Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 24. (13.6.1889)
- Date
- 1889-06-13
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
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— 94 — Akt bei ihren Kindern nicht ausfhhren lassen, weil er veraltet, unsinnig, gesundheitsschädlich sei. den Akt, den nicht nur hier der russische Arzt, sondern auch Erichsen in seinem Lehrbuch der Chirurgie als allgemein Eanitäre Massregel eingeführt sehen möchte. III. Allerdings — wir heben aus dem dritten Theil ״Ausfährung der Operation“ nur einiges Wenige hervor — giebt es Fälle, wo die Beschneidung entweder durchaus unterlassen — bei der Bluterkrankheit, wenn zwei Brüder an der Beschneidung gestorben sind, dispensirt der Talmud von der Ausführung; man I muss aber P. vollkommen zustimmen, wenn er sagt, dass es grausam sei, in einer Familie, wo die Bluter* ן krankheit erblich sei — und das ist sie immer — auch nur einen Versuch mit der Beschneidung zu machen — oder bei allerlei Schwäche- und Krank-! heitszuständen des Neugeborenen — anfgeschoben ן werden muss. — Die Technik der Operation selbst, I welche die Wissenschaft vorschreibt, entspricht dem I Ritus insofern, als auch sie in drei Theile zerfällt, | Circumcisio Milah, Discisio Priab, Blutstillung | Mezizah; aber weder ist es mit den Gesetzen der! Verhütung einer Wundinfection vereinbar, dass die Priah mit den Daumen, und nicht mit einer Scheere erfolgt, noch lässt es sich verantworten, dass die Blutstilluug durch Aussaugen der Wunde geschehe; nicht nur bestehen nach P. keine religiösen Gründe für die Beibehaltung, da der Talmud zwar erkläre ״Mol •v*lei Porah, keillu 10 mol“, aber die Unerlässlichkeit der Mezizah nicht betone, da ferner das französisch• hebräische Konsistorium und die Berliner reformirte (?) Gemeinde bereits dieselbe abgeschafft hätten, sondern vor allem muss die Gesundheitspflege die Beseitigung dieser Methode verlangen; die Uebertragung von 1 chronischen Infektionskrankheiten, besonders Lungen-! Schwindsucht durch die Mohlim auf die Beschnittenen bei dem Aussaugen der Wunde ist eine wissenschaftlich ganz und gar unbestreitbare Thatsache, für die leider genug Beispiele in der einschlägigen Litte• ratur berichtet sind. Ref. wurde selbst bei Gelegenheit einer Vorlesung über Infektionskrankheiten von dem Professor über die noch bestehende Verbreitung dieses Brauches, dessen Gefahr er gekennzeichnet hatte, interpellirt und konnte nicht gerade sehr tröstliehe Auskunft geben, muss daher aufs entschiedenste dem Verf. beistimmen, wenn derselbe für die allgemeine Abschaffung der Mezizah plaidirt. — Nur, wenn dies geschieht, oder wenigstens nur aut ihren Gesundheitszustand ärztlich uutersuchte Mohlim oder überhaupt aber Aerzte die Beschneidung ausführen, kann sie in allen Fällen die segensreichen Folgen haben, welche Pogorelski in so ausgedehntem Masse ihr zuschreibt. Dr. med. Berthold G oldberg. _ lieber die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Von Br. S. Gelbhaus, Kabbiner zu Nordhausern (Fortsetzung) 59. 39. 20—26. Ich kam gegangen zuo der ouwe: dd was min iriedel körnen e da wart ich enptangen daz ich bin saelic iemer me kuster mich? wol tusentstunt. Man vergleiche folgende Sätze: ״Mein Freund ist hinabgegangen in seinen Garten, za dem Balsambeet, in Gärten zu weiden und Rosen zu brechen. Ich gehöre meinem Freunde und mein Freund gehört mir, der unter Roseu weidet.“ (das. (i, 2. 