Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 23. (6.6.1889)
- Date
- 1889-06-06
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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biblischen Zeit den Namen דוסתאי ab. In serbischen j Qegenden finden wir häufig den Namen ״Bogdan“ (Gottes Geschenk) ähnlich dem französischen ״Dieu Donne־‘. Redner Bprach nun noch bei Erwähnung des Verfahrens der Häupter Israels, die Abschaffung der verwerflichen Benennungen herbeizuführen, besonders derjenigen, welohe den Baalsdienst fördern konnten, dass das Wort ״Baal“ bei den Israeliten das Bürgerrecht erworben hatte. Diese Volksführer hatten I natürlich nur die Absicht, das ausdrückliche göttliche j Gebot: ״Und sie sollen Meinen Namen auf die Kinder Israels legen und ich will sie segnen“ zur vollen Geltung zu bringen. Zum Schluss bemerkt Herr Löwy noch, dass der Erfolg der Propheten, den ihr beharrlicher Eifer gegen die Ablenkung von der Verehrung des einzigen Gottes erzielte, auf den Blättern der Weltgeschichte dauernd verzeichnet steht und aut ן diesen gleichzeitig durch den Reichthum an jehoj vistisohen und elohistischen Personennamen trefflich illustrirt ist. Recensionen. Strack, Dr. Herr man 11 L., Professor. Einleitung in das alte Testament. Nördlingeu. Beck 1888 (Schluss.) Die conservative Anschauung Stracks zeigt sich fast auf jeder Seite bei Besprechung derjenigen Fragen, für welche die Orthodoxie hauptsächlich interessirt ist. Die Ueberschriftt-n der Psalmen sind ihm im allgemeinen glaubwürdig, und ihre Unglaubwürdigkeit muss in jedem Falle erwiesen werden. Hin• gegen scheint mir, nachdem anerkannt wird, dass in einzelnen Fällen die Ueberschrift nur ein Versuch ist, in dem Leben Davids bestimmte Ereignisse zu finden, bei welchem seine Gemüthsstimmung der in dem betreffenden Psalm zu tage tretenden entspricht, wenn ferner gerade solche die bloss die Ueberschrift ״von David“ tragen, wie (1441 nicht von ihm herrühren können, wenn wir ferner sehen, dass die ältere Exegese. welche in den Uebersetzungen zutage tritt, in einzelnen Fällen noch weitere Bestimmungen der Ab• fassungszeit enthält, so sehen wir nicht ein, warum nicht grade umgekehrt der Schluss berechtigt ist. Alle Uebersohriften sind verdächtig uud die Glaub- Würdigkeit muss in jedem einzelnen Falle erwiesen werden. Diese Orthodoxie erzeugt einen gesunden Conservatismus, selbst in solchen Dingen, die für die religiöse Anschauung gleichgiltig sind. So tritt der Verfasser der Anschauung Justus Olshausens entgegen, welcher die grossen und kleinen Buchstaben, sowie die Punkte über den Consonannten für Zufälligkeiten erklärt, welche daher stammen, dass man ein einziges Manuscript als so werthvoll betrachtete, dass man es mit allen Einzelheiten und Zufälligkeiten copierte. (p. 76.). Darin hat Strack jedenfalls Recht, denn der Zufall ist immer eine Verlegen heitsausrede; hingegen sehen wir, dass das grosse ד (Deut. 6 4.) und das grosse ר (Ex. 34.10.) die Absicht ausdrücken sollen, einer Verwechslung vorzubeugeu und die Tendenz zeigen, die ein Midras! h ausdrückt: ״auf jedem Hakchen in der heiligen Schrift hängen Berge von religiösen Wahrheiten.“ Darum meine ich, hat Strack andrerseits wieder nicht recht, wenn er diese Auffalligkeiten einzig und allein aus verschiedeneu Manuscripten erklärt wissen will, deren Einfluss wohl für manche Randbemerkungen, die eine gleichgiltige oder unsinnige Variante aufbewahren, (Ps. 18.51.) nioht zu verkenneu ist. Ebenso hütet er sich davor, aus den gelegentlichen Fragen im Talmud über die Kanonicität eines biblischen Buches wie Jecheskel und Koheleth den Schluss zu ziehen, dass zur Zeit dieser Verhandlung der Kanon noch nioht endgiltig abgeschlossen gewesen sei, sondern er bemerkt ganz richtig, diese Bedenken wurden nur erhoben, ״um widerlegt zu werden.