Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 35. (29.8.1889)
- Date
- 1889-08-29
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 139 — b) S. 197: C. Asser starb in Haag am 4. August 1836. — Zun* hat 3. August. c) Bd. I, S. 306: Joseph Gusikow starb in Aachen am il. Ootober 1837. S. 308, Z. 10 heisst es: ״Er wurde 32 Jahre alt (dieselben Angaben hat auch Zunz). Weiter heisst es nach der ״ Encyclopädic der musikalischen Wissenschaften“, dass er 1808 in Slow geboren wurde. Hiernach wäre er also nicht 32, sondern nur 28 Jahre alt geworden. Bd. II, S. 183: כבוד הבית Rede gehalten am 30. Tischri 5602 (13 Ootober 1841). — Der 30. Tischri war am 15. Ootober. S?38, Z. 10: Zunz’ ״Gottesdienstliche Vorträge“ erschienen 1812. — Richtig ist 1832. (Forts, folgt.) Recensionen. Biblischer Comnientar über die zwölf kleinen Propheten von Carl Friedrich Keil, Dr. und Prof, der Theologie. 3. nachgebesserte Auflage, Leipzig, Dörffling & Franke 1888. VIII u. 718 S. 8. (Auch unter dem Titel: Biblischer Commentar über das alte Testament, herausg. von C. F. Keil und Franz Delitzsch, III. Theil, IV. Band.) Vor uus liegt die letzte Arbeit des letzten, grossen Theologen aus Hengsten bergs Schule, herausgegeben und bevorwortet von seinem Freunde Delitzsch, der ihn am Grabe seinen a6^uf0f yivvYjaiog nannte und hier den interessanten Lebenslauf Keils erzählt, der als 14 jähriger Knabe nach Russland auswanderte, um dort das Tischlerhandwerk zu erlernen und es sohliesslieh zum Professor der alttestamentliohen Exegese in Dorpat brachte. De Lagarde-Böttcher hat einmal zum Verdrusse der gläubigen Theologen behauptet, die Bibel als Bibel sei auf der ganzen Linie des protestantischen Lagers aufgegeben. Nun hat er Recht. Mit C. F. Keil ist der letzte Vertreter der alten, protestantischen Inspirationsgläubigkeit geschieden, welohe in Quenstedts*) Worten, dass man eigentlich von einem Autor einer biblischen Schrift ear nioht reden dürfe, nachdem der wahre Autor derselben nur der heilige Geist und ihr sogenannter Verfasser nur dessen mechanisches Werkzeug sei, gipfelt. Diese Ansohauung ist nun definitiv todt, denn, wenn auch vor Kurzem noch auf einer Berliner Pastorenkonferenz ein Stadtmissionar behauptet hat, dass er sich von keiner Kritik den lebendigen Glauben rauben lassen werde, dass am Ende der Tage ״wirkliche Löwen wirkliches Stroh“ fressen werden; das Heimathsreoht auf dem akademischen Lehrstuhl wird diese Gläubig* keit nicht mehr erlangen. Da nun dieses Buch einen gewissen Wendepunkt in der Geschichte der Theologie bezeichnet, welcher der von Kaiser Justinian angeordneten offiziellen Schliessung der längst verblichenen Akademie zu Athen an der Seite zu setzen wäre, mag eine ausführliche Besprechung der dritten Auflage desselben um so gerechtfertigter erscheinen, als die ersten beiden Auflagen in diesem Blatte nicht besprochen wurden. Wenn ich innerhalb der jüdischen Theologie mich nach einer Erscheinung umsehe, durch die ich nicht-eiDgeweihten Lesern ein Bild von Keils Denken geben könnte, wüsste ich nur Samson Hirch zu nennen, der allerdings an Gelehrsamkeit und beson* (jers an methodischer Sohulung jenem bedeutend *) Jolinun Andreas (Juenstodt, gest. iti88 als Consistorialratli in "Wittenberg gilt als der liauptvertreter der lutherischen Bekenntuiasgläubigkeit, die er in seinem Hauptwerke ״Theologia didacticc-polcmica sive Systema Theologiae“ niedergelegt