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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-09-05 · N° 36. (5.9.1889) · p. Seite 143

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 36. (5.9.1889)
Date
1889-09-05
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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— 143 — weitere Bemerkung zweimal je ein anderes Wort in der Klammer: Cap. VII, 9. — f) Cap V, 8 steht am Ende des Targums: ובתי״ק יש נירסאות! מוחלפות ושונות. Eit diesen Bemerkungen in unserem Targum kann nioht ausschliesslich unsere Handschrift gemeint sein, schon aus dem Grunde, weil von diesen abweichenden Stellen nur einige in derselben sich finden. Zn diesen höchst interessanten Wahrnehmungen gesellen sich noch andere auffallende Erscheinungen, welche hiermit sämmtlich angeführt werden sollen. Cap I, 2. In der Handschrift steht ברוח רח־שא für בחח נבואה in unserem Targum. Cap. I, 8. In der Handschrift fehlt von אישתלהיו bis בעלמא Die fehlende Stelle ist jedoch vom Punktator an der Seite ergänzt. Im גאולת הנר ist בנלל הכי für ברם הכי in unserem Targum angeführt. C"ßD גאולת הנר ביאור לתרגום Rothenburg, Eijakim Gottschalk.) Cap. I, 9. In der Handschrift lautet die Ueber- Setzung dieses Verses abweichend von unserem Targum wie folgt: (מה דהות מן קדמת דנא הוא דצתיד (דעוזיד לאיתעובדא עד סורי כל דרי עלמא ולית כל פיתנם חדת בעלמא Sie ist offenbar fehlerhaft. .הדיי תחות שמשא Cap. I, 11. In der Handschrift steht איתנס für איתנבה in unserem Targum. Cap. II, 4. Abweichend von unserem Targum lautet in der Handschrift die Uebersetzung dieses Verses wie folgt: אסניתי עובדק טבק בירושלים בדתי לי בתין בית מוקדשא לכפרא על בני ישראל וביתא דשן דפיל לבית דינא ואידרון פסיל לבי מדרשא דרבנן אנציבית לי כרמק ביבנה כל קבל כרמין דענב למשתי מנהון חמר אנא ורבני סנהדרין ואף לנסכא מנהון חמרא חדת ועתיק ע (Forts, folgt) _ .מדבחא Litteraturbericht. Recensionen. Biblischer Commentar über die zwölf kleinen Propheten von Carl Friedrich Keil, Dr. und Prof, der Theologie. 3. nachgebesserte Auflage, Leipzig, Dörffling & Franke 1888. VHI u. 718 S. 8. (Auch unter dem Titel: Biblischer Commentar über das alte Testament, herausg. von C. F. Keil und Franz Delitzsch, III. Theil, IV. Band.) (Forts.) Ein solches überflüssiges Vorurtheil ist der Glaube an die Geschichtlichkeit der in dem Buche Jona erzählten Vorgänge, welchen Keil mit grossem Eifer gegen die ״rohe, an Atheismus streifende Vorstellung Hitzig’s von Gott und göttlicher Vorsehung“ versieht. Das Buch enthält nach ihm ״Thatsaohen aus dem Leben des Propheten Jona von symbolisch-typischer Bedeutung“ und diese symbolisch-typische Bedeutung liegt in der sühnenden Kraft des Todes für Andere und in der Rettung aus dem Leibe des Fisohes, welche ״Thatsachen“ Bilder des Opfertodes und der Auferstehung Christi sind. — Ich habe mioh gefreut, als ich das las, nicht etwa, dass es mir neu gewesen wäre, denn ich habe den berühmten Jesuitenpater von Klinkowström sogar über das Thema ״Simson ein Vorbild Christi“ predigen gehört, aber ich freute mich darüber, dass mir künftig das Gefühl der tiefen Besohämung erspart bleiben wird, wenn ich bei jüdischen Autoren ungesunde exegetische Gründenschauuugen treffe. Wenn ich sonst bei Malbim einen seiner wunderlichen Einfälle las, wie etwa: (Spr. 29.14) ״Eine Wo hl t hat im Geheimen beschwichtigt den Zorn, aber Bestechung, in den Busen gesteckt, beschwört den Zorn herauf“, — so konnte ich bedauern, dass so etwas gerade der fruchtbarste, jüdische Exeget der Neuzeit schrieb, weil er der traditionellen