Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 25. (20.6.1889)
- Date
- 1889-06-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschritt־‘, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteiatur-BIatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. *ür die gespaltene Pet.itzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einseuden, erhalten 25 $ Rabatt. lnhult: Wis sensch aft liehe Aufsätze: Zur Geschichte der Juden in Braunschweig. — Leber die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Von Dr. S. Geibhaua, Rabbiner zu Nordhausen (Fortsetung.) — Litteraturbericht: Recensionen: Reich W., Rabbiner in Baden. Kulturfragen vom biblisch-talmudischen socialen und geschichtlichen Standpunkt. Litterarische Notizen: London. Baja. Inserate. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet Zur Geschichte der Juden in Braunschweig.ד 1. Schreiben des Churfürsteii von Hannover, Georg Ladewig, an den Herzog Anton Ulrich von Braun• schweig am 84. Februar 1710. ״Wir vernehmen von unserer Frau Mutter Gnade, dass Ew. Liebden durch Ihrer Guade Vorwort sich haben bewegen lassen, einem dortigen Juden Namens Abraham David einen Schutz• und Geleitbrief zu ertheilen, jedoch unter der Condition, dass er bei seinem dort auch vergleiteten Bruder im Hause wohne und mit demselben eine Familie constituiere. Nun wohnet besagten Abraham Davids ältester Bruder Michael David als Schutzjude allhier und wird wegen seiner Capaoität, Unverdrossenheit und Treue in Sachen die mau ihm committiret, wovon er mehrmalige Proben gegeben und nie etwas Arges au sich verführen lassen, in Unseren Diensten vielfältig gebrauchet.**) Von demselben seyn Wir unterthänigst angelanget worden, bei Ew. Liebden eine Vorbitte dahin einznlegen, dass weil zwo Haushaltungen und Familien, zumal von einerlei Profession im Hause, wann es gleich Brüder seyn, sich nicht woll schicken und sich selten vertragen, sondern allerhand Unlust und Verdriesslichkeiten aus dergl. Zusammenwohnung zu entstehen pflegen, Ew. Liebden geruhen wolten, für mehrgemeldeten Juden Abr. David noch die Gnade zu haben, seinen erhaltenen Geleitsbrief dahin dekla- *) Die obigen nicht uninteressanten Beiträge zur Geschichte der Juden in Braunschweig 8iod als treue Copie der aut der Braunschweiger Bibliothek befindlichen Originale uns von befreundeter Hand für unser Blatt zur Verfügung gestellt worden, wofür wir hier unsern Dank abstatten. (Red.) Michael David und seine Brüder stammen aus Halberstadt, er hat sich in Hannover durch Stiftungen ein unvergängliches Denkmal gesetzt Das vorzügliche Leumundsattest, das der Kurfürst von Hannover seinem jüd. Agenten ausstellt, ist für M. David sehr ehrenvoll. riren zu lassen, dass• er nicht verbunden sein solle, mit seinem dortigen Bruder in einem Hause sich aufzuhalten, sondern in einer absonderlichen Wohnung sich niederlasse, auch dass er nicht allein in denen Städten Brschwg. und Wolfenbüttel, sondern auch auf dem Laude geziemenden Handel treibe. Wir ersuchen demnaoh Ew. Liebden Dienst-, Freund- und Vetterlich, Sie wollen belieben, vielermeldeten Abr. David in obangeführten seinen Angelegonheiten nicht ohnerhört zu lassen. Hannover, den 24. Febr. 1710. Von Gottes Gnaden Georg Ludewig, Herzog zu Br. u. des Heyl. Rom. Reiches Ghurfürst. II. Antwort des Herzogs Anton Ulrich. Ew. Liebden an uns unter 24 pass, abgelassenes Freundschaftl. Schreiben ist uns wohl behändigt worden. Als wir nun jederzeit auf das, was von Ew Liebden von uns bisher verlangt worden, besonders egard genommen, 80 würden Wir Uns auch hierzu gar willig Anden lassen, wenn Wir nicht bei Reoipirung der Juden Alexander David zu Br. auf vielfähiges Sollicitiren Unserer dasigen Bürgerschaft Uns dabiu verbindlich gemacht, dass wir nicht mehr als eine jüd. Haushaltung zu Braunschweig künftig hin verstatten wollen. Gleichwie Wir aber dasjenige, 80 Wir Unseren Unterthanen versprochen, jederzeit gerne erfüllen, also Ersuchen Ew. Liebden Wir hiermit frenndvetterlioh, in Ungnade nicht zu vermerken, dass derselben wir diesmal günstige Antwort zu ertheilen nicht vermögend sein, gestalt dann auch der sogeu. Handel der Juden auf dem Lande dem hiesigen Landes-Gesetze expresse entgegen ist, welches aufzuheben Wir Uns niobt ermächtigen können. Br. 27. März 1710. A. Ulrich. III. Schreiben der jüd. Gemeinde in Frankfurt a. M. an den Herzog vom 4. Mai 1803.*) Euer Hochfürstliobe Durchlaucht geruhen der jüd. Gemeinde dahier gnädigst zu erlauben, dass sie sich einer ihrer süssesten Pflicht bei höchst demselben entledigen darf, wenn sie in tiefster Devotion für jene grosse Gnade, die Abschaffung des Leibzolls, womit Ew. Hochfürstliche Durchlaucht das Schicksal unserer bedauernswürdigen Mitbrüder erleichterten, — für diese huldvolle Guade, die das Gepräge der Seelengrösse eines der weisesten und heldenmütigsten Fürsten Deutschlands trägt, den wärmsten Dank zu Füssen *) Eingegangen am 12. Mai 1803.