Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 23. (6.6.1889)
- Date
- 1889-06-06
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 92 — ihren Ursprung nahm. Dieselbe ohristologische An* Behauung ist bei Benrtheilung des Buches Daniel massgebend, welches nach Strack nicht ganz Erfindüng sein kann und auch in seinem ersten Theile vor der Makkabäerzeit abgefasst sein muss (p. 69) und sogar aus der Besprechung des Buches Ezechiel, über welches der Verfasser sagt ,zum Verständnisse dieses letzten dunkeln Haupttheiles (C. 40—48) hat man festzuhalten, dass alle Prophetie durch das Medium einer sowohl durch die eigene Individualität, als durch zeitliche Verhältnisse bestimmten Person• lichkeit zu gehen hat.“ Das soll dooh wohl heissen: die Maasse des Tempels, die Rechte der Piiester und die Art der Opfer sind nur Bilder des christlichen Oottesreiches. Wir haben kein Recht mit dem Verlasser über diese Anschauung zu streiten, denn die Ueberzeugung imponirt uns auch da, wo wir sie nicht theileu, wenn wir sie aus einem sittlichen Gemüth stammen und durch redliche Geistesarbeit gewonnen sehen. Das Buch bleibt auch, so wie es ist, die Leistung eines hervorragenden Gelehrten und durch seine lichtvolle Darstellung, wie durch die reichen und genauen Litteraturangaben ein nützliches, gegenwärtig unentbehrliches Werk, dessen Anschaffung jedem bestens empfohlen werden kann. Ich habe nur einen Druck• fehler gefunden, Jona für Joma, und einen mir unangenehmen Ausdruck ״Alttestamentler“ (S. 29) der aus dem Kauderwelsch des modernen Zeitungsstils stammt, wo man Leitartikler, Wochenchronikler, Debatter und ähnliches sagt. Das hindert nicht, dass auch dar stilistischen Form des Buches volle Anerkennung gezollt werden kann. Brüx. Dr. J)eut80h. Antisemitismus in der Pfalz! Ein offener Brief an die ״Pfälzische Presse“ von Dr. J. Mayer, Bezirksrabbiner in Zweibriicken. Ein ,,guter Freund“ der Juden hat in der ״Pfälzischen Presse ‘ in einigen Artikeln alles Gilt zusammengetragen, welches die Judenfeinde da und dort erzeugt haben, um uns zu verderben. Natürlich verlöre das Gift seine Wirkung, wenn der Herr sich als Judenfeind gäbe Auch Stöcker meint es ja so gut mit uns und diejenigen, die unsere Vorfahren auf die Scheiterhaufen schickten, haben offenbar nur deshalb uns auf Erden gequält, um uns, so gut es ging, den Himmel zu retten. Dr. Mayer reisst dem guten Freunde nicht gerade die Maske vom Gesichte, aber er löst sie ganz zart und langsam und vorsichtig; kein unhöfliches Wort fliesst dem Dr. Mayer aus der Feder; um so nachhaltiger wirkt die Abfertigung, die dem guten Freunde zutheil wird. Das Schriftchen hat den Vorzug, lesbar und interessant zu sein; es eignet sich vortrefflich für den Zweck der Abwehr. Nur eine Kleinigkeit möchten wir hier rügen, mehr zum Zeichen, dass wir die Schritt sorgfältig felesen haben. Herr Dr. Mayer tadelt, dass alle Juden für ie Ausschreitungen einzelner verantwortlich gemacht werden und sagt: ״eine Maus natcht, die Mäuse haben es gethan.“ Ja, bei den Muusen wäre dieser Schluss eher berechtigt, a’.s bei den Menschen! Ein Thier ist kein Individuum; seine Tugenden und Fehler sind Eigenheiten der Gattung, ein״ Maus nascht, die Mäuse sind naschhaft; das ist ga z richtig geschlossen, aber nimmermehr: ein Jude wuchert, die Juden sind Wucherer, denn jeder einzelne Mensch ist ein Wesen, eine Welt für sich und gehört nicht zur Heerde; er hat das Recht, nach seinem Thun und Lassen beurtheilt zu werden nicht nach dem Treiben der Genossen. Natürlich erwähnen wir dies nur nebensächlich, würden wir darauf grösseres Gewicht legen, so würden wir ja aus der Maus einen Elephanteu machen. Gelbhaus, Dr. Rabbiner. Rede gehalten bei der Einweihung der Synagoge in Nordhausen. 