Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 26. (27.6.1889)
- Date
- 1889-06-27
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
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102 tionen, die Licht verbreiten auoh über die Abfassung«- zeit. In VIII wird gefordert, dass auch die Gemeiüdeältesten sich am Sabbath mit dem Worte Gottes beschäftigen sollen. Der 3. Theil C. ist viel kürzer als die beiden anderen Theile. Er bandelt darüber, wie man den Knaben und Lehrern ihre Aufgabe bestimmen 8011. Der Unterricht soll im 5. Lebensjahre beginnen und zwar im Nissan. Ein Monat soll auf das Erlernen der Buchstaben, 1 auf das der Vokalisation und ebensolange Zeit auf das Syllabiieen verwendet werden. Dann soll man mit dem 3. Buch Moses beginnen. (״Der Beine soll sich mit dem Beinen beschäftigen.“) Nebenher sollen auch die Wochenabschnitte gelesen werden. (Im Texte muss es offenbar statt *TI&T heissen יקרא.) Später soll die Uebersetzung hinzukommen; im 2. Unterrichtsjahre auch das Targum, im 8. u. 9. Lebensjahre: Propheten und Hagiographen, im 10. bis 13. Mischna und im Talmud: Beraohoth uud die_ kleinen Traktate von Moed. Mit dem 13. Jahre (im Texte muss es statt י״ו wohl י״ג heissen) beginnt die Uebung der religiösen Vorschriften; dann tritt für die dem Studium Geweihten die Pflicht der Absonderung ein; sie treten dann in das Haus der פרושים ein, um dort innerhalb 7 Jahren die grossen Traktate! zu lernen. Auch für das Studium des Talmuds ist ein besonderer Lehrplan gegeben. Die schon erwähnte Ansicht nun über die Zeit der Abfassung des Werkes ist unhaltbar; Isaac von Corbeil kann nicht der Verfasser sein. Der Schreiber des Manuscripts sagt zwar: ״ich habe dieses Buch der Gebote und anderes in seinem Namen geschrieben und das Buch der Satzungen des Unterriohts und das Buch חיים p.“ Letzteres ist aber notorisch nicht von Isac von Corbeil; ebensowenig auch unsere Schrift. Vor allem spricht noch folgendes dagegen. Die Zeit, in der Isac von Corbeil lebte, war eine Zeit, in der man sich mit dem Talmudstudium sehr wenig besohäftigen konnte. Es war die Zeit nach der Verbrennung des Talmuds, und gerade der Verfall des Studiums musste dazu zwingen, einen populären Auszug zu schaffen, der den Unterricht nothdürftig ersetzen sollte. Eine solche Zeit, kann aber nicht solche ausführliche Bestimmungen treffen, die diesen Unterrieht pflegen sollen. Es spricht ferner dagegen, dass in den beiden ספר המצות besonders der Unterricht in Baschi betont wird, ja dem Targum vorgezogen wird, während hier ^war die Tossaphot bekannt sind, nicht aber Baschi. Einen weiteren Beweis gegen diese Annahme ergiebt B. V; nach dieser Stelle dort muss diese Verordnung schon dem B. Tarn voi gelegen; haben. Denn die dortige Erklärung findet sich fast j wörtlich in Tossaphoth zu Menachoth 53 b im Namen! des B. Tarn zitiert. Wahrscheinlich hat B. Tarn diese j Erklärung dieser Schrift zugefügt. Auch geschieht- I liehe Gründe sprechen gegen die Annahme Güde- | manns. Die Zeit Ludwig IX, in der Frankreich sich I politisch konzentriert hatte, kann nicht die Abfässungszeit der Schrift sein. Es heisst in ihr: ״In ' allen Gemeinden ringsum soll man ein Midrasch er-! richten.u Solange noch die Feudalherrschaft in Blüthe, ׳ eine Konzentration der Monarchie noch nicht einge- { treten war, ist das denkbar; denn da bedeutet מלכות nicht das ganze Land, sondern eine Grafschaft. Wir wissen, dass die Zeit der Tekanoth mit B. Gersom beginnt. B. Tarn hat aber 3 Synoden — wahrscheinlieh sogar 4 — geleitet und in diesen