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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-06-20 · N° 25. (20.6.1889) · p. Seite 98

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 25. (20.6.1889)
Date
1889-06-20
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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— 98 — leget. Möohte die Vorsehung jede Freadenthräne die unsere Mitbrüder beim Eintritt in höohst dero Landen, ans dem dankbaren Herzen fliessen lassen, tun Segen für den Hohen Wohlthäter za erflehen; möohte die Vorsehung alle diese und alle unsere heissen Wünsche erhören, dann wird gewiss die Fülle des Glückes dem Durchlauchtigsten Hause zuströmeD, dessen grosser Fürst eine die Menschheit entehrende Abgabe grossmütigst vernichtete. Uns und unsere Mitbrüder empfehlen wir Eurer Hochfürstlichen Durch* lauoht zu Höchst dero Huld und Gnade und ersterben in tiefster Demut Eurer Hochfürstl. Durchlaucht unterthänigste Jsaao Michael Speyer Jacob Dodrus Haas Süskind Hirschhorn Gumpertz Isaaccheis(?) (Dieser Brief des Frankfurter Vorstandes zeigt uns, wie eine grosse Gemeinde früher nicht blos an sich dachte, sondern sich für befugt und verpflichtet erachtete, für und im Namen der Gesammtheit zu reden, wenn sie derselben nützen, resp. die im Lichte der Dankbarkeit zeigen zu können glaubte. Bed.) Ueber die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Von Dr. S. Gelbhaus Kabbiner zu Nordbausen. (Fortsetzung.) 75. 55, 5. Nun hän ich triunt, nun hin ich rät. ״Denn er entfernte von mir den Tröster, welcher beruhigte meine Seele.“ (Klagelieder 1. 16) ״Ich rief meine Freunde an, aber sie haben mioh im Stiohe gelassen.“ (das. 19.) ״Du entfernst von mir den Freund und Anhänger.“ (Psalm 88,19.) ״Meine Brüder entfernte er von mir und meine Freunde sind mir fremd geworden.“ (Hiob 19 13.) 76. 56, 6—8. Wer gap dir, Minne, den gewalt, daz du doch so gewaltic bist? dü twingest beide junc unt alt: dä tür kan nieman keinen list. Die Allgewalt der Minne, die der Dichter besingt, erinnert an die gepriesene Stärke der Liebe im Hohenlied 8, 6. 7. ״Denn so stark wie der Tod ist die Liebe.“ ״Grosse Gewässer können die Liebe nioht löschen, und Ströme können sie nicht überschwemmen.“ 77. 56, 32—35 Uebel müezo mir geschehen, künde ich ie min nerze bringen dar daz im wol gevallen wolde fremder site. In diesen Strophen verwahrt sioh der Dichter dagegen, dass ihm je fremde Art, Sitte und Anschauungen gefallen hätten. Wenn auch nicht der Inhalt, so gemahnen doch die Form und die Fassung des Gedankens an Hiob 31, 6. 7: ״Ist je mein Schritt gewichen vom Wege, und mein Herz meinen Augen gefolgt, und klebte je Unrechtes an meinen Händen. So müsse ich 6aen und ein Anderer verzehren, und mein Geschlecht müsse entwurzelt werden.“ In der Bibel, sowie in diesem Liede spricht die redende Person Verwünschungen über sich selber aus, wenn sie schuldig wäre. — 78. 58, 20. 21. Nü sagent si mir ein ander maere, daz nibt lebendig» äne mandel ai ״Wandel“ bedeutet hier soviel wie Fehler (Siehe Pfeifer Ausgabe S. 83.) Dieser Satz ist demnach eine Uebersetzung von 1. Könige 8.46: ״Denn es giebt keinen Menschen der nioht sündigt.“ 7‘J. 61, 30. 31. Daz in diu ougen üz gelüereu und sich doch ui 11.st stiezen in dem tage. Diese Verwünschung ist eine Uebersetzung von Deuteronomium 28,29. ״Und du wirst tappen am Mittag, wie ein Blinder tappt im Dunkeln.