seiner Gemeinde während der letzten 30 Jahre. Schliesslich äusserte er noch seine feste Ueberzeugung, dass die Zeit kommen werde, zu welcher die Samaritaner das zahlreichste Volk aut Erden sein würden. Amram ist seitdem gestorben und sein Schwiegersohn folgte itim als ältester männlicher Verwandter in der Hohenpriesterwürde. J. St. Litteraturberieht. Kecensionen. Levy, Dl‘. J. Elia Levita und seine Leistungen als Grammatiker. Breslau 1888. 63 S. Die vorliegende Arbeit des, wie es scheint, jugendliehen Verfassers ist die Frucht unverkennbaren emsigen Fleisses, das Resultat aufmerksamer Lektüre und Durchforschung nicht nur der zahlreichen Schriften Levita’s selbst, sondern auch des ziemlich umfangreichen Litteratur-Materials, in welohem — zum Theil nur beiläufig — seiner eifrigen und bedeutsamen Thätigkeit auf dem Gebiete der hebräischen Grammatik, Lexikographie und Massora Erwähnung geschieht. Die gründliche Vorarbeit des bekannten Lemkerger Gelehrten, Salomon Buber, über E. L., konnte der Verf. in manohen Einzelheiten äuf Grund erneuter Untersuchung ergänzen und berichtigen. Im ersten Capitel, das sich ״Leben und Schriften E. L.'s“ betitelt, vermissen wir jede Andeutung hinsiohtlioh des Charakters des berühmten Grammatikers, der sich mit Vorliebe in christlicher Gesellschaft bewegte, wo man ihn sehr schätzte und auszeichnete wjgen seiner geschickten Lehrmethode und besonders wegen seiner Schriften, die im Gegensatz zu der schwerfälligen Ausdruoksweise der früheren Grammatiker fliessend, leiohtfasslioh, trotz des trockenen Stoßes interessant geschrieben sind. Mit derselben Leichtigkeit und Eleganz, wie Levita hebräisch geschrieben, scheint er auoh das Italienische beherrscht zu haben, so dass er, ein Deutscher von Geburt, für einen Italiener sich ausgab oder gehalten wurde (S. Perles, Beiträge etc. 8. 160). Dass er sioh noch als Greis ״Baohur“ nannte, ist vielleicht nichts als Soherz und Selbstironie, dass er es trotz •einer gediegenen grammatischen und exegetisohen Kenntnisse, trotz seiner fruchtbaren schriftstellerischen Thätigkeit nioht zum Morenu-Titel gebraoht hatte. Am Schlüsse edirt der Verf. zum ersten Mal die ursprüngliche Einleitung zum Meturgemau aus God. Angel. A. 6,6. In dieser muss S. 60 Z. 1 כתלמוד, das. z. 19 מצורת, letzte Zeile מורא, s. 61, z. 2 •מפסיקי s. 62 z. 1 רלשון, das. z. 16 ועליו יש, s. 63 z. 1 כשנה, das. Z. 3 ממנו gelesen werden. C. Bgk. שיר הכבוד, Gottesdienstliche Gesänge für israelitische Gemeinden nach sephardisohem Ritus, componirt und herausgegeben von Isidor Löwit, Chordirigent; und Jacob Bauer, Oberoantoi der türkisoh* sephardischen Gemeinde zu Wien. L Theil. Wien 1889, Verlag der Herausgeber. Besprochen von Ed. Birnbaum, Die Besprechung vorliegenden Werkes, in welehern ein Theil von Synagogengesängen der Wiener türkisch-sephardischen Gemeinde zum ersten Male weiteren Kreisen zugänglich gemacht wird, und dem noch weitere Theile folgen sollen, bietet dem Freunde jüdischer Culturgeschiohte willkommenen Stoß zu Betrachtungen, denen er hier umsoweniger auszuweiohen braucht, als dieselben für die würdigen Nachkommen des exulirten iberischen Gesohleohts von 1492 — denn als solche wollen die Mitglieder dieser wie jeder anderen sephardischen Gemeinde betrachtet werden — im ganzen ehrend ausiallen dürften. Ihrer Geschichte nach schon um 1718, also ein Jahrhundert früher denn die eigentliche Muttergemeinde, staatlich anerkannt (s. G. Wolf, Gesoh. der Juden in Wien, 1876 S. 142 und den Anhang zu seiner Gesoh. der j isr. Cultu8gemeinde 1861), nimmt die der Levante <! entstammende Wiener Congregation in dem Kreise der nach seph. Ritus lebenden Gemeinde eine vornehme Stellung ein. Es lässt sich nicht in Abrede stellen, dass die Glieder derselben den Tugenden, welche ihren Vätern unter Bajazet II. das Osmanenreioh erschloss, treu geblieben sind, indem sie gleioh ihnen sioh durch Fleiss und Redlichkeit in Handel und Wandel, durch fromme Gesinnung, stilles, geräuschloses Leben und hohe Intelligenz auszeiohnen. Anderseits kann nioht rühmend hervorgehoben werden, dass sie in dem Reiche der Künste und Wissenschäften jemals besonders vertreten gewesen wären; kaum dass man in ihrer Literaturgeschichte weniger, besonders elementaren Schul- oder erbauliohen Zwecken dienenden Schriften im sogenannten ״Ladino“, dem jüd.-spanisohen Dialekte begegnet (vergl. Kayserling in Ersoh & Gruber Sect. H, Theil 41 8. v. ״Ladino“). Mag nun der Umstand, hier zum ersten Male einem musik.-liturgisohen Werke der levantinisohen Glaubensbrüder zu begegnen, für den liturgischen Forsoher ein erfreulicher sein, 80 dürfte er bei näherer Prüfung bald finden, dass dasselbe die ähnlichen Verößent- Höhungen der londoner und pariser Sephardim in den bekannten Sammlungen von de Sola und de Villers (die Sammlungen von Salaman und Jonas kommen hier nicht in Betracht) sowohl dem Inhalte und besonders der Anlage naoh nioht erreioht, und dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Herausgeber, zu Trägern eines sephardischen Cultus bestellt, ihren aaohkenasischen Ursprung und Bildungsgang nioht genügend haben verleugnen können. Dies zeigt sioh wohl an den mehr polnischen als sephardisohen Charakter tragenden treicomponirten Piecen, die, als ob ihnen der talmudisohe Grundsatz אין משניחין בבת קול aufgeprägt worden wäre, sioh eigent- Hoh jeder ernsten Kritik entziehen, wie auch an der Behandlung und Wiedergabe des hebr. Textes seitens der Herren Herausgeber. So vermisst man in dieser Beziehung bei vielen Gesängen die Berücksichtigung des charakteristischen Schwa-Gaja und Gaja-Sohwa, auf welohe der Sephardim langes oder kurzes Verweilen bei den ״Halbvokalen“ wohl zurüokzuführen j ist, wie dies in ihrer sogenannten ״Sarka“ schulmassig vorgetragen wird. Die Würdigung dieser dynamisoh-agogisohen Seite des Textes im Sinne ihrer Gemeinde wäre umsomehr die Aufrabe der Herausgeber gewesen, als es ja allgemein bekannt ist, dass

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