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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-09-19 · N° 38. (19.9.1889) · p. Seite 151

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 38. (19.9.1889)
Date
1889-09-19
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
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151 Cap. IX, 2, In der Handschrift fehlen die Worte: ולדליחוהי מקרב נכפת קודשין. Cap. IX, 11. •Für מסתציין in unserem Targum steht in der Handschrift das in unserem Targum mit der Bemerkung סי׳א in der Klammer sich befindende :משמיצי. Cap. X, 4. In unserem Targum heisst es די הוית נהיג למיקם ביה; dagegen in der Handschrift דהויח נהיג למקרביה. Cap. X, 5. Die Handschrift hat wie unser Targum ומה נזקא בצלמא; dagegen verbessert גאולת הגר und liest ומהגיקה. Cap. X, 6. In unserem Targum heisst es: ÄT ה ית מלכא רשיצא"; dagegen in der Handschrift: יהב אדום רשיצא r.\ Cap. X, 9. In unserem Targum heisst es: ויבפתיניה בזממין צל דאבטל פתגמי; dagegen in der Handschrift: ויכפתיניה בוסמנין צל דאטל פתגמי. Cap. X, 19. Die Handschrift hat hier wie unser Targum und nicht das in unserem Targum mit der Bemerkung ס״א in der Klammer Verkommende. Cap. XI, 2. Die Handschrift ist gleiohlautend mit unserem Targum. Nach dem גאולת הנר finden es Viele und mit Hecht auffallend, dass für das Text• wort שמונה (acht) im Targum die Paraphrase כסליו (Name des 9. Monates) steht, da doch das in dem• selben Verse früher vorkommende Textwort שבצה (sieben) mit תשרי (Name des 7. Monates) para• phrasirt wird. Cap. XII, 5. Die Handschrift hat wie unser Targum ותפיץ und nicht das in unserem Targum mit der Bemerkung ס״א in der Klammer sich befindende ותציץ■ Da das in unseren Targumausgaben in der Klammer stehende ותציץ einen verständlichen Sinn giebt, so ist es nicht nöthig, statt ותפיץ zu lesen ותניץ. (S. Commentar Kohelet S. 136 von Prof. Dr. Grätz.) Cap. XII, 11. In der Handschrift fehlt das Wort דאציתין. _ . Recensionen. Biblischer Commentar über die zwölf kleinen Propheten von Carl Friedrich Keil, Dr. und Prof, der Theologie. 3. naohgebesserte Auflage, Leipzig, Dörffling & Franke 1888. VIII u. 718 S. 8. (Sohluss.) So oder so, ob auf Sancherib oder auf Bezin oder anf ein uns nicht bekanntes Ereigniss bezogen, sioher bleibt es, dass der .Laststein“ nicht einen Fluch, sondern nur einen Segen bezeichnen kann, auch nicht einen Fluch für die Völker, denn der Laststein verwundet nur denjenigen, der ihn fortschleppen will. Es ist daher eine traurige Verblendüng, wenn die Beligion der Liebe aus dem Worte Gottes nur den Hass lernt, es ist eine traurige Verirrung, wenn dieselben Männer, welohe in 80 beredten Worten zur Besserung des Loses der Negersklaven in Afrika Geld sammeln und predigen, weil nach Gottes Willen alle Menschen gleich seien, wenn die- »eiben Menschenfreunde ihre eigenen Mitbürger zu einem Lose herabdrücken wollen, das psychologisch genommen, schlimmer als das Los der Sklaven ist. Und das Alles im Namen Gottes, im Namen des Gottes der Liebe, der sich von seinem Vater, dem sog. Kaohegott, emaucipiert hat. Wollen wir Juden aber die Weissagung Sechar• jah's aus dem Rahmen der Zeitgeschichte herausheben, um sie in ihrer ewigen Bedeutung zu verstehen, so können wir mit vollem Rechte daraus die Gewissheit ableiten, dass alle Antisemiten, Böckelianer und Stöokerianer, die knüttelbewehrten Handwerksgesellen und die süsslächelnden Consistorialräthe, sich au dem Laststeine Jerusalem nur selbst verwunden werden, Se1 e81 dass sie wegen öffentlicher Gewaltthätigkei eine viermonatliohe Kerkerstrafe verbüssen müssen, oder in bedenkliche Collisionen durch ״ungenaue“ Zeugenaussagen