hat. n&chstekt, ihm aber in dem hartnäckigen Festhalten an traditionellen oder für traditionell geltenden Mein ungen, wie in der völligen Ignorirung aller Reohte kritischer Erforschung der Bibel, sowie endlich in der Anschauung, dass alle Kritik boshafter M u t h - w i 11 e ungläubiger Seelen sei, gleichkommt. Nur, dass eben Hirsch, der nioht fiir gelehrte Leser schrieb, sich die Verteidigung seiner Position viel leichter machte, als der profunde Gelehrte Keil, der das, was die Gegner schrieben, wenn auoh nicht prüfte, doch wenigstens las, allerdings mit dem Vorurteile, es müsse unwahr sein, wenn es gegen die confessio Augustana verstosse. Diese dogmatische Voreingenommenheit ist ein schwerer Schaden des mit philologischer, archäolologischer, historischer und geographischer reicher Gelehrsamkeit ausgerüsteten Buches, welohes für das beste von Keils Werken gilt und als solches auch in Strack’8 ״Einleitung“ gepriesen wird. Wir haben bei Benutzung des Buches nicht bloss die christologischen Sohriftauslegungenzu subtrahieren, sondern müssen noch manche annötige und überflüssige Vorurteile mit in den Kauf nehmen, wenn sie als traditionell gelten. (Fortsetzung folgt.) Hofprediger Stöcker und der Hof. Berlin 1889. (Schluss.) S. 18—23 soll eine Antwort des Reichskanzlers auf eine Adresse des Konservativen Centralkomitö’s in Berlin, sowie ein langer Artikel der Post: ״Der Kanzler und die Judenhetze“ das Gegentheil dieser ganz und gar offenen und unzweideutigen Erklärungen beweisen; denn S. 23 lesen wir erstaunt: ״Im Sommer 1885 wurde die Stellung des Fürsten Bismarck gegen die konservativ•antisemitische Bewegung eine feindselige.“ S. 42. Brosohüre Rösslers 1889: ״Die Vorgänge in der inneren Politik seit der Thronbesteigung Wilhelms II.“ Unser Anonymus nimmt an, dass die Gedanken Bismarcks wiedergegeben werden durch die Worte Rösslers: ״Das Auftreten St.’s, sein hetzender Antisemitismus verschärft die politischen Gegensätze und stärkt die Sache des. Fortschritts duroh den Uebertritt von gemässigt Liberalen etc.“ Nur deswegen die Abneigung gegen Stöoker; im Antisemitismus, behauptet unser Anonymus, sind Stöoker und Bismarck einig. Sein Demagogenthum und endlieh seine auf Selbstständigkeit der evangelischen Kirche gerichteten kirchlichen Bestrebungen, sein Kulturkämpferthum sind die weiteren Gründe, dass St. verzieht leistete. S. 52—56 endlich werden die Beziehungen unseres Kaisers zu Stöcker besprechen. Es wird jene Stelle aus dem bekannten Vortrag des Grafen Douglas, welcher dem Kaiser zur Durchsicht vor der Veröffentlichung Vorgelegen hat, angeführt, die alle Gerüchte über den Antisemitismus des jungen Kaisers aufs entschiedenste Lügen straft. ״Und wenn versuoht worden ist, den Kaiser sogar mit der antisemitischen Bewegung in Verbindung zu bringen, so ist auch dies eine Dreistigkeit, der ich auf das Bestimmteste entgegen treten muss.“ Und dennoch wagt dieser Anonymus seine Broschüre etwa so zu schliessen: ״Graf Waldersee ist ein Gönner Stöokers, gleich seiner Gemahlin. Auf Graf Waldersee werden viele Hoffnungen gesetzt.“ So versucht er auf dem Wege des Munkeins und Deuteins das herauszuschlagen, was nach den unzweideutigsten, von ihm selbst mitgetheilten Aeusserungen als falsch sich erweist, die Annahme eines Antisemitismus des Kaisers oder des Kanzlers Was die Glorificirung Stöckers augeht, welche weit mehr Inhalt und Zweck der Schrift bildet, als die Darlegung