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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-06-06 · N° 23. (6.6.1889) · p. Seite 90

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 23. (6.6.1889)
Date
1889-06-06
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 - Buheplatz, emporwachsendes Gras, und wohlriechende Blumen. Man vergleiche folgende Sätze: ״Komm, mein Freund, lass uns auf das Feld hinausgehen und in den Dörfern weilen.“ (Hohes Lied 7.12.) ״Siehe mein Freund, du bist schön und lieblich, unser Ruheplatz ist duftig grünend.“ (das. 1.16.) ״Die Blumen sind hervorgekommen im Lande, die Zeit des Lenzes ist erschienen, und die Stimme der Turteltaube wird gehört in unserem Lande.“ (das. 2.12.) (Fortsetzung folgt.) Eiohittische und jehovistische Eigennamen. Am Dienstag, den 7. Mai, hielt Rev. A. L ö w y in London vor den Mitgliedern des ״Biblischen Alterthums-Vereins“ einen Vortrag über das obige Thema, aus welchem wir das interessanteste nach dem Berichte des ״Jewisk Chronicle“ (übersetzt von Herrn L. C oben-Reesj hier wiedergeben. Nach Herrn Löwy beträgt die Summe der männlichen und weiblichen Personennamen der Bibel über 1500. An weiblicheu Namen hat derselbe nur 76 ') gezählt. 286 dieser Namen haben eine entsohieden religiöse Bedeutung; 12-, beginnen oder endigen mit *אל“ und diese nannte der Redner elohistische Eigennamen; 48 haben am Anfänge eine Abkürzung des Tetragamma ton, als יו״“ von ״VT“ und 115 Namen endigen auf ״Vf“ oder auch gewohnlicher auf יה״“. Die letzteren 163 machen das jehovistische Element der Eigennamen aus. Wenn die Bezeichnung der Gottheit dem Namen vorgesetzt ist, so bedeutet dieses, .dass Gott die Quelle aller Glückseligkeit für den Menschen ist; steht dagegen der Namen Gottes am Ende des Eigennamens, so zeigt diese Stellung an, dass der Mensch als Empfänger der göttlichen Gnade dargestellt ist. In der einen Klasse wird Gott als die gütige Vorsehung, welche liebevoll auf den Menschen hemiederschaut, dargestellt, in der andern wird der Mensch als ein solcher bezeichnet, welcher der göttlichen Gnade entgegenharrt oder dankerfüllt den Blick zu Gott erhebt. Durch diese Eintheilung wird der Studirende nun in den Stand gesetzt, über das Charakteristische der biblisehen Personennamen sich Rechenschaf tgebeu zu können. ln dem Namen אליעזר (mein Gott ist eine Hülfe) oder ייהוצור) (Jehova ist eine Hülfe) haben wir in dem engsten Rahmen eine Wiedergabe des schönen Anfanges des 21.’) Psalms: ״Ich erhebe meine Augen zu den Bergen; woher soll meine Hülfe kommen?“ Herr Löwy führt zahlreiche Beispiele an, in welchen er die Bedeutung solcher Namen erklärt, z. B. אליהועעי (auf Gott sind meine Augen gerichtet), אלחנן (Gott hat Gunst erwiesen), oder יוחנן — ursprüngliche Form für ״Johannes“ oder ״John“ — (Jehova hat Gunst erwiesen). Unter den Namen mit nationaler Bedentung kommen vor: שאד ישוב (ein Rest wird zurückkehren), יהוישיב *) (der Herr wird zurückbringen), יהויכין (der Herr wird errichten). Interessant und geistreich war die Nebeneinanderstellung von Gott anrufeuden und antwortenden Namen, als שמעיה (Höre, 0 Gott) und ישמעאל (Gott wird erhören), הושעיה (Hilf, o Gott) und ישעיהו (Gott wird helfen), רפאל (Heile, o Gott) und ירפאל‘) (Gott wird heilen). l) Diese Zahl ist zu niedrig; bei oberflächlicher Zählung der biblischen weiblicheu Personennamen in Schusslowicz’ "אוצר השמות" laud ich deren schon l * * 4J2. Bei genauer Zählung dürite sich jedenfalls eine noch grössere Zahl ergeben. C. -) Diesen Manien habe ich in dem vorgenannten Werke nicht gefunden, wohl aber יוצזר (I. Chr. 12,7,1. G. Es ist Peaim 121 gemeint. C. 4) Dieser Name fehlt ebenfalls im אוצר