Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-08-01 · N° 31. (1.8.1889) · p. Seite 123

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 31. (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492408-5990870-5991281--1767-5368687
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Recensionen. The Jewish quarterly Review. Edited by J. Abra* hams and C. G. Montefiore. London, D. Natt. Von dieser neuen and ersten der Forschung auf dem Gesammtgebiet der Wissenschaft des Jadenthums gewidmeten englischen Zeitschrift liegt das 1. Heft des 1. Bandes vom October 1888 vor.*) Wie die Herausgeber in ihrer schwungvoll geschriebenen ״Einführung“ bemerken, ist das Interesse für das Studium der Bibelkritik und Exegese, der jüdischen Geschichte, Litteratur und Theologie unter den englischen Juden kein sehr reges, und fehle es bis nun an einer grösseren selbstständigen Betheiligung; Schuld daran sei eben das bisherige Fehlen eines entsprechenden englischen Organs, und das Interesse zu wecken und die wissenschaftliche Bethätigung auf diesem Gebiete zu heben, 6011 die vornehmste Aufgabe der neuen Zeitschrift sein. Wenn nun aber die letztere hauptsächlich der Vergangenheit gewidmet sein 8011, so werde doch auch die Gegenwart und durch sie die Zukunft mit ihren religiösen und theologischen Fragen zu ihrem Rechte kommen, wobei ein bestimmter Parteistandpunkt ausgeschlossen sein und jede Richtung, insoweit sie nur wissenschaftlich zur Darstellung kommt, Berücksichtigung finden werde. Dies das Programm der neuen Vierteljahrsschrift; muss man schon im Interesse der Wissenschaft das Erscheinen einer neuen Zeitschrift als einer neuen Heimstätte wissenschaftlicher Forschung willkommen heissen, so wird man dies um so bereitwilliger thun, wenn als Vertrauenswerber ein, was Gediegenheit und Fülle betrifft, so vortreffliches erstes Heft erscheint. Zwar was die Mitarbeiter anlangt, begegnen uns bis auf zwei Engländer, Prof. Cheyne und den einen der Herausgeber, J. G. Montefiore, von denen nur der letztere Jude ist, nur Namen von deutschen jüdischen Gelehrten (von denen drei in England leben, A. Neubauer, M. Friedländer und S. Schechter), die durch frühere reiche litterarisohe Thätigkeit einen guten Klang in der Wissenschaft haben. Vorläufig haben wir es also mit einer nur im englischen Gewände erscheinenden vom d e uts chen Geiste erfüllten wissenschaftlichen Revue zu thun. Die Aufsätze sind wohl fast sämmtlich — bis auf den Aufsatz von Prof. Cheyne u׳.d die Einleitung und die kritische Bespreohung von Montefiore — ursprünglich deutsch gedacht und deutsch geschrieben und dann ins Engfische übersetzt worden, was man trotz des guten Englisch mitunter erkennen kann. Hoffentlich erfüllt sich die Hoffnung der Herausgeber, auoh die engfischen Juden zur regeren Bethätigung heranzuziehen, so dass das Uebersetzen der Beiträge entfallen kann. Der Zeitschrift wird es jedoch nur zum Vortheil gereiohen, wenn der jetzige wissenschaftliche Geist auch dann noch derselbe bleibt. Es ist natürlich nicht möglich in dem engen Rahmen dieser kurzen Anzeige in eine genaue Besprechung der eingehenden, den verschiedensten Gebieten ungehörigen Abhandlungen einzutreten; es kann auch nur die Aufgabe dieser Zeilen sein, der deutschen Gelehrtenwelt von dem Erscheinen dieser neuen wissenschaftlichen ״Review“ Kunde zu geben. In Kürze wollen wir es auch versuchen, von dem reichen Inhalte des 1. Heftes Mittheilung zu machen. Mehr theologischer Natur ist der Aufsatz von H. Graetz, der den Reigen eröffnet, über die Beeutung und Aufgabe des Judenthums in Gegenwart rr1 v. LrUn^' Auf ®™11d eines kurzen historischen Lieberbucks der Entwicklung der im Judenthum zum Ausdruck gebrachten Ideen wird dargethan, dass ) Wir