Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 32. (3.8.1889)
- Date
- 1889-08-03
- Page
- Seite 126 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 126 י fachen -Erörterungen Anlass. Das BaucomitA wusste [ nicht, wie es sich dem gegenüber verhalten sollte.! Ein Mitglied stellte nämlich den Antrag, das Gemälde ungestört ah seitdem Platze za belassen; es sei nämlieh eih schönes Gemälde and ein herrlicher Sohmaok; ferner seien «Ile anf dem Gemälde dargestellten Per• sönlichkeiten Jaden, die sicher Keinem etwas za Leide thun würden. Ausserdem fügte er nooh ironisoh hinzu, wohnt Ihr oft 80 weit von den übrigen Mitgliedern der Gemeinde, dass Ihr diese drei im Falle eintretenden schlechten Wetters oft nöthig haben könntet, um ein Minjan zusammenzubringen. Nichts• destoweniger wurde das Gemälde entfernt. Der Best des Vortrages galt der Erwähnung der patriotischen Thaten der Israeliten, wodurch sie im Bevolutionskriege die Sache der Freiheit fördern halfen. Unter den vielen Beweisen von der Tapferkeit und den von den Juden geleisteten Diensten, welche der Bedner anführte, erwähnte er auch die Thatsache, dass in der Stunde der grössten Gefahr, als die Begierung verzweifelte, wie sie die zur Fortsetzung des Kampfes gegen englische Tyrannei erforderlichen Gelder auf bringen sollte, H&jimSalomon aus Philadelphia, den Leitern der Bewegung die Summe von über 650,000 Dollars vorsohoss. Naoh Beendigung der Feindseligkeiten bezeugte Washington in einem Briefe an die Juden denselben seinen und der Nation aufrichtigsten Dank für die von ihnen geleistete Hülfe und Unterstützung. (Naoh dem Jew. Stand, von L. Cohen.) Abraham ben Muriel und Abraham ben Vives. Zwei einflussreiche Männer der Londoner Gemeinde im 13. Jahrhundert. Von M. D. Davis in London. 11. Vor einiger Zeit übergab mir ein Beamter des Staatsarchivs einen kleinen Pergamentstreifen, dessen Schrift bereits sehr entfärbt war, zur Entzifferung, loh hatte in 10 Minuten eine genaue Abschrift desselben hergestellt. Das Schriftstück selbst ist, abgesehen von seinem hohen Alter, von geringer Wichtigkeit, enthält aber den Namen einer Person, welche in der Londoner jüdischen Gemeinde unter der Begierung Heinrich III. eine hervorragende Bolle spielte und aus diesem Grunde unsere Beachtung verdient. Das Document lautet wie folgt: אני החתום מטה מודה שפיירש הנלח ויורשיו פטורים ממני ומיורשי מחוב אהד משנים עשר זקר לשלם נואל שנת ארבעים וחמש למלכות אדונינו המלך הנרי בן המלך יהן מבריאת עולם עד סופו ובעבור שאין החלה בידי אני מבקש פני הצירוגרפיירש ארמאים ויהודים שומרי תיבת אדונינו המלך בלוגדרוש להוציא חחותם כמו פטור להיות להם לראיה חתמתי אברם בן ויוש ״)Ich Endes - Untersohriebener bekenne, dass der Pfarrer Peter und seine Erben frei sind von einer mir oder meinen Erben zu zahlenden Schuld von 12 Mark, zahlbar Weihnachten im 45. Jahre der Begierung unseres Königs und Herrn Heinrich, Sohn des Königs Johann, frei von der Schöpfung der Welt an bis zu ihrem Ende. Da ich indessen kein Duplikat besitze, so ersuche ich die Gerichtschreiber, Christliehe und jüdische, die Kanzleiverwalter uuseres Herrn, des Königs in London, den Schuldschein zu annulliren und als erledigt zu betrachten. Zum Beweise habe ich dieses unterschrieben. Abram ben Vives.