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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-08-29 · N° 35. (29.8.1889) · p. Seite 138

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 35. (29.8.1889)
Date
1889-08-29
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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— 138 — schar für einen erschlagenen Israeliten in die Magazine des!Staatsschatzes liefern musste, so brüstet sich jetzt der moderne Jude auf den Baloonen der sohönsten Neubauten der Algierer Boulevards und bliokt selbstzufrieden auf die arabischen Lastenträger herab. Ich erinnere mich dabei besonders an ein Gegenüber, das ich hatte, eineu reichen israelitischen Grosshändler. Die Simse der Balcone waren stets behangen mit den zu bürstenden Seidensammt- und Plüschschlafröcken der Haustrau. Während eine Priseurin ihr langes rabenschwarzes Haar modern aufthürmte, kroch, lief, tummelte des Morgens auf den Terrassen eine ganz unglaublich reiche Kinderschaar umher. Wärterinnen kauerten zwischen ihnen in ärmlicher Tracht mit den aufkloptenden versilberten Sandalen, offenbar von der Strasse und aus dem Elende aufgelesene Glaubensgenossen, mit dem bewundemswerthen Zusammenhalten dieser Race. Die reiche, schöne Jüdin warf dann irgend ein modernes seidenes Soireekleid über, und wenn es Sabbath war, versammelte man sich zu einem opulenten Diner. Auf den Baiconen unterhielten sich die halberwachsenen Töchter mit jungen Herren in Fracks. Dann kam der Moment, wo die von allen ehrfurchtsvoll begrüsste Grossmutter in der reichen alten orientalischen Tracht eintrat. Diese Greisin, welche, wenn sie den Shawl abwarf, mit entblössten Armen, von denen Spitzenärmel wie durchsichtige Flügel niederfielen, zwischen ihren halbeuropäisirten Kindern und ganz modernen Enkeln dasass, bot einen eigenthümlichen Anblick. Der Jude vergisst die Hand nicht, die den schmutzigen Piennig für ihn gesammelt, aus dem später das glänzende Goldstück wurde! (F. f.) Ueber ״Erzählungen aus dem jüdischen Leben“. Von Hermann Becker. III. o) In welcher Form müssen die Stoffe für die jüdischen Erzählungen geboten werden? Diese Frage wäre kurz und bequem dahin zu beantworten! In mustergiltiger, sprachreiner und sprachrichtiger Form, wie alle guten Erzählungen. Allein so leicht können wir uns unmöglich mit dieser Frage abfinden. Wie viele unserer sogenannten jüdischen Erzähler meinen, wenn sie uns polnische oder russische Juden im Jargon sprechend vorführen, dann hätten sie das Wesen der jüdischen Erzählungen erfasst! Wie kleiulich und kurzsichtig ist doch dieser Standpunkt! Nicht die Sprache kennzeichnet — nach unseren Ausführungen — das Wesen der jüdischen Erzählungen, sondern die Stoffe, vor allem also die Schilderung der jüdischen Eigenheiten. Zu den jüdischen Eigenheiten gehört aber nimmermehr eine sohlechte uud unreine Aussprache. Wollten wir das glauben, dann würden wir ja auf dem Standpunkte unserer Gegner stehen, welche uns sehr oft nichts Schlimmeres und Tadelnswertheres vorzuwerfen haben, als eben diese schlechte Sprache. Wenn aber nach unseren Ausführungen die Stoffe zu den jüdischen Erzählungen aus allenZeiten und allen Ländern entnommen werden sollen, was berechtigt dann den Erzähler die Jargonspräche, dieses schlechte mit polnischen, russischen