השמות. C. ג) Ist kein Personenname, sondern ein Ortsname. (Josua 18,27). C. Bei einer Nebeneinanderstellung elohislischer und jehovistischer Namen zeigte der Redner folgerichtig, dass ein wohlgeordnetes System den religiösen Namen zu Grunde liege, durch welches das israelitische Bekenntniss gegenüber den rivalisirenden Religionen ausgedrückt wird, welche beziehungsweise von der ephemäreu Natur des Judenthams sprechen. In den meisten solcher Namen erkenut man eine Anspielung auf Collisionen mit den Opponenten und zugleich Zeichen gesellschaftlicher Conflicte. Anspielungen auf ein friedliches und ruhiges Verhältniss werden verhältnissmässig nur weuige gefunden. So mögen z. B. Disputanten und Zänker Veranlassung zur Entstehung des Namens ,פל־־יד (Streite, o Gott) gegeben haben. Der Mauu, dessen Geschäftsunternekmungeu nicht gelingen wollten, mag wohl aus diesem Grunde seinen Sohn יסמכיהו (Gott wird Unter- Stützung bringen) oder ירמיה (Gott wird mich erheben) genannt haben. Ein tiefes Versunkensein in die Betrachtung des altväterlichen Glaubens hat vielleicht Veranlassung zur Bildung des Namens בסיליה (Ich bin inmitten der göttlichen Geheimnisse) gegeben. Ein Vater nannte wohl aus überschwänglicher Liebe zu seinem Sohne denselben רוממתי עזר (Ich habe mir einen Gehülfen gross gezogen). Beziehungen auf die Individualität könnte man z. B. in folgenden Namen finden: בעו (In ihm ist Stärke), הקטן (der Kleine) בריעה (Unglück), ברזלי (Eisenkrämer), הלחש (der Angeber), על,ש (der Gewundene), נחש (Schlange) und in den Frauennamen כזבי (Lügnerin). Etwas Stechendes finden wir in הקרן (der Dorn) und vielleicht ebenso in dem Namen פרעש (Floh). Anmuthige Empfindungen gaben Veranlassung zur Bildung mancher Frauennamen. Die Mutter des Moses erhielt den wohllautenden Namen יובבד (Gottes Herrlichkeit). Andere Frauennamen dienten zur Erregung heiterer Gefühle. Eine Ausnahme finden wir in dem Namen עזובה (die Verlassene). Hülfsleistung ist ausgedrückt in יסבה englisch *Jessica“ (Er wird Schutz gewähren). Häuslichen Frieden zeigt שלמית (die Friedliche), פועה (die Glänzende), עדה — englisch ״Ada“ — (der Schmuck), תרצה (sie wird wohlgefallen). Der Name יריעות (Vorhänge-Teppich) ruft uns die Klage des Jeremiah ins Gedächtniss. (״Wer will fürderhin meine Teppiche ausbreiten?“) Duft und Wohlgeruch athmen die Namen הציעה (Cassia), ebenso קמורה und בשמת (Weihrauch und wohlriechendes Gewürz'. Lebende Wesen zeigen דבורה (die Biene) צפורה (das Sperliugsweibchen), ימימה (die Taube) (? Der Uebersetzer), רהל (Schaflamm) und יעל (die anmuthige Gazelle). Weiter über die Ursachen und Entwicklung der religiösen Namen bei den alten Hebräern sioh verbreitend, zeigte Herr Löwy an zahlreichen Beispielen zur Genüge, dass eine Beziehung auf Gott bei der Namen bildung nicht eine ausschliessliche Eigenthümliebkeit der Hebräer war. Dieser Gebrauch war! ein uralter und weit verbreiteter. In den ältesten monumentalen Nachrichten nichthebräisoher Semiten, sowie in der alten Litteratur vieler asiatischen und europäischen Nationen finden wir Namen, welche den vorstehend aufgeführten ganz analog gebildet sind. Als Beispiele wurden angeführt ״Baalschama“ (Baal hat• gehört) ״Hannibal“ (Gieb mir deine Gunst,. o : Baal), ״Mjtbradates“ (Mithra hat gegeben), ״Isidoris“! (Geschenk der Isis). Die Griechen hatten ein ahn- 1 liches Verfahren bei der Namenbildung und combi-! nirten gerade in derselben Weise, z. B. ״Einathan“ und ״Jonathan“ ״Theodoros“ und ״Theodosius“ (Gottes t Geschenk). Indem sie aber diese Verbindung umj kehrten, bildeten sie ״Dorotheos“ und ״Dosotheos“.! Aus diesem letzteren leiteten die Juden der naoh-

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