Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 23. (6.6.1889)
- Date
- 1889-06-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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^.?!1 Jüdisches Litteratur■ Jahrg. XVIII. Blatt Sir Belcachtasg *Iler Jadaatka■ ■■ני Jadea ketr.ffaadea lltterarlsekea Sr• eekelaaadea *af de» fleblete der Pkllo• •apkle, flwekiekte, Ethao*r»phle, Tkeooile, OrleatalU, Exe«eee, HonMetlk. Lltarflk a. Pld*|0*U. H e r a a s g e g e b e n von Rabbiner Dr. Moritz Kahnier. 6. 0J«׳ni 188g. Bicher dereliMklifige■ LIUer*t»r,welel1 •er Bedtct on «■ge•*■dt werde»,!■de« (■ die••■ Blatte elngeheade Besprach■■• Bel Elaeeadaag to» ■wel Beceml•■•* RxeaipUren erfolgt elaaiallge karie tirftttfdaaertl*■. Das bildliche Litteratsr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhandlungea (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litte!atur-Blatt“ gratis. — laserate werden mit ti PL tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet and sind au die Expedition dieses Blattes zu senden Buchlikndler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ן( Rabatt. 1 n 11 n 1 t: Wissenschaftliche Aufsätze: Ueber die Gedichte Walthers von der Vogelweide Von Dr. S. Gelb haus, Rabbiner zu Kordhausen (Fortsetzung.) — Elohistische und jehovistische Eigennamen. Litteraturbericht: Recensionen: Strack, Dr. Herrmann | L., Professor. Einleitung in das alte Testament. (Schluss.) — Antisemitismus in der Pfalz? Ein offener Brief an die ״Pfälzische Presse“. — Gelbhaus, Dr. Rabbiner. Rede ge* halten bei der Einweihung der Synagoge zu Nordhausen — Jeschua von Nazara. Hystorischer Roman von Paul Ador. Bassermann. — Berichtigung. Inserate. Ueber die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Von Dr. S. Gelbhaus. Rabbiner zu Nordhausen. (Fortsetzung.) 49. 31, 15. Diu meiste menege enruochet wies erwirbet guot. Pfeifer erklärt (Ausgabe S. 224) diesen Ausdruck: ״Die Mehrheit kümmert sich nicht, es ist ihr gleich• gültig, auf welche Weise sie Geld erwirbt.״ Wilmanns weist aut die Zustände der damaligen Zeit hin und bemerkt: ״Da waren Klagen über Habsuoht und die hohe Stellung des Geldes bei den Fürsten und im Rathe der Könige wohl gerechtfertigt.״ (Ausgabe S. 277.) Nach dieser Auffassung gemahnt die Klage Walthers an Hosea 12, 8.9: ״Der Kaufmann hat in seiner Hand eine falsche Waage, er liebt zu bedrücken. Aber Ephraim sprioht: loh bin reioh, ioh habe Gut gefunden, in all meinem Erwerb wird man keine Sünde finden, die Missethat ist.״ bO. 33,25 26. Alle z äugen suln ze gote schrien waten, und rüeien ime, wie lange er welle släten. ״Erwache, warum schläfst du o Gott!״ (Psalm 44. 24.) 51. 33, 29 Sin süener mordet hie und roubet dort ״Wo das Recht sein sollte, da ist der Frevel.״ (Prediger.) 52. 33,32. 33. Die si d& leren solten, die sint guoter sinne äne. es waer ze vil, und taet ein tumber leie daz. Dieses ganze Gedicht erinnert an den talmudisohen Ausspruch Cbagiga 14: יש נאה חרש ואיני נאה ״ מקיים.Mancher lehrt schön, befolgt aber die Lehre nicht.“ 53. 34, 22. 23. Her Stoc, ir sit uf schaden her gesant, daz ir uz tiutschen liuten suochet toerine unde narren. Dieses Gedicht, welches eine ironische Ansprache an den Opferstook enthält, gemahnt an den Ausruf der foigendenErzähiung:מעשה כמרים כת ביתה שנשמדתה והלכה ונשאת לסרדיוט אחד ממלכי יונים כשנכנסו יונים להיכל היתד, מבעטת בסנדלה ע״נ המזבח ואמרה לוקוס מקום עד מתי אתה מכלה ממונן של ישראל ואי אתה עומד עליהם בשפת הדחק. ״Es wird erzählt von Mirjam, einer Angehörigen der Priesterfamilie Bilga, dass sie aus dem Judenthum austrat, und einen Feldherrn der grieohisohen Könige heirathete. Als die Griechen in den Tempel eindrangen, da schlug sie mit ihrem Sandal auf den Altar und rief: ״Wolf, Wolf, wie lange willst du das Gut Israels verschlingen, ohne ihm in der Zeit der Bedrängniss beizustehen!״ (Succa 56.) 54. 34, (1. Die uns guoter lßre bilde solden tragen. Diese Zeile, sowie Zeile 26 gemahnen an Maleaohi 2.7: ״Denn die Lippen des Priesters bewahren die Erkenntniss und die Lehre suoht man in seinem Munde.״ 55. 35,13.14. Swe rhiure schallet und ist hin ze järe boese als 5, des 10p gruonet und e valwet 8Ö der klö. Der letzte Satz enthalt ein im biblisohen Sohrifttham einige Mal vorkommendes Gleiohniss: ״Alles Fleieoh ist wie Gras, and all sein Lob ist wie die Blume des Feldes. *Es vertrooknet das Gras, es verwelket die Blame.״ (Jesajas 40, 6. 7.) 56. 35,33.34..Ir müezet in di4 liute sehen, weit ir erkennen wol: nieman üzen nach der varme loben 801. Einen ähnlichen Gedanken drückt der rabbinisohe Spruch aus:.״ אל תדץ את חברך עד שתניע למקומוRiohte nicht deinen Nächsten, bis du an seine Stelle gelangst.״ (Abot.) 57. 37,24.26. Tumbiu Werlt, ziuch dinen zoum, wart umbe, sich. wut du lau loufen dinen muot, sin sprunc der vellet dich. Vergl. Prediger 12.1: ״Gedenke deines Schöpfers in den Tagen deiner Jagend, bevor die bösen Tage kommen and die Jahre, von denen du sagen wirst: ioh habe an ihnen keinen Gefallen.״ 58. 39, 11—19. Unter der linden an der heide dä unser zweier bette was, da mugent ir vinden schöne beide gebrochen bluomen unde gras, vor dem walde in einem tal, tadaradei schöne sanc diu nahtigal. In diesem Gedichte ersteigt Walther die höchste Stufe der Kunst seiner Zeit. Dieses ist ein Minnelied der vollendetsten und vollkommensten Art. Seiner ganzen Anlage naoh aber, sowohl den ganzen Aufbau und Inhalt als auch die poetisohen Bilder betreffend, erscheint es als eine Ausstrahlung des hohen Liedes, welches der Dichter zu seinem idealen Vorbild gewählt hat. Wie im Liede Salomens sind es auch hier die Empfindungen zweier Liebenden in einer idylischen Gegend die geschildert werden. Die Scenerie ist hier wie dort, einige Abweichungen ausgenommen, welohe die geographische Lage und einheimische Flora bedingen, fast dieselbe: Ein liebliches Gefilde, sohattige Bäume, ein anmuthiges Thal, ein lauschiger