3.) ״Er küsse mich mit den Küssen seines Mundes“, (das. 1.2.) In seinem Vorlaufe nimmt jedoch das Gedicht eine ן Wendung, die von dem reinen Tone des hohen Liedes! abweicht. : 60 40, 34. Ir ist sanfte, und ich ab ungesunt. | Die Pfeile, die Fran Minne abschiesst, mögen wohl J an den Pfeil des Amor erinnern, der letzte Ausdraok ' jedoch gemahnt an das Hohelied 2.5: ״Denn ich uin krank vor Liebe.“ — 61. 41,33.34 Herzliebes, zwaz ich des noch ie gesacb, da was herzeleide bi. Vergl. Sprüche Salomons: ״Auch bei der Heiterkeit ist das Herz vou Gram erfüllt.“ — 62. 42,11—14. Rieman kan hie fröide rinden, si zerge sam der liehten bluomen schin: da von 801 daz herze min nibt senen nach valschen fröiden me. Aehnliches drücken folgende Verse aas: ״Ich sprach in meinem Herzen, komm ich will dich mit Freude versuchen und Wohlleben, aber siehe das ist auch eitel. Zur Heiterkeit sprach ich, du bist uuvernüuftig, und zur Freude, was machest du dann.“ (Prediger 2, 1. 2.) *׳ 63. 42, 23.26. Frowe, als ich gedenke an dich, waz din reiner Tip erwelter tugende pfliget, 86 lä stän! du riierest mich mitten an daz herze, da diu liebe liget. Auch hier sind Anklänge an das Hohelied (6.45) nicht zu verkennen: ״Schön bist du meine Freundin wie Thirza etc. Wende deine Augen von mir weg, denn sie bewältigen mich.“ 64. 44, 23. 24. Ich lepte wol und äne nit, wan durch der lügenaere werdekeit. Dieser Satz ist eine freie Uebertragung von Psalm 73.3: ״Denn ich beneidete die Spötter, als ich das Wohlergehen der Bösen sah.“ Auch die anderen Sätze dieses Gedichtes mit Ausnahme des Schlusssatzes bewegen sich im Kreise biblischer Gedanken.“ 65. 44, 26. Ir liep muoz iemer sin min herzeleit. Psalm 119. 163. ״Lüge, hasse und verabscheue ich. Ich hasse alle, die Lüge reden.“ 66. 44, 27. 29. Ez erbarmet mich vil sere, dazs als offen liehe gänt und nieman guoten unverworren länt. Vergl. Psalm 55, 3.4: ״Ich klage und weine wegen der Stimme des Feindes, wegen des Bedrängens des Bösen.“ ״Sie reden über dem Gerechten mit Hoffart, 1 mit Hochmnth und Verachtung.“ | 67. 44, 30. 31. Unstaete schände, sünde unere, ן die rätents iemer 8wä rnans hueren wiL! Vergl. Jesajas 32, 6. 7: ״Denn der Unwürdige j redet Unwürdiges und sein Herz thut Unrecht, Heuchelei zu üben, gegen Gott und Abtrünnigkeit ׳ ■u : reden, den Hungernden auszuleeren und den Tr*t1k i des Durstenden zu vermindern. Und die Handhaben! des Geizigen sind getährliehe; er ertheilt böse^ Rath- Schläge, die Demüthigen mit Worten der Lüge zu! verderben.“ Unter Schande könnte die Beraubung der Hungernden und Durstonden verstanden werden.; 68. 45,27—30. Sich krenkent frowen und pfaflen, daz si sich niht scheiden länt die den verschampten bi gestänt die wellent lihte oach mit in schaffen. Die Behauptung, dass Diejenigen, die sich vou den Bösen nicht poheiden lassen, sich selber schaden, stimmt zu dem Satze: .״ אוי לרש? אוי לשכנוWehe dem Bösen und wehe seinem Nachbar.“ 60. 48, 1. 2. Ich hin den frön bescheideulicher irSidc bi, und lache ungerne, 86 man bi mir weinet. _ Man vergleiche Prediger 2,4 und 7,14: ״Eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen.“ ״Am guten ׳ Tage sei guter Dinge und am bösen Tage siehe zu, | auch ihn hat Gott gegenüber diesem geschaffen.“ | 70. 50,35—38. Swanne ichs alle schouwe, i 51, 1—4. die mir suln von schulden wol behagen,! so bist duz min frouwe i daz mac ich wol äne rüemen sagen, I edel unde riche 1 sint si sameliche,