“ Zu den religiös-gleichgiltigen Fragen reohne ich auch die von den makkabäischen Psalmen. Strack bestreitet ihre Existenz, obwohl selbst Delitzsch den makkabäischen Ursprung von 74 und 79 ״von seinem wissenschaftlichen Gewissen“ gedrängt, zugiebt. (Commentar über die Ps. 4 A. p. 535) Ohne über die Frage entscheiden zu wollen, obwohl ich persönlich überzeugt bin, dass die grosse Zeit, welche in Israel bewundernswerthe Heldenthateu erzeugt hat, in der Litteratur und ganz besonders in der Pflege des Synagogenliedes ihre Spuren hinterlassen haben muss, finde ich, dass dieser gesunde Conservativismus jedenfalls das hohe Verdienst hat, uns vor überstürzten Versuchen, die Abfassungszeit eines biblischen Buches zu bestimmen, zu bewahren, und ganz besonders uns gegen den prickelnden Reiz zu wappnen, welcher darin liegt, die Tradition recht oft zu verhöhnen. Hat ja in diesem Blatte ein Herr die Behauptung aufgestellt, dass der erste Psalm die Spur zeige, dass das Singen beim Lernen sohon damals üblich gewesen sei. Am liebsten hätte er wohl hinzugefügt, dieser Psalm dürfte etwa im 16. i Jahrhundert in Berdyczew entstanden sein. Auf der andern Seite hat die conservative An- I schauung den Vorzug, dass man sich über manche; Einseitigkeiten der Alten hinwegsetzen lernt. Das hat Strack bewiesen, indem er bei Besprechung des Buches Esther von der ״zu scharfen Beurtheilung“ des Buches durch Luther spricht.*) Wir Juden wollen Luther das nicht nachtragen, dass er bei seiner einseitig ohristologischen Anschauung über die Bibel die religiöse Wahrheit im jüdisch-confessionellen Gewände nicht begreifen konnte. Uns aber ist die Thatsache, wie weit conservative, christliche Theologen von heutzutage entfernt sind von dem Standpunkte der Reformatoren, deswegen von besonderer Bedeutung, weil wir uns das merken müssen, wenn das Reformjudenthum so über die Achsel angesehen wild, weil es doch kein Judenthum sei Verschwiegen darf allerdings nicht werden, dass die conservativeu Auschauungen für gelehrte Arbeiten auch mitunter vom Uebel siud und diese Erfahrung macht sich durch die Stellung Stracks zur Christologie besonders unangenehm bemerkbar. Von messianischen Psalmen ׳ finden wir wohl da keiue Spui, während Delitzsoh noch sehr oft gegen die ״judaisiereude Exegese“ : wettert, uud mit einigen vorsichtigen Redewendungen j Auferstehung Christi, Opfertod und dergl. in d6n Psalmeu findet, aber bei Jesaias wird der ״Knecht Gottes“ 1 von Strack noch immer als Christus erklärt, dabei wird . Delitzsch citiert, der den Begriff ״Gottesknecht“ eine Pyramide nennt, ״deren unterste Basis das wirkliche I Israel, deren mittlerer Durchschnitt das ideale Israel i uud deren Spitz6 die Person des aus Israel entstan- ׳ denen Mittlers des Heils ist.“ (p. 42.) Für uns Juden , ist dieses schöne Bild etwas zu pyramidal und wir, die wir durch unsere Geschichte zur Geduld erzogen worden sind, wollen ruhig abwarten, bis auch für! Jesaja die Anschauung durchdringen wird, welohe ׳ wir in der neuen von Nowack besorgten Auflage von 1 Hupfeids Psalmcommentar finden, dass nämlich die; messianische Schriftauslegung aus den religiösen i Bedürfnissen der makkabäischen Zeit entj standen sei und die ohristologische Auffassung dieser Messianität in der ersten Christengemeinde *) Luther sagt nämlich: Esther und das 2. Makkabäer- Buch ,judenzen“ zu viel.