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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-06-13 · N° 24. (13.6.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 24. (13.6.1889)
Date
1889-06-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Litteratur ■Blatt. Iir Bdaditui aller Jileilli« •11 Jaäea ketreffeadea lltterarieekm Kt- ■ckelaaagaa a«r den Ceklete der Pklleaopltle, fleaeklekte, Ktkaegngkle, Tkeoagic, Orieatalla, Kzegeee, Healletlk, Lltarglk a. Pädagogik. Herausgegeben ▼on Rabbiner I)r. Iloritz Rahmer. 0TLa<j3<z6׳ut<j, 13. cJwwi 1889. Bieber der eliMhlivifti LIKereter,welch der Bedeetioa lageeeedt werde•, Hadem 1■ dleeeei Blatte eiageheade Beepreeh«•! Bel Klaeeadaag roa «wel Beeeatloae• Rxiaplaren erfolft eiv«tll*e karre 6raHe«laeertlea. Du ״JUUch« Litteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis hei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten du ״Jüdische Litteiatur-Blatt“ gratis. — laserate werden mit 86 Ff. lür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes za senden BachhAndler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ji Rabatt. ♦ Inhalt: Wissenschaftliche Ant'sätze: Circmncisio ritualis Ilebraeorum. Von med. Berthold Goldberg. — Ueber die Gedichte Walthers von der Vogelweide Von Dr. S. Geibhaus, Rabbiner zu Nordhausen (Fortsetung.) — Litteraturbericht: Recensionen: Ilirscbfeld, Ha:t\vig. Pas Buch Al-Chazari des Alm-l-Hasan Jelmda Hallewi, im arabischen Urtext, sowie in der hebräischen Ueberset/.nng des Jeliuda ihn Tibl>on. Leipzig. O. Schulze, IW7. XL1X und 361 Seiten oct. Besprochen von Rabb. Dr. Loovy- Göttingen. Litterarische Notizen: London. Baja. Inserate. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet Circumcisio ritualis Hebraeorunt.*) 1 Unter diesem Titel veröffentlicht die ״St. Petersburger medizinische Wochenschrift“ (Neue Folge V. No. 38 und 39) einen ausführlichen Vortrag, gehalten in der Gesellschaft Jelisawetgrad’scher Aerzte von Dr. med. Messala Pogorels ki. In einem erstenTheil bespricht der Verf. die Entstehung des Gebrauchs, insbesondere bei der jüdischen Nation. Er theilt zunächst mit, dass die Beschneidung zum Tbeil als krankheitverhütende Massregel bei vielen Volksstammen, insbesondere in Central- und Südafrika geübt werde, und kennzeichnet gleich seinen Standpunkt damit, dass er sagt, die Begründung der Abschaffungsversuche halte die Kritik nicht aus. Alle, besonders die auf Hygiene und Sanitätswesen bezügliehen Vorschriften des Mosaismus ״sind sehr rationell und könnten noch heuzutage als zweckmässige Massregel dienen.“ Sodann untersucht P. inwieweit die Ansichten der Autoren über den Ursprung der Beschneidung auf die mosaische Ceremonie anwendbar seien. Sie darf nicht aufgefasst werden: 1. als ein Akt zur Beschwichtigung böser Geister; dem den Gla iben daran bekämpft die Schrift nachdrücklichst; -• נ icht als ein Ersatz der Menschenopfer; solche sind auch, als die Bescbneidung längst bestand, noch bei den Israeliten vorgekommen (Exod. XIII. 2.15, XL i-0—40); 3. nicht, wie Autenrieth will, als ein militärisches Merkzeichen, denn auch die nicht waffenfähigen Männer wurden beschnitten; 4. nicht als Kennzeichen des bei den Egyptern erlangten Bürgerrechts; sonst hätten, was Michaelis übersieht, die Sklaven unbeschnitten bleiben müssen; 5. endlich ist die Ansicht H. Spencers unhaltbar, dass die Circumcisio einen der Regierung dargebrachten Tribut be- *1 Die rituelle Beschneidungsceremonie der Israeliten. deutet habe: erstens war Judäa bis Saul iu theokratischer Anarchie, zweitens hätten dann nicht auch die Häupter der Regieruug der Bescbneidung unterworfen sein können. — Also, schliesst P, ergiebt sich, ״dass die Legalisation der Beschneidung iu der mosaischen Gesetzgebung“ unzweifelhaft auf Grundläge hygienischer Anschauungen geschah. Die Ab- Schaffung der Ceremonie durch die Christen erfolgte nach P. aus äusserlicheu Gründen. Ist doch nach i Renan das Bestehen der Israeliten auf der Beschnei-! düng die einzige Ursache für das Fehlschlagen der Propaganda Israels (s. h. der Ausbreitung des Judenthums); gewesen. Zum Schluss des historischen Theils seiner Abhandlung theilt P. das vorgeschriebene Rituale mit. II. Der zweite Theil behandelt die Bedeutung der Beschneidung. 1. Die Circumcisio ist, richtig ausgeführt, eine durchaus ungefährliche Operation; in Russland werden jährlich 35 000 Knaben beschnitten; dennoch sind Todesfälle in Folge der Operation ganz seltene Ausnahmen. 2. Die Circumcisio bringt den grössten Nutzen a) in Bezug auf die körperliche Gesundheit. Denn nicht nur verhindert sie die Entstehung der örtlichen Erkrankungen, welche eine abnorme Enge der Vorhautüffnung (Thimosis) die bei 20 °/0 sämmtlicher Knaben sich findet, zur Folge hat, Entzündüngen,!Störungen iu der Harnabsouderuug und der Geschlechtsthätigkeit, — ja sogar für Brand und Krebs disponiert die Thitnosis — nicht nur beeinffusst sie die Verhütung allgemeiner Nervenschwäche (hier geht P. ohne Zweifel zu weit, Referent), sondern ן sie ist auch ein Grund, des seit lange konstatierten j verhältnissmässigen Geschütztseins der semitischen j Race von syphilitischer Ansteckung; nicht nur von! einzelnen Autoritäten, sondern auch von ganzen medi- I zinischen Kollegien (internationaler medicinischer! Kongress zu Paria 1807, mediciniscke Gesellschaft in | Leeds) wurde daher die Bescbneidung als vorbeugende Massregel gegen die Syphilis empfohlen; P. wünscht, dass die Zeit komme, wo die Circumcisio als allgemeine sanitäre Massregel in den Kulturstaatcn zur Einführung komme. b) Aber sogar moralische Bedeutung schreibt P. der Besehneidung zu. Die geringe Beteiligung der Juden an Krimiualverbrecken und Selbstmorden führt er auf die Mässigung der geschlechtlichen Leidenschäften, diese wiederum auf das Fehlen der Vorhaut zurück. — Kauu mau dem Verfasser auch nicht in i allen Punkten hier zustimmen, soviel ist klar, wie ' läoherlich es ist, wenn Israeliten als kluge Leute den

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