“) In Bezug auf die Urkunde selbst ist zu beachten, dass der Schreiber, Abraham ben Chaim, nicht mit seinem hebräischen Familiennamen (Schern Hakadosch) vielmehr Abram ben Vives, wie er im gewöhnlichen Leben genannt wurde, unterschrieb. Abram istJLbbre* viater für אברהם und Vives (lebend) synonym mit חיים (lebend). Der Name des Schuldners lautet Piers (ähnlich Piers Gaveston) und sein Titel Parson ist bezeichnet נלח, mit welchem Namen gewöhhlioh ohristliehe Geistliche benannt werden, was aber urspränglieh ״tonsurirt“ (geschoren) heisst. Weihnachten ist נואל Noel, London ist לונררוש» Henri ist die phonetische Bezeichnung für הנרי und יהן ist Johann. צירוגרפיירש Geiiohtsschreiber י= Chirographers steht buchstäblich auch im Ilebräisohen, wobei das צ den Laut ״oh“ vertritt. Abraham ben Vives war eine wohlbekannte Persönlichkeit in der Londoner Gemeinde. Tovey (p. 51) erwähnt ihn als Nachfolger des Abraham ben Muriel, der seit 1249 niokt mehr als Secretär und Beisitzer am Gerichtshöfe zu Wesminster fungirte. Abraham ben Chaim (Vives) wurde sowohl als Schreiber, als auch Kanzleiverwalter bestallt und die Gerichtsbeamten durch ein königliches Schreiben aufgefordert, ihm die Schlüssel zu den Behältnissen zu übergeben, sobald er Garantien für eine gute Verwaltung beigebracht hatte. Wie lange er diese combinirten Aemter verwaltete, wird nicht angegeben. Da er aber in dem obigen Aot vom Jahre 1261 sich an die Londoner Schreiber wendet, 80 ersehen wir daraus, dass er damals nioht mehr im Amte war. Er hatte diese Stellung wohl sicher nioht länger als 1255 inne, denn in diesem Jahre hatte nach einem Document der König gewünscht, dass Abraham ben Vives Schreiber an der Königlichen Finanzkammer werden sollte. Bei seiner ersten Anstellung waren ihm zugesellt seine Freunde Jacob Ep i s 00pu8 (כהן) und Jaoob ben Fluria. Dieses Trio besass eine grosse Autorität in der Londoner jüdisohen Gemeinde. Das Amt eines Chirographen, welches Abraham verwaltete, war kein müheloses. Der Inhaber dieses Amtes war durch einen Eid verbanden, jedes Pergament, welohes in das Arohiv kam oder aus demselben genommen wurde, zu prüfen und zu registriren und über alle Schuldverschreibungen, sobald sie deponirt, getilgt oder abgeändert wurden, ein genaues Begister zu führen. Da diese Documente sich aber in die Tausende beliefen, 80 war Abrahams Zeit durch seine Berufsarbeiten sehr in Anspruch genommen. Wenn nun seine Arbeit hiernach eine mühsame und aufreibende war, 80 war auch sein Gehalt kein geringes. Jeder Act, der durch seine Hände ging, brachte ihm an Gebühren einen Penny ein — also wenigstens einen Schilling naoh dem heutigen Geldwerthe — und diese Pennies mussten mit der Zeit zu einer bedeutenden Summe heranwachsen. Der Name Abraham ben Vives findet 8ioh nicht in den gedruckten Sch’taroth; nichtsdestoweniger sehen wir ihn in den lateinischen Acten. Nach diesen war er wie seine Zeitgenossen Kapitalist und Geldmakler; das obenangeführte Document mag als Beweis für diese seine geschäftliche Thätigkeit gelten. Grosse Summen wurden ihm aber auch abgepresst, um des Königs Habgier zu befriedigen, denn Heinrich III. bedrückte unaufhörlich seine jüdischen Unterthanen. Als daher Abraham ben Vives sich den königlichen Wünschen nioht mehr so willfährig zeigte, wurde er im Jahre 1265 ergriffen und ins Gelängniss geworfen, aus welchem er auch nicht eher erlöst wurde, bis er allen Anforderungen Genüge zu leisten versprochen hatte. Abrahams angebliche Schuld an die Krone belief sich auf 63 Liv. 11 s. 3 d., eine für jene Zeit ungeheure Summe. Als Zeitgenosse Abrahams wird in den latei- : nischen Documenten dessen Sohn Chaim (Haiin), I unter dem Namen Vives ben Abraham, als renommirte