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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-09-19 · N° 38. (19.9.1889) · p. Seite 150

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 38. (19.9.1889)
Date
1889-09-19
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
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{ 150 Sönt ist, an dem sich der Mensch der Betrachtung es Göttlichen in sich zuwenden 8011. Was Moses dem Volke dennoch etwa beim Bau des Gotteshauses an Formenschmuck gewährt, gehört nicht zum Fundamente der Religion, es ist nur das Gerüste für den Aufbau der Religion des Geistes nach mosaischen Grundlinien, ein Gerüste, welches fallen sollte, sobald der Bau selbst vollendet wäre. Aus dem bisher Gesagten ergeben sich folgende zwei culturgeschiohtliehe Resultate: Erstens sehen wir die Frage gelöst, warum die neue Weltreligion vom Zion und nicht vom Olympos ausging. Hätten wohl griechische Apostel, welche die Religion sinnliche :• Formschönheit der Welt verkündeten, überallhin ihre Lehren verbreiten können? Wäre es möglich einen Zeus von Olympia, die Miuerva der Akropolis, einen belvederischen Apoll oder eine medicäische Venus nach allen Ländern, in jede Hütte zu tragen? Solohe Kunstgenüsse sind nur wenigen Kindern dieser Erde zugänglich. Aber die Bibel, das Wort der Wahrheit und voll Schönheit, diese Immortelle, welche auf dem Sinai erwuchs und unter dem begeisterten Hauch der Propheten ihren K61ch öffnete, sie allein konnte der göttliche Antheil aller Menschen werden. Da war kein Land so entlernt, keine Hütte so niedrig, kein Herz so arm, wo sie nicht ihren göttlichen Duft erquickend und tröstend ergiessen könnte, alles Denken verklärend, alle Genüsse veredelnd. Zweitens erkennen wir auch den Grund, warum die griechische Religion, deren Cultus hauptsächlich in den Göttersymbolen bestand, wenn diese auch von der höchsten Schönheit waren, doch für die Dauer selbst im eigenen Volke sich nicht erhalten konnte. Verheerende Naturereignisse oder zerstörende Invasionen feindlicher Völker konnten die herrlichen Götterbilder in Athen, Olympia und Korinth vernichten — wie dies auch zumeist der Fall war — und damit war das Ende der griechischen Religion herbeigeführt. Das spätere Griechenthum war nicht mehr fähig zum zweiten Male eine solche Kunstblüthe, wie zur Zeit des Perikies, hervorzubringen. Ganz anders war dieses mit Israels Religion der Fall. Hier waren die Symbole nur äusseres Beiwerk, welches die Gottesidee nicht tangirte. Aus diesem Grunde war die Invasion der Römer, wobei der Tempel und der Opferaltar vernichtet wurden, nur eine nothwendige, gesohichtliehe Konsequenz, duroh welche der Genius der mosaischen Religion von allen äusseren Zuthaten entbunden, sich zu allen Völkern frei hinausschwingen konnte. (Schluss tolgt) Das Targum zu dem Buche Kohelet. Verliältniss des edirten Textes desselben zu dem eines bttiidschriftlivhen Codex auf der Breslauer Stadtbibliothek, stammend aus dem 1:1. Jahrhundert (Codex No. II.) Von Dr. Jakob Reiss, Rabbiner in Kuttenplan (Rohmen). (Schluss.) Cap. V, lü. Die Handschrift und unser Targum sind vollkommen gleichlautend. Ich erwähne dies hier, um folgender Auseinandersetzung mehr Beweiskraft zu verleihen. In seinem Kommentare zu Kohelet S. 87 behauptet Herr Prof. Dr. H. Grätz, dass zu Cap. V, lb nicht einmal das Targum etwas vom ,Essen“ hat, sondern das Textwort יאכל durch שרא wiedergiebt, und dass im Targum eine zweifache Uebersetzung von וחליו ist. Beides scheint mir nicht richtig zu