gerathen, sei es, dass sie als Hüter längst überwundener Vorurtheile, wie der Volksmund sagt, als alte Narren sterben. Allerdings könnte mau zu Keils Entschuldigung auführen, dass die in Rede stehende Erklärung des ״Laststeine8“ aus Kliefoth’s Erklärung des Propheten Secharjah stammt, aber, da er die Worte ohne Anführungszeiohen citiert, lässt es 8ioh für mich nicht oonstatieren, inwieweit sie ihm angehören, und endlich ist ein solcher Unsinn um so belastender für den Autor, wenn er sich ihn anderswo ausgeborgt hat. Kliefoth ist einer der Wortführer der Stöoker-Hammerstein-Richtung, welche die theologische Wissenschaft unter die Censur des Cousistoriums stellen will, woraus wir sehen, dass auch solche innerkirchliohe Bewegungen für das Judenthum nioht gleiohgiltig sind, dass wir vielmehr, um kabbalistisch zu reden, uns vor den קליפות (Kliefoth?) der kirchlichen Exegese in acht nehmen müssen. Allerdings könnte uns die in einer solchen After• Wissenschaft liegende religiöse Richtung rührend erscheinen, wenn sie nioht ihre tragisohe Seite hätte, tragisch, weil sie beweist, wie viel noch dazu fehlt, dass das Judenthum in seiner geschichtlichen Bedeutung erkannt werde. Für Delitzsch, den Herausgeber des Buohes, war offenbar diese Naivetät mehr ein Gegenstand der Bewunderung als des Bedauerns, was bei seiner romantischen, zwischen kirchlicher und wissenschaftlicher Theologie schwankenden Geistesrichtung vollkommen begreiflich ist. Darum nennt er in der Vorrede den Verfasser unseres Buohes ״Vertreter eines Verhältnisses zur heiligen Sohrift, welches das kirchliche bleiben und die dermalige, selbstthätige, in Wahrheit aber unglückselige Bravour im Niederreissen und Verflachen überdauern wird.“ ״Jedenfalls, fügt Delitzsoh hinzu, ״ hat mein heimgegangener treuer Freund das gute Theil erwählet und sein Sterben hat diese Wahl des guten Theils bewährt und besiegelt.“ Was diesen Bewois für die richtige Schriftauflassung Keils betrifft, so wüsste ich manohen dagegen zu bringen. Ich habe manohen gelehrten, frommen Talmudisten gekannt, der nach kurzem Krankenlager in hohem Alter eines sanften Todes gestorben ist, so dass man sagte: Er ist בנשירה gestorben. Und ein solcher Mann hätte nicht nur die Idee von Quellen- Schriften des Pentateuch, wenn er sie gekannt hätte, für Ketzerei gehalten, sondern auch nur die Meinung, dass irgend eine rabbinische Deutung des mosaischen Gesetzes nicht die wirkliche Erklärung desselben sei, als Apostasie verdammt. Sollte nioht auch das Sterben dieses Mannes bewiesen haben, dass er ״das gute Theil erwählet“ hat. Ein solcher Mysticismus ist die nothwendige Folge jener überspannt supranaturalistisohen Scbriftauflassung, aus welcher die Christologie hervorgegangen ist, welohe das Gottesreich statt als einen Zustand die Ausbreitung von Gerechtigkeit und Menschenliebe als eine Anerkennung kirchlicher Dogmen verstanden wissen will und in der Prophetie nur ein auf bestimmte äussere Ereignisse gerichtetes Wahrsagerthum erblickt. Dass nun diese Richtung einst wieder die herrschende werden wird, lässt sich leicht prophezeien, aber desto schwerer beweisen. Gewiss ist, dass im vorigen Jahrhundert Lessiüg die heftigsten Anfeindungen der kirchlich Gesinnten erfahren musste, weil er das Werk seines Freundes Reimarus herausgab, in dem die Unmöglichkeit der Evangelienharmonistik bewiesen wurde, wahrend heute selbst die gläubigen Theologen es aufgegeben haben, die genaue Uebereiustiininuug der verschiedenen Evangelienberichte beweisen zu wollen. Wir sehen also bis jetzt nur, dass die kirohliche Theologie sich immer

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