Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 21. (23.5.1889)
- Date
- 1889-05-23
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wenden:חכר אינו מוציא מתחת ידו דבר שאינו מתוקן, und zwar ebenso inhaltlich mit Bezug auf die Gelehrsamkeit, über welche der Autor verfügt, als auch formell mit Bezug auf die pädagogische Methodik, denn ich setze voraus, dass man allgemein anerkennen wird, dass auch der akademische Lehrer Pädagoge sein muss, ja er muss es umsomehr sein, als er der Mühe überhoben ist, sich unmittelbar nach dem Unterrichte die Ueberzeugung zu verschaffen, dass sein Vortrag verständlich geworden ist, und als ihm die Gelegenheit gegeben ist, statt dessen, was seine Hörer bedürfen, die Detailergebnisse seiner Forschungen in den Vortrag zu verweben, oder darin überwiegend zur Geltung kommen zu lassen. Dieselben Vorzüge der Gründlichkeit und des pädagogischen Geschickes, welche ich Stracks hebräisoher Grammatik bei Besprechung der 2. Auflage dieses Buch in diesem Blatte (1886 No. 19) nachrühmen konnte, gelten auch von seiner in der Ueberschrift genannten biblischen Einleitung, welche als Separatabdruck aus der ״ Enoyclopädie der Theologie“ von Zöckler bereits in 3. Aufläge erschienen ist. Dieses Werk soll dem Studenten und überhaupt dem Fachmanne, ein Hilfsbuch positiver gläubiger Tendenz sein, und nimmt demgemäss gleich in der Einleitung die Stelle ein, dass die Theologie nur in ihrer evangelischen Bestimmtheit wissenschaftlich möglich ist. Damit wollen wir nicht reohten, denn wir achten jede Ueberzeugung, weil wir für die unsere auch Achtung verlangen. Obwohl heute, wo speciell die wissenschaftliche Theologie der Protestauten soweit entfernt ist von dem Standpunkte, welchen die Beformatoren eingenommen haben, ja, wo dieselbe deren Prinoipien vollständig verlassen hat, indem sie, welche sioh einzig und allein auf der heiligen Schrift auf baut, durch Geltenlassen der historischen Kritik den ihr nöthigen Boden der lnspirationsgläubigkeit verlassen hat und daher uns nicht mehr das Recht zu besitzen scheint, die wissensohaftliohe Theologie als durch das Christenthum bestimmt anzunehmen; doch davon später ein Näheres. Die Vorzüge des Buches bestehen in der schon gerühmten, klaren Uebersichtlichkeit, welche dasselbe über das seit 20 Jahren nicht mehr aufgelegte Buch von de Wette und über das in seiner Form mehr forschend als übersichtlich gehaltene Werk von Wellhausen — ich spreche von der vierten Auflage; die fünfte habe ich noch nioht zu Gesioht bekommen — und das ähnliohe von Abraham Eüenen stellen. Diese Uebersichtliohkeit kommt nioht nur der Brauchbarkeit des Buches für den Anfänger zu statten, sondern ausserdem, was ja auch sehr wichtig ist, ermöglicht der niedrige Preis jedem die Anschaffung und dann ist die Bibliographie eine 80 vollständige bis in’s Jahr 1888. hinein, dass sie auch dem schon eingeweihten Fachmanns Willkommenes bietet. Der Verfasser hat die beliebte Bezeichnung ״historisch-kritisch“ seinem Werke nicht beigelegt. Einen Grund hat er dafür nioht angegeben; ioh glaube auch mit Recht, denn auf der einen Seite 8011 einzig und allein der Leser entscheiden, ob das Werk des A.utor8 auf gesunder kritischer Grundlage aufgebaut ist, auf der andern Seite hatte auoh C. F. Keil ein Reoht, sein Lehrbuch der Einleitung kritisohhistorisch zu nennen, da er durch s9ine eigenartige Methode auf wissenschaftlichem Wege glaubt zu der Ueberzeugung gekommen zu sein, dass z. B. das Buoh Samuel von einem einzigen Autor herrühre, und ebenso, dass der historische Daniel, dessen Frömmigkeit der Prophet Ezechiel (14.14) gedenkt, das nach ihm genannte Buoh verfasst habe. In Kurzem: die Bezeichnung ״historisch-kritisch“ ist ein Urtheil und nur das Publikum hat ein Recht über ein Werk ein Urtheil abzugeben, der Autor aber darf ihm wohl den Namen, aber nicht zugleich eine lobende Recension in die Welt mitgebeu. Wenn man sonst die biblische Einleitung in der Weise, wie es E. Reuss gethan hat, als Litteraturgeschichte bezeichnet, so ist (loch einzuwenden, dass dieser Name die Sache niob t völlig deckt, denn die Litteraturgeschichte baut die kritische Würdigung der Werke, von welchem sie handelt, auf den bekannten Tbatsachen äusserer Natur als: Entstehungszeit, Person des Verfassers, Lebensverhältnisse desselben, Stndiengang, geistige Richtung eto. auf, die biblisehe Einleitung hingegen sucht gerade umgekehrt durch die litterarisohe Würdigung der Schrift die äussern Umstände ihrer Entstehung zu ermitteln und diese eigenartige Litteraturgeschichte verdient, wie ioh meinen sollte, auoh eine eigenartige Bezeichnung. Im übrigen sollte der schöne Grundsatz: in verbis simus faoiles iu solchen Fällen seine Geltung behalten. Es kommt bei dem Namen immer nur darauf an, dass man mit ihm einen bestimmten Begriff verbindet, so möohte ich die von Luther gewählte Bezeichnung, ״Hütte des Stifts“ für אוהל מועד nicht vermissen, wenn sie auoh heute unverständlich geworden ist, und ebenso wenig wird die Sündfluth zu beseitigen sein, wenn sie auoh auf einer falschen Volksetymologie beruht. In der Geschichte der Einleitungswissensohaffc beginnt Strack mit Origenes, hingegen sündet die Boraitha (Baba Bathra), welche sonst! in allen Einleitungen citiert und vor wenigen Jahren in musterhaft kritischer Weise von Marx herausgegeben wurde, keine Erwähnung, nur nebenbei wird bei der Geschichte der Pentateuchkritik erwähnt, dass die Synagoge und die alte Kirche den Pentateuch, theilweise die letzten acht Verse ausdrücklich aussohliessend, von Mose verfasst sein lassen. Trotzdem soheint mir, dass R. Josua ganz besonders Erwähnung deswegen verdient, weil er der erste war, der aus der Sohrift heraus Zeugnisse über ihren Ursprung suchte und sich mit der naiven Tradition nicht begnügte, indem er ganz unzweideutig erklärt, dass der Absohnitt, weloher von Moses Tod handelt von Josua herrühre. Ebenso wird Abraham ibn Esra’s Bedeutung für die Pentateuchkritik unterschätzt, indem der Verfasser (S. 19) von ihm sagt: ״Einzelne Stellen soheinen zwar sein Befremden erregt zu haben, dooh folgt aus seinen Aeusserungen nicht mit Sicherheit, dass er sie für nicht mosaitisch gehalten habe.“ Nun schreibt aber ibn Esra (5. Mos. 34.1) ausdrücklich: ״nach meiner Ansicht hat von diesem Verse an Josua geschrieben, denn nachdem Mose den Berg bestiegen hatte, konnte er nichts mehr geschrieben haben (im prophetischen Geiste hat er das geschrieben). Zum Beweise dessen heisst es: ״Gott zeigte ihm das ganze Land, Gott spraoh zu ihm etc. und er begrub ihn.“ Mit Ausnähme der eingeklammerten Worte, welche in den Zusammenhang nicht passen, und Glossen eines spätem Abschreibers sein müssen, lässt sich doch daran nioht deuteln, dass ibn Esra dieses Kapitel für nioht mosaisch gehalten habe. Auoh seine Aeusserung über (5. Mos. 1.2.) lässt deutlich erkennen, dass er die Worte: ״elf Tage sind von Horeb etc. ״für eine spätere Glosse hielt. Ganz besondeis aber wundert es mich, dass jemand der ibn Esra’s Bemerkung zu 1. Mos. 12.6, welche Strack citiert, gelesen hat, behaupten kann, diese Aeusserung lasse uns im Zweifel, ob ibn Esra die Stelle für nicht mosaisah gehalten hat. Ich will die Stelle in ihrem Wortlaute hierher setzen: ״Abraham zog im Lande umher, bis an die Stelle Sichems, bis zur Terebynthe Moreh’s und die Kananiter waren damals im Lande* Hierzu bemerkt Ibn Esra: ״wahrscheinlich hat Kanaan