“ 80. 67,17 —19. Din jamertac wil schiere körnen, und nimet dir swazt uns häst benomen, und brennet dich dar umbe iedoch. Walther ruft der Welt za, dass auoh sie zu Grunde gehen wird. Die Strophen erinnern an den talmadisohen Ausspruch: ״ כונה עולמות ומחריבןEr erbauet Welten and verwüstet sie.“ 81. 70, 8—11. In gesach nie tage slichen sö die mine tuont. ich warte in allez näch: wesse ich war si wolten strichen! mich nimt iemer wunder wes in si sö gäch. Ueber die rasche Flucht der Zeit klagt Hiob (7,6. 9,25.): ״Meine Tage sind schneller als das Webersohifflein.“ ״Meine Tage sind schneller als ein Läafer, sie sind entflohen, sie haben nicht Gutes gesehen. Sie sind entflohen mit den Schiffen ans Ebah, wie ein Adler zur Speise flattert.“ 82. 72, 16. 16. Mir ist an ime, des muoz ich jehen, ein sohoenez wibes heil geschehen. Vergl. Psalm 16,6: ״Das Loos ist mir aufs Lieblohn gefallen, auch ist mein Erbtheil sohön.“ 83. 74, 5—7. Den eit sol si wol vernemen: si mir iemau lieber, maget oder wip, din helle müeze mir gezemen. Dieser Schwur ist ein Reflex von Hiob 31,1: ״loh habe einen Bund geschlossen mit meinen Augen, dass ioh nioht achte aaf eine Jangfraa.“ — 84. 75, 17—24. Mich dfthte dnz mir nie lieber wurde, danne mir ze muote was. die bluomen vielen ie von dem boume bi uns nider an daz gras. seht, dö musst ich von fröiden lachen. do ich so wünnerliche was in troume riche, do taget ez und muos ich wachen. In diesen Versen schildert eine der liebenden Personen ein Traumgesicht, das ihr des Naohts erschien: Eine idylisch-schöne Landschaft, die Bäume blüheD, den Boden bedeckt ein grüner Basen. Die Liebenden sitzen beisammen, von den Aesten fallen die duftenden Blüthen ins Gras hinab. Eine süsse, wonnesame Freude ergiesst sich in das träamende Herz. Da wird es Tag und mit dem Erwachen verschwindet das Traumbild. Man vergleiche mit dieser Schilderung das folgende Bild im Hohenlied (5, 1—3): ״Ich kam, meine Schwester, meine Braut, in meinen Garten, ich habe meine Myrrhen sammt meinen Würzen abgebrochen eto. loh schlafe, aber mein Herz ist wach. Die Stimme meines Freundes, er klopft: Oeffne mir meine Schwester, meine Freundin, meine fromme Taube, denn mein Haupt ist voll Thaus, meine Locken voll Tropfen der Nacht.“ Im Hohenlied, wie im Gedichte werden eine sohöne Landsohatt, Traum, Liebeswonne gesohildert, nur sitzen im ersteren die Liebenden beisammen, während im letzteren der Liebende entflieht. 85. 76, 15. 16. Ich bin verlegen als Esaü min sieht har ist mir worden ru. Wie Lachmann S. 195 bemerkt, findet sioh die Lesart ״Esaü“ bloss in der Handschrift 0. Pfeifer und Willmanns haben sie in ihre Ausgabe aufgenommen. Die hier angedeutete Trägheit Esau’s bezieht sich auf Genesis 25, 29. 30: ״Und Jaoob koohte ein Gericht, da kam Esau vom Felde und war müde. Da sprach Esau zu Jacob: Lass mich das rothe Gericht kosten, denn ich bin müde.“ Der zweite Theil des Satzes bezieht sich auf Vers 25 (das.): ״Und der Erste, der heraus kam, war roth, ganz wie ein haariger Mantel.“ 86. 77, 1, Diz kurze leben verswindet. Psalm 90,9: ״Wir verbringen unsere Jahre wie einen Bauch.“ 87. 77, 32, 33. Sündic lip vergezzen, dir sint iliu jär gemezzen. Psalm 39,5: ״Mit Spanneu hast du mir meine Tage zugemessen.“

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