sein; denn שרא ist durchaus nioht die Uebersetzuug von יאכל, sondern gehört zu בחשוכא, und בחשוכא שלא ist die Paraphrase zu dem Textworte בחושך, und das im Targum gleich folgende בדיל דלחמוהי כלחדוהי טעים ist die eigentliche Paraphrase zu dem Textworte יאכל. Auch ist הוו חיוהי nicht eine zweite Uebersetzung des Textwortes יחליו, sondern eine vom Paraphrasten gegebene erläuternde Zeitangabe zu m ובמחק. Cap. V, 18. In unserem Targum heisst es: ולקבלא אגר שלים בעלמא דאתי ולמבדח בטורחיה (ס״א כחולקיה) עם צדיקיא; dagegen in der Handschrift lautet dieses anders und zwar: ולקכלא ית אגר חולקיה שלים לעלמא דאתי ולמבדח בטורחיה עם צדיקיא. Cap. VI, 3. Für מזמנא in unserem Targum steht in der Handschrift das in unserem Targum mit der Bemerkung ם״א in der Klammer sich befindende מהימנא. Cap VI, 4. In der Handschrift fehlt בחשוכא יזיל לעלמא ההוא. Cap. VI, 12. Hier hat die Handschrift so wie unser Targum באפוהי und nicht das in unserem Targuin mit der Bemerkung בתי״לן in der Klammer sich befindende בתרוהי. Cap. VII, 8. Abweichend von unserem Targam lautet die Uebersetzung in der Handschrift wie folgt טב פות מן שירדה דבשירויה לא אשתמורע לגברא דטב הוא וטב קדם ה״נבר די שליט ברודדה ומכבש ית יצריה מגבר דאזל לגסות רודוא. Cap. VII, 10. Die Handschrift hat hier keine Version, sondern nur einfach den Textvers. Dagegen steht die Version, die in unseren Targumausgaben zu diesem Verse 10 ist. in der Handschrift schon am Schlüsse des vorigen Verses 9. Cap. VII, 12. In seinem Kommentare zu Kohelet S. 84 behauptet Herr Prof. Dr. Grätz, dass das Targum Kohelet zu Cap. VII, 12 offenbar beidemal für בצל gelesen hat כצל> denn es paraphrasirt . . . היבט א היכמא . . •. Allein weder in der Handschrift noch in unseren Targumausgaben steht היכמא ♦ . . היכמא sondern...היבמא .. היכדין, ,so wie... ebenso..אדום היכמא דמסתתר גברא בטלל חוכמחא היכדין מסתתר בטלל כספא. Levy bringt in seinem chaldäischen Lexikon bei dem Worte סתר auch das Targum Kohelet Cap. VII, 12 ganz so, wie in der Handschrift und in unseren Targumausgaben diese Stelle lautet und hierzu die folgende Uebersetzung derselben: ,wie sich Jemand im Schatten (Schutz) der Weisheit verbirgt, so verbirgt man sich auch im Schatten des Silbers“ . . . Diese Uebersetzung ist nicht ganz richtig wegen des Zusammenhanges mit dem Folgenden, und muss vielmehr lauten: ״sowie der Mensch geborgen (geschützt) ist im Schatten der Weisheit, ebenso ist der Mensch geborgen im Schatten des Silbers, wenn etc.“ Das Targum hat daher beidemal בצל und nicht כצל g°* lesen und היכמא ist höchst wahrscheinlich nur die Paraphrase für das כי*) vor dem ersten בצל, und nioht weil das Targum כצל statt ■בצד gelesen hat. Cap. VII, 19. In der Handsohrift steht zunäohst zu diesem Verse vollständig dieselbe Uebersetzung wie in unseren Targumausgaben und am Schlüsse ist noch Folgendes hinzugefügt, das in unseren Ausgaben nicht vorkommt: וחבמתא מסתייע לחכימא די יכבש ית יצרא מטול דלא למחטי יתיר טן עשרתא בני יעקב דהוו בשכם קרתא רבתא והטלו כל דכורא לפתגם דחרב ובתר כדין לא כבשו ית יצריהון אלהין זבנון ית אחוהון בצשרין כסף. Dieses Zusatzstück scheint gleichfalls eine zweite Paraphrase dieses Verses zu sein. Cap. VIII, 1. Die Handschrift hat hier wie unser Targum und nicht das in unserem Targum mit der Bemerkung ס״א in der Klammer Vorkommende. Cap. VIII, 4. Die Handschrift ist gleiohlautend mit unserem Targum. Dagegen führt גאולת הגר nooh folgende Leseart au:באתר אית גזירת מלכא מימי': דמלכא, *) Das ist ja aber schon mit ארום übersetzt. (Red.)

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