Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 22. (30.5.1889)
- Date
- 1889-05-30
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Anwesenheit eines englischen Juden in Köln am das Jahr 1150 zeigt also, dass es nichts Ausser• gewöhnliches war, wenn Juden eine Seereise über den anal von und nach England unternahmen. Ich will noch hinzufügen, dass auch der Beweis erbracht ist, dass kurze Zeit hiernach sogar ein rus sie oh er Jude nach England kam, wie R. Moses ben Isaac in seinem ספר השהם sagt: R. Isaao aus Tsohernigow ״sagte mir", dass in Tiraz, d. i. Bussland, der Sohwager ״Beila“ (בילה) genannt wird.“ Dies war der erste bekannte Jude, weloher England besucht hat, und ist jedenfalls der Name seines Geburtsortes auch das erste russische Wort, welches in den Schriften der Engländer vorkommt. loh habe an einer andern Stelle für diesen Besuch des Isaac aus Bussland das Jahr 1180 nachgewiesen. (Aroh Bev. II p. 401.) (Aus dem ״Jewish Chrouicle“ von L. Cohen.) Recensionen. Strack, l)r. Uerrmann L., Professor. Einleitung in das alte Testament. Nördlingen. Beck 1888. (Fortsetzung statt Schluss.) Damit es nicht den Anschein habe, als ob ich die kritische Bichtung in unserer alten Literatur finde, weil ich sie suche, erkläre ich gleich hier mich vollkommen damit einverstanden, wenn Strack die Ueberzeugung ausspricht, die talmudisohen Fragen, ob dieses oder jenes Buch der Bibel aus dem Kanon auszusohliessen sei, stammen nicht aus einem Zweifel an der Echtheit, sondern Bind aufgestellt, um widerlegt zu werden. Auch möchte ich nicht behaupten wollen, dass der Verfasser die jüdischen Autoren im allgemeinen unterschätzt und missachtet, obwohl er beim Capitel von der Literatur der Einleitungen die Bemerkung macht ״von jüdischen Autoren sind eingehende Werke über das Gesammtgebiet der Einleitung nioht verfasst worden.“ Trotzdem vermisse ich Mendelssohns Vorrede zum Pentateuch; nioht weil ioh meine, dass sie noch benützbar wäre, aber sie gehört zur Vollständigkeit, ebenso oder noch mehr wie das Werk von Keil und Häverniok. Ebenso finde ich es ungerecht, dass bei der Geschiohte der Punctation des Elia Levita nioht gedacht wird, der doch unbestreitbar der erste gewesen ist, der mit unleugbarem Gesohiok und einem Erfolge, dem heute nichts hinzuzufügen ist, den Nachweis geführt hat, dass die Vocalzeiohen in talmudisoher Zeit entstanden sind. Mir scheint das ebenso wichtig, wie die Kenntniss der Thatsaohe, dass Jean Astruo der erste war, weloher den Pentateuch nach dem Gebrauche der beiden Gottesnamen in zwei Grundschriften zerlegte. Levita’s Werk ist wohl S. 75 genannt, jedoch nur als eine Arbeit über die Massora, als welche sie doch lange nioht jene Beaohtung verdient, welohe die 3. Vorrede über das Alter der Vocalzeiohen bean- Sprüchen darf. loh will, wie gesagt, daraus keinen Vorwurf schmieden, da ioh gerne glaube, Strack, der Uebersetzer der Sprüche der Väter, halte das Prinoip האומר דבר בשם אומרו מביא גאולה לעולם nioht für so jüdisch, dass inan es durch Missionäre ausrotten lassen müsste. Anlässlich meiner letzten Besprechung seiner Grammatik hat mir Stark auch darüber geschrieben, dass er sich gegen den Vorwurf verwahre, jüdischen Autoren ihre Bedeutung zu schmälern. Trotzdem begreife ioh nicht, warum er bei der Aufzählung der Psalmenoommentare und ebenso der Commentare zum Hohenliede und zum Prediger die Werke von Graetz nicht nennt, während er doch selbst Monographien, wie die von Grill über Psalm 68 aufführt; auf der andern Seite will ioh nioht verschweigen, dass wir mit Freuden aus