Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 28. (11.7.1889)
- Date
- 1889-07-11
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
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— 111 — verbundene Schaohdub unter Leitung berühmter Spieler, wie Louis Cohen, in hohem Ansehen; sein Rnhm’ist zwar gesunken, wird aber hoffentlioh bald wiederkehren. Wir dürfen daher annehmen, dass die Juden die Karten, welohe in dem Sohaohspiel ihren Ursprung haben, nach Europa gebracht haben. Ihre erste europäische Heimath war Italien; von hieraus verbreiteten sie sich über Deutschland und andere Länder. Nun bitte ich nooh, Folgendes beachten zu wollen. In Italien nannten die Juden die Karten קלפים, welches ein hebräisches Wort ist. (Von *קלו Perga• ment, worauf die Figuren gemalt waren. D. Uebers.) In Deutschland, wo die Juden das Spiel von den Christen kennen lernten, gebrauchen sie den deutschen Namen ״Karten“. Dies lässt vermuthen, dass die Juden in Italien das Spiel nioht von den Christen übernommen haben; sie würden es in diesem Falle sonst keineswegs mit einem hebräischen Namen benannt haben. Wir sehen dasselbe bei dem Worte ״dioe“ (Würfel), welches auoh im Talmud den griechisehen Namen beibehielt, weil Würfel von den Griechen kamen. Auch noch ein anderer Umstand spricht zu Gunsten meiner Theorie. Bald nach der Einführung der Karten in Europa begegnen wir Juden, welche sich mit der Fabrikation derselben beschäftigten. Wir haben auch ganz deutliche Beweise von dem Vorhandensein jüdischer Kartenmaler in verschiedenen Gegenden Europa’s. Im Jahre 1520 z. B. überreichte Joseph Jud dem Gouverneur irgend einer Stadt in der Nähe des Rheins eine Petition zu Gunsten seines Sohwiegersohnes Meyer Chaim, des Schulklopfers. Der Schulklopfer hatte das Amt, jeden Morgen die Gemeindemitglieder zu wecken, damit sie sich zur Synagoge begaben. (Das musste er auoh zu anderen Tageszeiten thun. D. Uebers.) Meyer Chaim betrieb das Kartenmalen geschäftlich und klagte, dass sein Geschäft durch andere Juden, welche fremde Karten importirten, geschädigt würde. Hiergegen bat er um Schutz; ich kann jedoch nicht sagen, mit welchem Erfolge. Dieser Vorfall, welchen auoh Reuohlin erwähnt, soheint meine Theorie, dass die Juden mit dem Kartenspiel seit dem frühesten Erscheinen desselben in Europa schon bekannt waren, wesentlich zu unterstützen. Ich bemerke jedoch, dass ich meine Ansicht nicht für unanfechtbar halte. Der hauptsächlichste Einwand, den ich vielleicht selbst dagegen erheben könnte, ist das einmüthige Vorgehen, mit welchem die Juden vom Anfang an das Kartenspiel verpönten. _ (Schluss folgt.) Das Targum zu dem Buche Ruth. Verhältnis» des edirten Textes desselben zu dem eines handschriftlichen Codex auf der Breslauer Stadtbibliothek, stammend aus dem 13. Jahrhundert, Codex No. 11. Von Dr. Jacob Reiss, Rabbiner in Kuttenplan (Böhmen). (Schluas.) Cap. III, 15 heisst es im Targum: l"D ואייתי לה מן קדם די' י Gleichlautend ist diese Stelle auch angeführt im Commentare שרש ישי zu dem Buohe Ruth fol. 61b. Uebersetzt ins Deutsche ist diese Stelle v. M. S. Rens im jüd. Litteraturblatt der Rahmer’schen Wochensohrift, Jahrgang 11 (1882), No. 22 wie folgt: ״und es überkam sie eine göttliche Kraft, um sie tragen zu können.“ Diese Uebersetzung ist nioht richtig; denn ולאייחי לה müsste man übersetzen: ״er 1 oder man brachte ihr“, ״er oder man liess ihr kommen“, er oder man führte ihr herbei. “ S. Levy’s chald. Lex. v.