Synoden, deren Bestimmungen uns systematisch geordnet gegeben sind (am Ende der Besponsen von B. Meir aus Bothenburg und kol-bo § 117) hat, man sioh sicherlieh, wie mit den anderen Angelegenheiten der Gexneinde, so auch mit dem Unterrichte beschäftigt. Auf mehreren dieser Synoden sind jedenfalls solch Bestimmungen, wie die vorliegenden, verfasst worde n Dadurch erklärt es sich auch, dass die Bedeutung der Uebersetzung in die Landessprache hier 80 hervorgehoben wird, während später schon die Tossaphot keinen solchen Werth mehr darauf legte. Diese ״Satzungen des Unterriohts“ sind also offenbar älter. Später hat eine Versohlimmbesserung stattgefunden. Das zeigt A. 7, wo eigentlich stand, der he br&isohe Bibeltext solle in die Landessprache übersetzt werden, während später für den Bibeltext das Targum eingeschoben wurde, jedenfalls zu einer Zeit, wo infolge der Verfolgungen weniger Liebe zum Lande herrschen mochte und man nur um so fester am Alten hielt. Aus alledem ergiebt sioh, dass die Bestimmungen in den Synoden abgefasst wurden. In Spanien sind sie nicht abgefasst, dort hätte sich ein mehr kulturfreundliches Element eingemischt. Denn der ganze Lehrstoff hier ist aufgebaut auf dem Grundsätze, für die Beligion zu erziehen. Bildung für die Welt zu gewinnen, das wird nicht berüoksiohtigt. Dieses Planmässige aber charaoterisirt die ältere Zeit, in der Baschi und Baschbam lebten, in der man sioh fern hielt von aller Weitschweifigkeit und mit Wahrheitsliebe in den Gegenstand einzudringen suchte. Der Bedner schloss mit den Worten: ״Curtius sagt in seiner Bede über die Freundschaft: ״Die Gastfreunde im Alterthum reichten sich beim Abschiede Gegenstände zur Erinnerung, besonders halbierte man Gegenstände and gab dem Gaste die eine Hälfte. Dasselbe sagt auoh der Talmud. Wenn Freunde mit einander verkehren und sie auseinandergehen, sollen sie מתוך לכר הלכה auseinandergehen. Dadurch werden sie aneinander denken. Manche erklären, man solle eiu Problem besprechen, das zum Nachdenken anregt und so geistig verbindet. Möge das, worauf ich Sie hingewiesen, ein solohes Problem sein, das Sie zum Nachdenken veranlasst. Dann ist der Zweck meines Vortrages kein vergeblicher gewesen Ueber die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Von Dr. S. Gelbbaus, Rabbiner zu Nordhausen. (Schluss. *) 1)7. bl, 31—36. Diu minne ist weder man noch wip, si Mt noch 8ele noch den 11p, sie gelichet sich dekeinem bilde, ir nam ist kunt, si selbe ist aber wilde, unde enkan doch nieman ane sie der gotes hulden niht gewinnen. Die Minne in diesem Liede ist nicht die gewohnliche sinnliche, sondern die geistige. Wilmanns bemerkt hierzu (Ausgabe S. 309): ״Walther hat in diesem und dem folgenden Spruch die himmlische Minne im Auge“. Man vergleiche hierzu Hiob 28, 2U.23: ״Woher kommt die Weisheit, und wo ist der Ort der Vernunft? Sie ist verborgen vor den Augen aller Lebenden, und verhohlen vor den Vögeln unter dem Himmel. Die Unterwelt und der Tod spreohen: Mit unseren Ohren haben wir ihren Buf vernommen. Gott kennt ihren Weg und weiss ihren Ort.“ Anstatt der Weisheit setzt der Dichter die geistige Liebe. 1)8. 82, 24—26. Owö daz wisheit unde jugent, des mannes schoeue noch sin tugent, niht erben 801, 86 ie der 11p erstirbet. Im Talmud wird die Frage über die direote Vererbung von Weisheit und Tugend ebenfalls berührt: מפני מה אין מצויין ת״ח לצאת תלמידי חכמים מביניהן. אמר *) In vor. Nr. ist zu berichtigen: Nr. 78, Zeile 2, wandel st. mandel; Nr. 81), Z. 10, wurden 8t. werden; Nr. 95, Z. 1, Geligeniü st. Gelingein.