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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-08-29 · N° 35. (29.8.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 35. (29.8.1889)
Date
1889-08-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Litteratur-Blatt. Zar Beleachtang «Iler Jvdeithim aa<l Jadea betreffenden littemrinck•■ Br* lehtliaigtB 11f dem Gebiete der Philo- ■ophie, Geschichte, Etbaoffraphle, Theoogtc, OrienUli», fixeres«, HomMetik. Litargfk a, PldagogU. Heraasgegeben von Rabbiner I)r. Moritz Rahmer. 01ta<j9e6vttcj, 29. £lu׳<j-u.0t 1889. Itlriift 1lerfl11chlli|l1fen!![tteralMr,*reich *ler Redect *»» sNxeeaedt werde■, Aidei ln dienern Blatte elngeheade Respreehaaf Bei Kiaseitdaag ron awei Receaslone- Kxemplaren erfolgt einmalige karae Gratla-Iaaertloa. Das ״Jüdische Lftteratnr-Klatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhaudlungen (io Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten 16r .Israelitischen Wochenscbritt'1, die vierteljährlich bei a len Postanstalten and Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Lltteiatur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf• tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Buchhändler u Lehrer, welche dire־׳ oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ji Rabatt. I 1 11 11 וו t : Wissenschaftliche Aufsätze: Die Juden in Afrika. Von Mara Cop Marlet. — Ueber ״Erzählungen aus demjüdisehen Leben“. Von Hermann Becker. III. — Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rh. (Fortsetzung.) Litteraturbericht: Recension : Biblischer Commentar über die zwölf kleinen Propheten von Carl Friedrich Keil, Dr. und Prot der Theologie. — Hotprediger Stöcker und der Hot. (Schluss.) — Litterarische Notizen. — Inserate. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet Die Juden in Afrika. Von Mara Cop Marlet. Noch ist der grosse Tag, ״wo der Berg Gottes alle anderen überragen wird, wo die Völker in Sohaaren herbeiziehen werden, um ihre Schwerter, die sie nie wieder gegen einander führen werden, zu Pflug* schaareu zerschlagen“, nicht hereingebrochen, der Traum des Weltfriedens Joels und Hosea’s, der Pro* pheten Israels, ist bis jetzt nooh nicht in Erfüllung gegangen. Das Versländniss für die Geschichte der Juden giDg mir erst auf, als ich sie fern von unseren Cultur- Verhältnissen im gluthvollen Rahmen des afrikanischen OrieLts wiedersah. Die Jüdinnen Algeriens sind auf* fallende, merkwürdige Schönheiten. Keine der maurischen, arabischen oder Neger-Frauen ergriff meine Einbildungskraft so sehr, wie diese Trägerinnen einer zerbröckelten historischen Vergangenheit. Die Algierer Jüdin hat nichts Unterwürfiges, nichts lebhaft Schlaues oder niedrig Wollüstiges. Sie bietet ein antikes Bild. So musste dies durchgeistigte Volk aussehen, ehe es Kanaan gefunden, ehe der Thron Judä’as zusammen* brach und das Joch der Unterdrücckung seinen Nacken beugt. Die Algierer Jüdin schreitet edel und stolz einher. Ihre wundervolle Tracht trägt dazu bei, den Eindruck, den sie hervorruft, zu erhöhen. Ein weissseidenes Sohleppkleid mit einem reioh in Gold gestickten . Brustlatz wallt ihr vornehm auf der Strassse nach. 1 Vorn mit der rechten Hand erhebt sie es ein wenig,! so dass man einen weissen Spitzenrock und weisse j Atlassschube darunter hervorschimmern sieht. Ein 1 weissseidener Shawl ist leicht um die Schulter ge- '• worfen, dessen Fransen mit dem Goldbrooat der j Aerrnel und der Brust malerisch spielen. Auf dem j tiefschwarzen Haare leuchtet ebenfalls ein Goldbrocati tuch, fest an die Stirn gelegt und in den Nacken ן niederfallend, die feinen, meist blassen, scharfen, aber i edlen Züge der Töohter Judäa’s vorteilhaft» um- | rahmend. Aut dem Antlitze dieser Frauen liest man l die Jahrhunderte alte Klage des verfolgten Volkes Israels, die hoheitsvolle Trauer um die Trümmer Jerusalems und einer königlichen Vergangenheit. Dieselbe Tracht wiederholt sich natürlich in allen lebhaften Farben: in lichtblau, goldgelb, lila, aber stets in Seide und mit Gold verziert. Der Sabbath oder Samstag in Algier ist für den Fremden einer der interessantesten Tage seines Aufeuthaltes. In ihren reichsten Gewändern promeniren dann die Jüdinnen gewöhnlich in dem herrlichen Palmenschatten des Jardin Marengo, auf den die reizende katholische Kirche Notre Dame d’Afrique hoch über dem Meeresspiegel, welcher zu ihren Füssen leuchtet, herunterblickt. Jüdische Kinder umspringen die lebenden Statuen. Ihre rosige Haut bräunt sich nicht an der Sonne, nur ihre häufig rothen Haare scheinen zu flammen und ihre carminrothen Lippen verrathen die Gluth des Orients. Auch der jüdische Mann sieht in den orientalischen Gewändern sehr vortheilhaft aus. Seine Tracht gleicht jener der Mauren. Sie kleiden sich mit dem türkischen Turban und dunkelblauen weiten Pluderkosen, seidenen, straffgezogenen Strümpfen und Lackschuhen, was ein wenig an die Eleganz mittelalterlicher Höfe erinnert. Die Mitte umsohliesst ein breiter gewöhnlich rother Taillengurt; eine reich versohnürte Jacke lässt unter coquett aufgeknöpften Aermeln, weisse, feine, bauschige Hemdärmel hervorschimmern. In Tunis tragen sie auf dem Kopfe nooh die hohe zugespitzte Salma, eine kegelförmige, silberne oder goldene Filigranarbeit, von deren Höhepunkt ein weisser Schleier niederfällt. Der mit den wandernden Stämmen der Wüste lebende Jude trägt sich dem Araber völlig gleich, bis aut ein schwarzseidenes Tuch, welches er früher gesetzlich gezwungen war, um seinen weissen Haik zu schlingen, damit er sich von dem stolzen Wüstenfürsten gebührend unterscheide. Heute hat sich das Bild dieses aut das sclavische Elend herabblickenden hierarchischen Stolzes wenigstens in den französischen Colouien bedeutend geändert. Der Unterdrückte ist in der gesellschaftlichen Ordnung über den Bedrücker emporgestiegen. Da den Juden eine Massen-Naturalisation zu Söhnen Frankreiobs gestattet wurde, erhoben sie sich mit den Eroberem zu Herren dieses Bodens, wo der Fürstensohn, nur mehr ein geduldeter, von den meisten Rechten verstossener gebändigter Feind -זwie ein edles zusammenbrechendes Wild — zurückblieb. Unter diesen günstigen Verhältnissen hat sich der feine Handels-Insüuct des Juden bald zu Reichthümeru durohgearbeitet. Galt sein Leben früher nur anderthalb Pfund Tabak, welohes der türkisohe Janit-

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