Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 22. (30.5.1889)
- Date
- 1889-05-30
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
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— 83 — thnm besteht, in welohem man Gott verehrt, der an dieser Stelle sich dem Stammvater Israels gezeigt hat. Kann ans die Apologetik diesen An״toss nioht bezeitigen, so ist alles Andere gleiohgiltig and wir möchten diesen Versuchen gegenüber das Wort, welohes Wellhausen in seinen ״Prologmena zar Geschichte Israels“ ausgesprochen hat, wiederholen: ״Es scheint der Theologie besohieden zu sein, dass sie immer 50 Jahre lang eine Ansicht als ketzerisch bekämpft, bis sie endlich mit ihr einen Frieden schliesst, um zu behaupten, sie enthalte nichts, was die Religion gefahrden könnte.“ Wir sollen, meiue ich, lieber gleich von Hause aus neue wissenschaftliche Hypothesen ruhiger betraohten, um nioht erst dann, wenn uns der Rückzug abgeschnitten ist, einen erzwangeneu Frieden schiicssen zu müssen Das wird nus in allen kritisohen Fragen klarer sehen lassen, und besonders meine ich das, wie ich in diesem Blatte schon bei Besprechung von Küeneus Einleitung auseinandersetzte, in Bezug auf den Hezateuoh. Obwohl auch Strack der Anschauung huldigt, der letzte Redactor des Pentateuchs habe auch das Buch Josua endgiltig redigirt, so bleibe ich noch immer dabei, dass das Buch Josua eines der jüngsten Bücher der Bibel ist, entstanden aus einer alten Topographie Palästina^, geschrieben zu dem Zwecke, die Lücke zwischen dem Tode Moses und den im Buche der Richter enthaltenen Geschichten auszufülleu. Derselbe Verfasser hat dann auch allerdings die ersten Capitel vom Buche der Richter geschrieben. Für diese That- Sache sprechen nioht nur grammatikalische und lexikalische Gründe, sondern noch mehr die Inhaltsarmuth des Buches, die fortlaufende Kette von Wundern, hinter denen die historischen Thatsachen ganz zurücktreten, die Bekanntschaft mit den jüngsten Theilen des Pentateuch, die sich aus der Geschichte von dem aus den Steinen des Jordanbettes erbauten Altar, aus der Verteidigung der ostjordanisohen Stämme gegen den Vorwurf, das Gebot der einheitliehen Cultusstätte übertreten zu haben, und aus der Stellung des hohen Priesters Pinechas ergiebt. In dem nach officieller Anschauung jüngern Buohe der Riohter, finden wir eben so wenig, wie im 1. Buche Samuel irgend welohe Andeutung von der Bekanntsohaft mit diesen im Deuteronomium gebotenen Gesetzen. loh beguüge mich mit diesen Andeutungen, weil ja hier nioht der Platz ist, diese Ueberzeugung ausführlich zu begründen. (Schluss folgt.) Uitterarische Notizen. Etymologisches. I. Im jüdisch-deutschen Jargon bedient man sich sur Bezeichnung eines Armen des Ausdruckes ״Gascht‘. Woher kommt dieses Wort? 2. Zur Aeusserung des Schreckens, Erstaunens u. s. w. hört man ott den Ausruf ״Schmajiskees!“ Es soll ohne Zweitel den Ausruf שסע ישראל vertreten, welchen man aber aus geziemender Ehrerbietung nicht profaniren will, z. B: , Schmajiskee«, was hör’ ich da!* 1 * 3 4 Desgleichen bedient man sieh des Ausdruckes ״Klaupierkees•‘ (־כלומרkees, uin anzudeuten, dass Etwas nicht ist. was es za sein scheint, z. B.: ״Das ist klaumerkees auch eine Antwort“. Was bedeudet in diesen beiden Ausdrücken das Wort ״kees“? Giebt es etwa noeh mehrere derartige Verbin־ dangen mit , keea“V C. in R. Damaskus. Zu Anfänge des 15. Kap der Genesis wird gesagt, dass Elieser aus דמשק (Damascus) der כ| משק (Verwalter) des Hauses war. Es scheint demnach, dass in dem Namen der Stadt der Ausdruck משק eine besondere Bedeutung hat, welch י genauer festgestellt zu werden verdient. Nacb der Ansicht des Herrn Levy in London ist der vollständige Name tür Damascus im 2. Buche der Chronik (auch schon im ersten: Cap. 18,5 u. •5.) enthalten, woselbst er als ללמשק mit eingeschobenen ך erscheint. Diese Form kann in der Ueborsetzung mit ״Ort des משק*‘ wiedergegeben werden. Letzteres Wort hat aber die Bedeutung von ״Trank-‘ ode.״ ׳Bewässerung^‘. Die Annahme dieser Deutung rechtfertigt sich nun durch die besondere topographische Lage der Stadt Damaskus. Um in den Bereich derselben zu gelangen, haben die von den vers! hiedensten Seiten sich ihr nähernden Reisenden eine dürre Wüste zu durchwandern. Die scharf abgegrenzte Oise von Damascus ist in orientalischen Reisewerken oft deutlich genug in folgender Weise geschildert: ״Die Vorderbeine des Rosses oder Kameeles stehen schon aut dem Saume des Wiesengrundes, während die Hinterbeine sich noch auf der trockenen Wüste befinden.“ Der Wasserreichtham in Damascus wird also schon in der Bibel angedeutet und bildet die charakteristische Eigentbümlichkeit dieser Gegend Die Lacalität mit dem erfrischen• den Trinkwasser “״משקה ist der Anziehungspunkt für den ermüdeten Wanderer und scheint passend durch die Benennung דרמשק bezeichnet zu sein. Die Elision des ך finden wir aber oft in Wörtern alten Ursprungs; z. B. כסא (Thron), welches dieselbe Bedeutung in dem chaldäischen כורסא hat; ferner חתם (Siegel) tur □חרט von חרט eingraben. Auch andere hebräische Wörter liefern den unumstösslichen Beweis für die Richtigkeit der Annahme, dass דמשק eine Abkürzung von! דרמשק ist. 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