אתא. Aber auch dann gäbe diese Targumstelle keinen befriedigenden Sinn.!Sie ist nämlich corrumpirt und muss wie in der Handschrift richtiger lauten: ״ ואתיודב לה כח וגכורתא מן קדם ה׳ לפוברא יתהוןEs wurde ihr von Gott verliehen Kraft und Stärke, sie zu tragen.“ Cap. III, 18. Im Targum heisst es richtig: *19 ...ומן תדלק איכדין יתנזר מן שמיא, dagegen unrichtig in der Handschrift...לד תדלק אבית דין ית גזר דק מן שמיא. Cap. IV, 4. Im Targum heisst es: ודהוא קריב למיתב כוותך. Tn der Handschrift fehlt in diesem Verse dieses Stück. Das למיתב ist unverständlich; es zu lesen für ולמיםב geht auch nioht. Die riohtige Lesart hat der Commentar "Wt גאולת (Rothenburg, Eljakim Gottsohaik: ספר גאולת הנר ביאור לתרגום). — Daselbst ist für למיתב בוותך angeführt למיובן כוותך. Auch sonst ist verschieden die Uebersetzung dieses Verses in der Handschi ift von der der T&rgumausgabe. Der ganze Vers in der Handschrift lautet: ואנא אמרית אהא מתרא בך ואגליית אודנך למימר זבק כל קבל יתבי בית דינא דסנהדרק ולקבל סבי למי אם רלוותך למפרוק ואם לית רלוותך למפרוק חר לי ואנדל ארום לית בר מינך למפרוק אהא פרור,א בתרך. Der Schlusstheil des Verses ist in der Handschrift gar nicht übersetzt. Cap. IV, 5. Auoh die Uebersetzung dieses Verses in der Handschrift stimmt nicht mit der in unserm Targum. In der Handschrift heisst es: ואמר בולו ביום זבינתך ית חלקא מירא דנלמי ומן ידא דרות מואביתא איתת מוחא תהא רני ליבמא יחד, בגק דיקום שום מוחא לל אחסנתיה. Cap. IV, 11. Im Targum heisst es: יתןוליתאיתתא הדא דאתיא לביתך כרחל. dagegen in der Handsohrift תן... הדא בריא במולא\ (Statt דאתיא לביתך in unserem Targum steht in der Handschrift בריא כמזלא zu dem Texte הבאה אל ביתך. Welcher Sinn ist damit verbunden?) — Cap. IV, 14. Im Targum heisst es: רתקרי שמיה מן צדיקי ישראל. Richtiger hat die Handsohrift: ויתקרי שמיה בין צייקי ישראל. Also בין statt מן. Cap. IV, 15. Im Targum heisst es: דבטילו בנוי פרוזבין, dagegen in der Handsohrift .דבטילו פרזדאוק Hier fehlt das Wort בנוי; aber פחדאוק in der Handschrift ist richtiger als פרחבין in unserem Targum. (S. Levy’s chald. Lex unter פחדוק). Vollständig richtig angeführt ist aber diese Stelle im Commentare שרש שי zum Buche Ruth fol. 90 a. דבטילו בנוי פחדאוק. Ausserdem sind nooh folgende unwesentliche Abweichungen zu erwähnen. Cap. I, 1 fehlt in der Handschrift תקיף vor בארלא לישראל; im Targum wieder fehlt זמן vor דייתי מלכא und ארום vor אלהין למשמל• — Cap. I, 6 fehlt in der Handschrift להון vor לחמא; am Rande jedooh ist von dem Abschreiber oder von einem Andern das fehlende להק bemerkt. — Cap. I, 11 fehlt in der Handsohrift ברתי hinter תובנא, jedoch wieder von dem Abschreiber, oder einem Späteren nachträglich hinzugefügt. — Cap. I, 14 heisst es in unserem Targum ,ונשיקת לרפד לחמותה ורות אתדבקת בה, dagegen in der Handschrift ונשקת לרפה לחמותה ואזלת לאורחא ורות אידבקת בה - Cap. 1, 17. Statt ביני ובינך im Targum heisst es in der Handschrift בין מימרי ובינך. — Cap. I, 22 heisst es im Targum ואינון אתו בית לחם und in der Hand- 1 schrift ואינון ללן לבית לחם• — Cap. 11, 9 hat das Targum דלא יקרבון ביך und die Handschrift דלא יררבון ביך לביש - Cap. II, 22 heisst es im Targum רות כלתה ... ■לרלק ביך; in der Handschrift רות... ילרלון יתיך. — Cap iii, 4 heisst im Targum משכביה דם כיה והדלק; in der Handschrift fehlt משכביה. — Cap. III, 8 hat der Targum דנלץ סייפא und der Handschrift דדלץ פייפא• — Cap. 111, 10 hat das Targum דנטרה יבם קליל und die Handschrift תטרא ליבם, — Cap. IV, 6 hat die Handsohrift לא לית אנא יכיל למפרוק, im Targum fehlt das לא vor לית. — Cap. IV, 7. Im Targum heisst es: חד מן חבריה ומהיימק כל מדלם וטלל und in der Handsohrift: מן הבריה וטלל TI. — Cap. IV,