Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 29. (18.7.1889)
- Date
- 1889-07-18
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 116 — Jade in seinem Hanse oder sonstigen Besitzthume «ine Spielgeeellsoh&ft versammeln darf, weder aas Jaden noch aas Christen bestehend. Aaoh darf kein Jade Karten, Würfel oder irgend ein anderes Glücks• iel spielen, weder er selbst noch ein anderer für n oder er für einen andern. (Als Maaarin aaf seinem Sterbebette lag and zu schwach war, die Karten selbst halten za können, beauftragte er einen andern, sie für ihn za halten; er starb spielend.) Kein Jade darf weder in seinem Hause noch irgendwo anders spielen; ausgenommen ist das Sohachspiel. Wenn Jemand krank oder sonstwie leidend ist, darf er zur Erholung Karten spielen, aber nur um ganz geringen Einsatz. Jeder, welcher diese Satzung Übertritt, ist ein Sünder und bezahlt als Strafe einen Dakaten; bezahlt er diesen nicht, so soll er auf folgende Weise bestraft werden: Er darf weder zum Minjan mitgezählt, noch zur Thora aatgerufen werden; aaoh darf er nicht גרירה nehmen (die Thora zusammenrollen), bis er seine Sünde bereut hat. Erfährt Jemand, dass ein anderer Jude sioh gegen diese Satzung vergangen hat, so muss er diesen anzeigen; unterlässt er dieses und verschweigt das Vergehen, so verfällt er derselben Strafe." Als letztes Mittel, wenn kein anderes fruchten wollte, thaten die Rabbiner den Spieler in den Bann. Die auffallendste Erscheinung bei diesen jüdischen Gemeindesatzungen in Betreff des Kartenspielens ist die, dass Frauen in denselben nachsichtiger behandelt wurden als Männer, und dass denselben überhaupt grössere Freiheit beim Spiel eingeräumt wurde. Einer ähnlichen Erscheinung begegnen wir in mittelallerliehen, englischen Gesetzen, welche ebenfalls das Kartenspielen unter Strafe stellten, jedoch die Fraaen von derselben ausschlossen. Aaoh im Talmud finden wir Naohriohten über Frauenspiele und ist es mö^- lieh, dass die Frauen sohon Schach spielten, ehe die Männer sioh mit demselben beschäftigten. Dennooh wurde eines der schärfsten und heftigsten Pamphlete gegen das Kartenspiel der Frauen höchst wahrschein• lieh von einer jüdischen Frau geschrieben. (Das betreffende Schriftstück hatte Herr Soheohter dem Bedner zur Verfügung gestellt.) L. Cohen. Thomas Carlyle und die Juden. Es ist e'ne merkwürdige und zugleioh auoh traurige Erscheinung auf dem Gebiete der allgemeinen Litteratur, dass sowohl im klassischen Alterthum, als auch in neuerer und neuester Zeit Jaden und Judenthum mehr als irgend eine andere Religion oder Beligionsgesellschaft einer gehässigen Kritik unterworfen waren und es noch immer sind. Griechenland und Born hatten ihre sogenannten litterarischen Antisemiten, ebenso Deutschland, Frankreich und Spanien, die mehr oder weniger die jüdische Beligion und deren Bekenner zur Zielscheibe ihres Spottes machten. Aber auoh das fromme England, welches das unsterbliche Geisteswerk der jüdischen Nation stets eifrig stadirt und hoch in Ehren gehalten, hat zu verschiedenen Zeiten bedeutende Dichter und Litteraten erzeugt, die dem benannten Beispiele ohne die geringste Skrupel folgten. Marlow, Shakespeare, Goldsmith, Sheridan, Trollope, (die beiden letzteren waren, ebenso wie Cyron, 80hüler des Harrow-College), und in neuester Zeit Thomas Carlyle — sie alle haben den Juden als Carrikatur hingestellt, die ein mitleidiges Lächeln ”hervorruft. Thomas Carlyle, der erst vor wenigen Jahren in London starb und als einer der grössten Denker und