15 S. Herrn Dr. Gelbhaus ist es, nach dieser Rede zu schliessen, hoher Ernst mit seinem Predigerberuf; er will durch Sprache und gedanklichen Gehalt seine Rede über das Alltägliche hinausheben; es ist uns sehr gut begreiflich, dass die Gemeinde, vor der diese Rede gesprochen worden ist, das Verlangen hatte, den Eindruck fe ,:zuhalten; sie liegt in splendider Ausstattung uns vor und wird den Mitgliedern der Gemeinde Nordhausen ein willkommenes Gedenkblatt »ein. Herr Dr. Gelbhaus ist, wie die Leser dieser Blätter wissen, ein gelehrter Herr; er webt geschickt geschichtliche Notizen und talmudische Sätze in seine Predigt ein Manchmal erscheint es uns, dass er von der Freiheit des Predigers, sich die Dinge für seinen äugenblicklichen Zweck zurechtzulegen, einen sehr weitgehenden Gebrauch macht. So S. 6, 7 u ö, wo er die Zeit des Propheten Chaggai und die Gesinnungen dieser Zeit schildert, wie Herr Dr. Gelbhaus sie gerade braucht, auch das Citat aus Chaggai wird entsprechend umgedeutst; S. 10 wird aus dem Talmud eine Erzählung citirt, die dort ganz anders lautet. Hierbei lesen wir: ״es beruhigte sich das aufgeregte Element, es schwiegen die Wogen, es fielen die Fluthen, es sanken die Ge- Wässer, sie nahmen eine rückläufige Strömung und kehrten in ihr ursprüngliches Bett zu ihrem unterirdischen Aufenthalt zurück. Was lehrt diese Erzählung, was will sie ausdrücken? Was will sie bedeuten'!׳“ Lässt sich dies wirklich nicht kürzer sagen? Herrn Dr Gelbhaus ist es Emst etwas zu sagen; wozu braucht er nun Worten nachzujagen? Die Rede wäre nicht schlechter, wenn sie etwas kürzer wäre. Jeschua von Nazara. Historischer Roman von Paul Ador. Bassermann. München. 2 Bände. 1888. Ohne sich irgend eine Kritik zu gestatten, will diese Zeitschritt nur einfach Notiz nehmen ven diesem Buche. Der Vert. kennzeichnet seinen Standpunkt wie folgt: ״Wir nennen uns Christen, weil wir die ewigen Wahrheiten der Lehre Christi als Richtschnur für unser Leben anerkennen, nicht aber, weil wir die Kirchenlehre über Christus, die Erzählungen von seiner Geburt und Abstammung, seiner Thaten, seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt für baare Münze nehmen“. Der Autor will in der Form des historischen Komanes die Lehre Keim’s, StraussV, Hausrath’s und Schenkel’s ins Volk bringen. ״Glauben wir. wie es Jesus von Nazara und andere Propheten vor ihm gelehrt haben, dass der Welteoschöpter ein Gott der Liebe ist.“ Der Stil des Romans ist edel und nicht selten von grosser dichterischer Schönheit Berichtigung: Bei der Berichtigung in Litt.-Bl. No. 17 treibt der Druckfehlerteufel nochmals sein Spiel. Anfragen machen eine wiederholte Correktur nöthig. Msn lese Chiwriten (Weisse) st. Choriten (Höhlenbewohner). Litterarischer Anzeiger. fCjP Angebote und Gesuche antiquarischer Bücher der jüdischen Litteratur von Rab binern, Lehrern und Cultusbeamten werden zu ermässigtem Preise (die 4gesp. Zeile ä 10 Pf. baar) aufgenommen. Das J umi-Heft der Monatsschrift für die Litlrratur und Wissenschaft des Judrnthnms von A. S. Weissmann in Wien enthält: Bibelexegetisches (die Sonne ist aal Josua’s Geheiss nicht stillgestanden. — Die jüd. Speisegesetze. — Akiba und Acher. — Heidenthum u Kabbala. — Recensionen Der Jahrgang!im Selbstverlag des Herausgebers) kostet 6 fl ö. W. 10 Mk. 12 fres. Nur für I Mark anstatt 8 Xark: 1. Moralische Betrachtungen üben jeden Wochenabschnitt des Pentateuch etc. 121/, Bogen, eleg. brochirt. 2 Ganz umsonst: ״Jüdische ״Zeitfragen“ über Sabbath, Speise- und Nidda-Gesetze. 3. 1000 jüdisch-deutsch« und deutsche Sprlichwörter und Redensarten, 3 Bogen eleg. broch. 60 Pr. 1075] Lobethal, Breslau, Berlinerstr. 63. Folgende Werke wünsche ich gegen Predigtu. 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