Laben d&über schon in einer früheren Nr. kurz referirt. R, dasselbe nooh heute seine Mission zu erfüllen habe als Träger des reinen Monotheismus, der wahren Humanität und des religiösen Rationalismus. Sodann : eröffnet der bekannte Gelehrte A. Neubauer eine.. Artikeliolge, die sich in einlässlichster, fesselndster t Weise mit dem Schicksale der 10 Stämme beschäftigt. Zunächst werden sorgfältig alle Notizen der Bibel, der rabbini8chen und der neueren Litteratnr gesammelt, die Schicksale der in mehrfacher Hinsicht interessanten jüdisohen Niederlassungen in Arabien und Abbessynien, in Indien und China, sowie der Juden in der Krim mitgetheilt und die Berechtigung untersucht, mit der einzelne Forscher bald die einen bald die anderen als die Nachkommen der 10 israelitischen Stämme betrachten. Nicht viel Neues bietet im Einzelnen, aber recht anziehend und belehrend in der Zusammenfassung ist die Abhandlung M. Friedländers über Zweck und Inhalt des ״Predigers“. Es ist wohl im engen Rahmen die lehrreichste und klarste Darlegung des reichen Gedankeninhalts des den Leser zugleich fesselnden und anregenden, aus reichster Erfahrung schöpfenden philosophischen Essays über die Eitelkeit der menschlichen Bestrebungen. In Friedländers Darlegung überrascht die streng logische Gedankenfolge, in der wie in einer geschlossenen Kette kein Glied fehlt oder am Unrechten Platze sich befindet Sehr belehrend ist ferner ein Aufsatz von S. Sohechter, der in diesem Hefte allerdings noch nioht zum Abschluss gebracht ist, über die Dogmen des Judenthums. Schechter tritt zunächst der in früherer Zeit von Mendelssohn vertretenen, in neuerer Zeit besonders von Ränan ausgesprochenen Auffassung entgegen, als hätte das Judenthum keinerlei Dogma, was gelegentlich auoh so ausgedrückt wird, als sei das Judenthum keine Religion des Glaubens, sondern nur eine Religion der T h a t. Wie bedenklioh und gefährlich fiir das Judenthum der Gegenwart und Zukunft, ferner wie grandfalsch diese Behauptung ist, zeigt Sohechter aus den heiligen Schriften wie aus der rabbinisch-talmudisohen Litteratur. Das Wort ״Dogma“ ist wohl nicht richtig gewählt, weil es zu sehr die Vorstellung der dooh anz andere kirchliche Bedeutung und Geltung habenen christlichen Dogmen wachruft, aber Glaubensgrundsätze hatte das Judenthum ohne Zweifel zu jeder Zeit; nur wurde von vornherein das Schwergewicht auf Bethätigung und Ausbildung des Ritual- und Ceremonialgesetzes gelegt und auf die Vertiefung der Glaubenssätze nicht das Hauptaugenmerk gelenkt. Man begann auoh frühzeitig die Glaubenssätze zu formuliren und Schechter giebt eine Geschiohte dieser Formulirungen. Reich an belehrenden Einzelheiten und sehr interessant ist der Aufsatz. M. Friedmanns über das Neujahrsfest und seine Liturgie. Ausgehend von der feinen Bemerkung, dass von den zwei Ausdrücken für Jahr, die im Pentateuch begegnen: Jamim und Schanab, jenes sich auf das Mond-, dieses sich auf das Sonnenjahr beziehe, zeigt der Verfasser unter welchem Einflüsse der Neujahrstag vom 1. Tag des l. Monats auf jenen des 7. Monates allgemach verlegt wurde und wie besonders mit Rüoksioht auf gewisse geschichtlichen Ereignisse, die in den 7. Monat fielen — Einweihung des Salomonischen Tempels, 1. Fest Versammlung der Exulanten unter Esra, — der Neumondstag des 7. Monat, der sohon in der Schrift als Vorläufer des Versöhnungstages durch Posaunenschall ausgezeichnet war, als Beginn des neuen Jahres mit besonderem Glanz gefeiert and wie sich dann immer mehr die gesammten religiösen und theologischen Empfindungen, Erinnerungen und Hoffnungen mit diesem Tag verbanden. — In knapper, aber doch klarer Weise erörtert nooh d t bekannte Bibelkritiker

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.