Auslegung des Wortes מתן בסתר folgte, aber, was kann ich von dem ungebildeten, polnisonen Juden, der nie ein Gymnasium besuchte, der Hitzig und F. Ch. Baur nioht einmal dem Namen naoh kannte, verlangen, wenn ein gelehrter und belesener, deutscher Professor solche Diuge leistet? Das Buch Jona, dessen bloss lehrhafte Tendenz von der unend• liehen Gnade Gottes, die dem schwersten Sünder vergiebt, wenn er aufrichtig bereut, jedem, der es erkennen will, klar werden muss, soll Gesohiohte sein, weil der Autor der Parabel den historischen Jona ben Amittai zu seinem Helden und die historische Stadt Ninive zum Schauplatz seiner Erzählung macht! Und doch hat dieser Autor sowenig ein historisches Factum geben wollen, als der Prophet Nathan mit der Parabel von dem armen und dem reichen Mann! Es ist also überflüssig, unserer Weltanschauung zu Trotz daran festzuhalten, dass ein Mensch drei Tage unversehrt im Leibe eines Fisches gelebt habe, und dass eine ganze Stadt mit zwölf Myraden Einwohnern aut die Verkündigung ihres Unterganges, ausgesprochen von einem unbekannten Boten eines unbekannten Gottes, einen neuen Lebenswandel begönnen habe, nachdem der Verfasser dieser Erzählung uns nur eine Allegorie giebt. Der Anstoss, welohen ungläubige Geister an einer in der Schrift berichteten Thatsache nehmen, kann freilich nicht ausreichen, um uns zu ihrer Leugnung zu bewegen, denn von dem Verständniss der heiligen Schrift gilt das Wort des Psalms: ״Wunderbar ist diese Erkenntniss mir, erhaben, ich kann sie nioht beherrschen.“ Anderseits aber können die Erfahrungswissenschäften nioht ohne Einfluss auf unsere religiöse Anschauung bleiben. Das hat nioht nur der Talmud gesagt: ״Gross ist die Erkenntniss, weil sie zwischen zwei Gottesnamen steht“ (Beraoh. 33a), sondern auch der fromme Keil bewiesen, indem er das Stehenbleiben der Sonne bei Gibeon (Jos. 10.12 ff.) für eine blosse Einbildung der Kämpfer zu halten geneigt ist, obwohl dort Gontext und Wortverstand diese Deutung unmöglich machen. Ich muss daher aunehm6u, dass nurder Glaube an die in Jona’s Erlebnissen angedeutet sein sollende ״Auferstehung“ unsern Autor dahin führt, Alles wörtlich zu glauben, was von Jonas Schicksalen beriohtet ist. Doch verlassen wir Jona, um an seinem nächsten Naohbaren zu beweisen, wie sehr wir in die Irre gerathen, wenn wir um jeden Preis das, was unsere Vorfahren geglaubt haben, für Tradition halten. Wann hat Obadjah gelebt? Die Tradition sagt: Zur Zeit Eliah's, weil sie ihn mit dem gottesfiirchtigen Haus- Verwalter Aohabs (I. Kön. 18. 3) identifiziert. Die Kritik sagt: Obadjah kann nur naoh dem Falle Jernsalems geweissagt haben, da er davon spricht, dass Fremdlinge in Jerusalems Thore eingedrungen seien, dass sie um dessen Besitz würfelten, dass die Edomiter an der Plünderung der Stadt theilnahmen und die Flüchtlinge auffingen. Ausserdem hat Obadjah die Weissagung Jeremia’s über Edom (49. 14 ff.) und die Prophezeiungen Joels (C. 3 u. 4.) benutzt, muss also jünger wie Jeremiah sein. Trotzdem stellt Keil die ganze Geschichte auf den Kopf und macht Obadjah zu dem ältesten Propheten des Zwölf-Buches und Edoms sokwere Versündigung, vou der Obadjah wie der Dichter des 137. Psalms in den bittersten Worten spricht zu einem Kampfe um seine Selbstständigkeit (II. Kön. 8. 20—22). Ein Grund zu dieser Verkehrung des ganzen Sach Verhältnisses ist hier nicht zu finden, denn die Stellung Obadjahs neben Micha ist dazu doch noch keine ausreichende Veranlassung. Etwas begreiflicher

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