und anderen slavischen Worten vermischte Deutsoh als jüdische ״Eigenheit“ anzusehen? Ein Volk, das in seinem Kampfe ums Dasein, um seine berechtigten, weil alle gemein meuschliehen Eigenheiten kainpfl, ein. Volk, das diese Eigenheiten entweder anderen Nationen aufzwingen oder in seiner Anpassungsfähigkeit die Eigenheiten dieser fremden Nationen mit den seinigen vermisohen will, braucht vor Allem die überzeugende Sprache, den Donnerkeil der Rede, ein offenes und freies Manneswort! Und wie kläglich würde es in seiner Jargonsprache all’ diese gewaltigen Aufgaben lösen, all’ diese Völkerkämpfe bestehen können? — Darum fort mit diesem alten kindischen Aberglauben, dass das Wesen der jüdischen Erzählungen in der Jargonsprache besteht. ״Bahnet, bahnet, räumet den Weg!“, so ruft der gewaltige Redner Jesaias uns zu. Vorbildlich, wie der Zweck und Stoff der jüdisehen Erzählungen für die ganze Menschheit sein sollen, also sei auch die Form derselben. Sie 8011 dut oh ihre Reinheit und Mustergiltigkeit, durch ihren Adel und ihre Gesinnung das Interesse aller Leser — und dazu gehören dann bei Beobachtung aller gegebenen Vorschriften auch die Leser nichtjüdischen Glaubens - anregen und Herz und Sinn gefangen nehmen. Nur dadurch können wir einerseits eine edlere Auffassung über Juden und Judenthum anbahnen und andererseits den Gedanken an eine allgemeine Menschheit lehren, verbreiten und verstehen helfen. — Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rhein. (Fortsetzung.) In M Ehrent heil’ s תולדות אנשי מופת״“ Budapest 1885 ist zu berichtigen : S. 116, Z. 10: Isaäo Abrabanel vollendete im Januar 1496 (20. Schewat) seinen Commentar zu Deuteronomium. — Der 20. Schewat war am 4. Februar. S. 167, Z. 13: Maimonidos wurde am 13. März (14. Nissan) 1135 geboren. — Der 13 März war am ן 26. Adar. Es muss heissen am 30. März (14. Nissan.) S. 169, Z. 2 v. u.: Am 14. October 1165 (4. Cheschwan reiste die Familie nach Egypten. — Der 4. Cheschwan war am 12. Oktober. S. 174, Z. 13: Am 7. November (1180 (כםל,י vollendete er sein Mischne-Thora. — Der 7. November war am 17. Ghesohwon. S. 180 unten: Abraham ben David staib am 17. November (Freitag, 26. Kislew) 1198. — Der 26. Kislew war am 27. November. (Vgl. Zunz’ Monatstage, wo nur der Index den Namen und dieses Datum haben, welche im Texte fehlen. S. 194, Z. 20: Nachmanides traf 1267 am 12. August (9. Elul) in Jerusalem ein. Der 9. Elul wai am 1. September. S. 195, Z. 9: Nachmanides starb um das Jahr 1720. — Statt 1720 lies 1270. S. 199, Z. 17: Salomoh ben Adereth erliess einen Bann am Sabbath Ghason (4. Ab) 26. Juli 1305. — Das jüdische und das bürgerliche Monatsdatum stimmen zusammen; jedoch fielen sie nioht aut einen Sabbath, sondern auf Montag. S. 205, Z. 13: Meier von Rothenburg wurde am 19. Juni (4. Tamus) 1286 in Haft gebracht. — Der 4. Tamus war am 28. Juni. S. 208, Z. 3: Am 24. Juli (12. Ab) 1298 wurde die Gemeinde Würzburg (auf Anstitten von Rindfleisch) vollends aufgerieben. — Der 12. Ab war am 22. Juli. S. 243, Z. 17: Lippmann Heller starb im Jahre 1851. — Es muss heissen 1651. ’ S. ■115, Z. 16: Statt 174 lies 474. In Fräukels ״Sulamith“ Jahrgang VIII ist zu berichtigen: a) S. 113: Aaron Woltsohn starb in Fürth am 21. März 1835. — Zunz hat 20. März.

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