Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 32. (3.8.1889)
- Date
- 1889-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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.*«32. Jüdisches I ■ Jahrg. XVIU. Litteratnr ־Blatt. Zar Beleaektaa( .11« Jilattw Jede« betreffeadea litterariaeke■ Kr• nkthnin •■f Gebiete 8er PkUo• «opkl«, flMCklekte, ItkaegrapUe, Tk«o• oglt, OrlomUlla, Kzagooe, Homiletik, Lltorfik ■• Pidt(0(ik. Herausgegeben Ton Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9Tta<j9e6ut<j., 8. fiUujuot 1889, Blaker dorelao«kll|l(e> LltUr.t.r,welek der Badoetioo ngeeudt werde■, lade■ 1■ dleeeai Blatte .!■(ekeade Beepreeka■( Bel Elaeeadeag T0a awei Beeeaalea•• Exemplaren erfolgt elamall(• karae Gratle-Iaicrtloa. Dm wJIdlsche Litteratnr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bosen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipeig bei Robert Friese) pro Jahr sang 8 Mark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erkalten dM ״Jüdische Litteiatur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 2( Pf, für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark! berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes za senden Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 Rabatt. Inl1a.lt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Juden in Amerika. (Wach dem Jew. Stand, von L. Cohen.) — Abraham ben Muriel und Abraham ben Yives. Zwei einflussreiche Männer der Londoner Gemeinde im 13. Jahrhund. Von M. D. Davis in London. II. — Das Targum zu dem Buche Ecliah. Verliältniss des edirten Textes derselben zu dom eines handschriftlichenCodexaufderBreslauerStadtbibliothek,stammend aus dem 13. Jahrhundert. Von labbiner Dr. Jac. Reiss. Litteraturbericht: Recension: Starke, Th. Israel, so du verdirbst, ist’s deine Schuld; ein Christenwoit an die Juden. — Sebaldt, Max. Jesus der Arier. Litterarische Notizen. — Inserate.__ Unbefugter Nachdruck aus diessm Blatte ist nicht Bestattet Die Juden in Amerika. Am Vorabende der grossen Centennarfeier hielt Rabbi Aaron im historischen Verein zu Buffalo einen interessanten Vortrag über obiges Thema. Unter den ersten Europäern, welche den Boden der neuen Welt betraten, befand sich ein Israelit, der gelehrte Louis de Torres, welchen Columbus als Dolmetscher mitgebracht hatte. Schon 1497 hatte sich eine Anzahl spanischer Flüchtlinge in Brasilien niedergelassen. Sie fanden jedoch hier nioht den Schutz gegen Verfolgungei׳, welchen sie suchten. Die portugiesische Regierung trieb sie in die Wildniss und zwar in die gefahrvollsten Gegenden des Reiches. Da jedoch später in Brasilien zwischen den Portu* gieseu und den Holländern ein Krieg ausbrach und die Israeliten die Partei der Holländer ergriffen, sicherte ihnen der Sieg der Letzteren eiuen Schutz für sehr lange Zeit. Die Nachrichten, dass in der neuen Welt nun ein Asyl für die Verfolgten gefunden sei, zog noch mehrere spanische Flüchtlinge heran und schon nach kurzer Zeit hatte sich eine Gemeinschaft von über 5000 Seelen hier zusammengefunden. Aus ihrem Friedenstraume und vermeintlichen Glück wurden sie inindessen im Jahre 1654unbarmherzigaufgerüttelt, als eiu neuer Conflict zwischen den Portugiesen und Holländern mit dem Siege der Ersteren endete. Die Rache der Portugiesen fürchtend, flohen die Israeliten schleunigst aus Brasilien; einige von ihnen suchten Schutz in Holland, während die andern sich unter die jüdischen Ansiedler in verschiedenen Theilen Amerika’s zerstreuten. Schon 42 Jahre nach Gründung von Ja mestown (1049) finden wir Spuren von Juden in Neu- Amsterdam, dem heutigen New-York. Es sind nämlieh die Namen von 0 Juden, die damals in Gotham wohnten, uns erhalten geblieben. Gleich andern Secten wurden diese unaufhörlich von dem unbeug- Samen Peter Stuyvesand, Gouverneur dieser Colonie, beunruhigt und gequält. Dieser verweigerte ihnen die Erlaubnis zum Ankauf eines Begräbnissplatzes, zum Bau einer Synagoge und zum Eintritt in das Heer. Er legte allen männliohen Personen von 16—60 Jahren eine monatliche Steuer von 65 Stüber auf und beantragte in seiner Intoleranz bei der Regierung, sie aus der Stadt vertreiben zu dürfen. Dieser letztere Act brachte dem Gouverneur einen strengen Verweis ein, die Juden aber erhielten gleich darauf dieselben Reohte und Privilegien, deren sich die übrigen Be- «ohner der Insel erfreuten. Sie nahmen an Zahl und Waohsthum zu, so dass schon im Jahre 1696 sich 20 Familien vereinigten, die erste Synagoge auf der Beaverstreet in New-York zu bauen. Newport, R. J, heute als Sommeraufenthalt der vornehmsten Gesellschaft New-Yorks berühmt, war einst die grösste jüdische Colonie in Amerika. Der Kern dieser Vereinigung von 1200 Seelen bestand aus einer Schiffsladung Israeliten aus West-Indien, welche am 24. August 1694 an der Küste von Rhode- Island landeten. Ungefähr 70 Jahre spät9r bauten dieselben eine Synagoge, welche heute nooh steht und die älteste Synagoge in Amerika ist. Die Gemeinde zu Newport zeiohnete sich durch Intelligenz, Unternehmungsgeist und Wohlhabenheit aus und prosperirte bis zum Ausbruch des Revolutionskrieges, welcher ihren Handel lähmte und sie endlioh nöthigte, die Colonie verlassen zu müssen. *) Andere jüdische Gemeinden entstanden nooh in Savannah, Go., in Charles town, S. C., welche beide rasch an Zahl uud Reichthum zuuahmeu, viele Erziehungs- und Wohlthätigkeits-Institute gründeten und beim Ausbruche des Revolutionskrieges das patriotische Heer durch Geldmittel unterstützten. Im Jahre 1680 vereinigten sich einige Israeliten in New- York zu einem gemeinsamen Gottesdienste und gaben ihrer Vereinigung den Namen ״Scheerith Israel“ d. h. ״Ueberrest Israels“. Aus dieser Körperschaft entstanden viele der grössten Gemeinden in New-York uud einer dieser Zweige ist die ״Tempel Emanuel• Gemeinde“, eine der grössten uud wohlhabensten jüdischen Gemeinden der ganzen Welt. Als derselben ihr erstes Gotteshaus nicht mehr genügte, kaufte sie eine Kirche, welche sofort zu einer Synagoge eingerichtet werden sollte. In dieser Kirche befand sioh über dem Altar ein praohtvolles Gemälde, welches den Heiland, Johannes den Täufer uud Johannes den Evangelisten darstellte. Dieses Gemälde gab zu viel- *) Die Erinnerung an diese Gemeinde kann nimmer schwinden; sie lebt noch fort nach ihrem Tode. Das Gedicht Longfellows über den hebräischen Friedhof zu Newport wird leben, 80 lange die Sprache lebt. (.D. Red. d. J. St.)