Essayisten des jetzigen Jahrhunderts angesehen wurde, war ein Freigeist 4 la Voltaire and schwärmte wie dieser für Freiheit and Gleichheit. Und dooh, sobald er von Jaden and Judentham za sprechen kam, da nahm seine Sohwärmerei sofort eine ganz andere Biohtung. Seine Devise war dann nicht mehr ״ Freiheit und Gleichheit", sondern Unterdrückung and Absonderang. Vor einiger Zeit ersohien zum ersten Male in London eine aasiührliohe Biographie Carlvle’s, und einige Stellen darin, die auf Jaden und Jadentham Besag haben, und die vom Verfasser als von Carlyle herrührend bezeichnet werden, beweisen sofort, dass aaoh letsterer ein literarischer Antisemit war. Besonders charakteristisch sind folgende kurze Bemerkangen Carlyle’s, die in der fraglichen Biographie za lesen sind. ״Die Jaden", bemerkte Carlyle in seinem Tagebuche, ״haben keinen Hamor (?), selbst nicht aer Lumpenhand (Blaokguard) Heine, and in Folge dessen sind sie mit 80 vielen hässlichen Eigenschaften belastet." Einst stand er mit dem Verfasser der Biographie vor dem Bothschild’sohen Palais in Hyde Park, London, und nachdem er dieses eine Weile betrachtet hatte, sagte er za ihm: ״Wenn Sie wissen wollen, was ich darüber denke, ob es nämlioh der Vorsehung lieber wäre, dass ״dieses Volk" Paläste baue, oder dass es mit Qaälzangen behandelt ״ werde so stimme ich entschieden für die QaälzangeD. Solche Qaälinstramente würden überdiess leioht bewirken, dass der Staat zu einigen Millionen ohne grosse Mühe komme * — Interessant ist auoh folgende That- 8aohe. Als die Bill in Betreff der Zulassung von Juden ins englische Parlament eingebraoht wurde, da fand sie 80 viel Opposition in einflassreiohen Kreisen, dass die Bepräsentanten der Londoner jüdisohen Gemeinde Alles aufzubieten versuchten, am günstige Fürsprecher für sie zu gewinnen. Da nan Carlyle za jener Zeit bereits sohon als litterarisohe Grösse von äusserst liberaler Gesinnung bekannt war, so wurde er von Baron Bothsohild ersucht, er möchte ein Pamphlet zu Gunsten der benannten Bill schreiben, wofür er nach eigenem Gutdünken belohnt werden würde. Die Antwort Oarlyl’s war aber absohlägig, wobei letzterer zugleioh aaoh dem Baron zu verstehen gab, dass es ihn sehr befremde za sehen, wie Leute so begierig sind, Ritze in einem christlichen Pariamente za erlangen, die doch der Ankanft ״Sohiloh’s" (Messias) entgegensehen. Bothsohild blieb ihm aber die Erklärung nicht sohaldig, sondern gab ihm za verstehen, dass, da die Ankunft ״Sohiloh’s* eine zweifeihafte Afiaire sei (a doubtfel busiaess), 80 wollen inzwisohen geeignete Israeliten dem Staate sich nützlioh maohen. — Aber trotz dieses litterarisohen Antisemitismus von Seiten eines bedeutenden modernen englisohen Litteraten ist die fragliche Bill zum Gesetz geworden, ja noch mehr, ein Mitglied der so verhassten jüdischen Baoe ist sogar augenblioklioh auoh Mitglied des englisohen Miuisteriams. Demnach scheint es, dass die Vorsehung dooh ganz andere Pläne mit ״diesem Volke" habe, als Carlyle ihr zugesohrieben. Die Qaälzangen, die einstigen Bepräsentanten der! christlichen Liebe, womit die Jaden gezwungen wurden, ihr Hab und Gut hinzugeben, rosten jetzt in dunkeln Rumpelkammern. Ob es den litterarischen und sonstigen Antisemiten je gelingen wird, die öffentliche Meinung dafür zu stimmen, dass jene zur frisohen Thätigkeit wieder hervorgeholt werden, ist jedooh sehr zweifelhaft. Harrow, Juli 1889. Ohotzner. Recensionen. Heppner, Pr. A. Die Scholien des Bar-Hebraeas za Buth und den apokryphischen Zusätzen zum Bache