diesem Bache den thätigen Antheil entnehmen können, welchen jüdisohe Gelehrte an der Literatur der biblisohen Wissenschaft genommen haben, was umsomehr Bedeutung hat, wenn man bedenkt, dass die jüdischen Gelehrten nioht als Professoren, Docenten, Repetenten u. 8. w. ihren Beruf finden können, sondern im seelsorgerisohen Amte stehend, oft von der gelehrten Welt abgeschlossen, nur mit Mühe der Wissenschaft sich widmen können. Ioh muss aber lobend hervorheben, dass ganz besonders Dr. Hoffmanns Arbeiten gegen Wellhausen vielfaoh benutzt und citirt werden, während Hoffmanns Gollege, Berliner, mit einem ״so“ bestraft wird, weil er in seiner Tharguin&asgabe ״Sabioneta“ sohreibt, was auoh unserem Freunde Beis zu theil wird, der sich bei seinem Aufsatze über Thargum scheini einmal Beiss und ein andermal Beis nennt. Naohdem in dem 1. Band von Zöeklers Encyclopädie verkündet wurde, dass die jüdische Theologie eigentlich ganz und gar von der christlichen abhängig sei, und den Namen einer wissenschaftlichen Theologie gar nioht beanspruchen könne, freuen wir uns darüber, dass sie nioht allen Bearbeitern des Handbuches entbehrlich erscheint, aber einigermassen muthet mich doch diese Ezponirung Hoffmanns so an, als wenn ioh Leonidas bei den Thermopylen sähe. Der Mann hat einen verlorenen Posten geführt und dafür müssen ihn die Gymnasiasten auswendig lernen. Und noch unmittelbarer erinnert mich diese Ehre, welche dem ״gefeierten“ Gelehrten unserer Rechten widerfährt, an die Art, wie der von Strack 80 über die Achsel angesehene Abraham ibn Esra Saadjah Gaon gegen die Karäer ins Treffen führt, wi9 z. B. um die rabbinisohe Lehre von dem Vergeltungsgesetz oder von der Berechnung des Woohenfestes zu retten. Im Ganzen aber scheint Strack selbst hier in seine eigene Behauptung Zweifel zu setzen, da er davon spricht, es sei gegen Wellhausen manches Unrichtige vorgebracht worden, manches bedürfe nooh sorgfältigerer Ausarbeitung etc. Für mich liegt die Frage so: Ist einmal der naiv-traditionelle Gedanke der;Abfassung der ganzen Thora durch Moses auf gegeben, bemüht man sich ferner nioht mehr darum die einuuder widersprechenden Angaben über die Verwendüng des Zehnten, weloher naoh 4. Mos. 18 den Leviten gegeben, naoh 5. Mos. 25 am heiligen Ort verzehrt werden soll, in der Weise des Talmuds dadurch auszugleiohen, dass man annimmt, es sei von zweierlei Zehnten die Rede, und suoht man auch nicht mehr duroh künstliche Deuteleien die That- Sachen zu verwisohen, dass die sinaitisohe Gesetzgebung 2. Mos. 20—23 im Gegensatz zur Deuteronom. keinen Priesterstand und keinen auserwählten Ort kennt, so ist die Thatsaohe gleiohgiltig, ob man die Thätigkeit Esra’8 so oder 80 weit sioh erstrecken lasse, oder, worum hauptsächlich die Sache sioh bewegt, ob der Priestercodex vor oder nach dem Exil verfasst sei, so viel ist sicher, dass kein kritisch ge- Schulter, ja seit Keils am 25. Mai 1888 erfolgten Tode, überhaupt kein wissenschaftlich geschulter Theologe, sioh zu der Ansicht bekennen wird, dass der Priestercodex mit den 5 Festen mit der hierarchisohen Gliederung der Priesterkaste und der complioierten Sühnoeremonien ein Werk sei mit dem Deuteronomium, wo nur gleichberechtigte Priester auftreten, wo nur drei Feste bekannt sind, wo wir nur vom Sabbathnicht vom Jubeljahr hören. Noohweniger wird man glauben, dass dieser Priesteroodex sohon zur Zeit Samuels oder auoh nur zur Zeit der Abfassung des naoh ihn benannten Buohes bestanden habe, in welchem der König oder der Prophet die Function des Priesters übt und za Beth-El ein Heilig-