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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-05-23 · N° 21. (23.5.1889) · p. Seite 82

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 21. (23.5.1889)
Date
1889-05-23
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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— 82 — darunter jenes sonderbare über die bestandene Reli- \ gionsprüfung. Das Jahr 1818 brachte den gewaltigen Um- . schwung, aber erst nach 1859 und 66 war der Einfluss der Feudalen und Kirchlichen gebrochen; neuerdings hat das Unkraut des Antisemitismus in Wien den günstigsten Boden gefunden. Wolf berichtet! davon mit tiefem Schmerze, und dabei hat erst nach! Abschluss dieses Buches der Judenhass Gelegenheit i bekommen zu zeigen, wie tief er das Volk vergiftet hat. j Gern verweilt der Verfasser bei dem erfreulichen Bilde, wie die Wiener Gemeinde aus kleinen An- I fangen sich emporgehoben, wie sie durch Mannheimer : und Sulzer einen mustergiltigen Gottesdienst ge-! schaden hat, wie Jellinek und Güdemann der Kanzel und dem Rabbiuat durch Beredsamkeit und Gelehrsamkeit Glanz verleihen. Auch die Vorstände der Wiener Gemeinde haben zweifellos grosse Verdienste um das Aufblühen der Schulen und Wohlthätigkeitsanstalten, um den Frieden zwischen den religiösen Parteien, Wolf widmet den einzelnen Persönlichkeiten ausführliche Schilderungen. Bekanntlich verträgt und leistet der Oesterreioher im Allgemeinen ein weit grösseres Mass von Schmeichelei und "Weihrauch als der Norddeutsche. Der Norddeutsche ist etwas steifnackig, der Oesterreicher ist, wie es scheint, mit einem elastischem Rückgrat ausgestattet. Daraus ist es' zu erklären, wenn der Verlasser für unser Gefühl manchmal den Mund recht voll nimmt zum Ruhm einzelner wackerer Leute; ״ländlich,! sittlich“, im Norden würde es schon nicht mehr für ganz ״sittlich“ gelten, so lebhaft Lebende zu loben. Wolf hat ein interessantes, besonders an Wissenswertheu Einzelheiten sehr reiches Buch geschrieben, für das ihm der Historiker, wie der gebildete Leser überhaupt zu Dank verpflichtet ist. Ueber die Gedichte Walthers von der Voaelweide. il.. ' Von Dr. S. Gelb haus, Rabbiner zu Nordhausern (Fortsetzung) 40. 20, 3. 4. V il wol gelobter got, wie selten ich dich priae! sit ich von dir beide wort hän unde wise. Vergl. Jesajas 50,4: ״Der Herr mein Gott verlieh mir eine gelehrige Zunge, den Verstand den Müden mit Worten zu stärken.“ 11. 26,13—15. Die wUen r&tent, swer ze himelriche welle, daz er 6 vil wol bewarte und ouch bestelle den wec, daz ieman drüfte habe der in her wider veile. In der rabbinischen Litteratur sind derartige Lehren wie diese nicht selten: יעקב אומר p ר׳ אליעזר העושה מצוד■ אחת קונה לו פרקליט אחד והעובר עברה אחת אחת קונה לו קטנור אחד. תשובה ומעשים טובים כתרים בפני ״ הפורענות.R. Elieser b. Jacob pflegte zu sagen: Wer ein Gebot ausübt, verschafft sich dadurch einen Fürsprecher, wer eine Sünde begeht, verschafft sich einen Ankläger. Busse und mildthätige Werke sind ein Schild gegen Strafe.“ Abot 4.13: ר־ יעקב אומר העולם הזה דומה לפרוזדור בפני העולם R. Jacob .הבא התקן עצמך בפרוזדור כדי שתכנם לטרקלין pflegte zu sagen: Diese Welt ist wie eine Halle zur künftigen Weit, bereite dich in die Halle vor um in den Palast eiugehen zu können.“ Das. 21. Hierher gehört auch noch folgende Erzählung: מעשה במונבז המלך שבזבז אוצרותיו ואוצרות אבותיו בשני בצורת, וחברו עליו אחיו ובית אביו אמרו לו אבותיך גנזו אוצרות והוסיפו על של אבוחס ואתה בזבזת אוצרותיך ואוצרזת אבותיך. אמר להם אבותי גנזו איצרות למטה ואני גנזתי אוצרות למעלה כו. אבותי ננזו במקום שהיד שולטת בו ואני ננזתי במקום שאין הד שולטת בו. ״Es wird vom König Munbaz erzählt, dass er während der Zeit einer Hungersnoth seine Schätze und diejenigen seiner Ahnen vertheilt hat. Da rotteten sich seine Brüder und die Angehörigen seines Vaters zusammen und sprachen zu ihm : ״Deine Väter legten Schätze an und vermehrten noch die ihrer Väter, du aber verschleuderst deine Schätze und die deiner Ahnen. Da erwiderte er ihnen: ״Meine Väter verbargen die Schätze ״unten“, ich aber verbarg sie ״oben“ etc. Meine Väter legten sie an einen Ort, wo Hände Zugang haben, ich legte sie an •inen Ort, wo keine Hände Zugang haben.“ (Baba Bathra 11.) Diese Ansicht findet man auch in den neutestamentlichen Schriften. — 42. 2S, 28. 2!). Wan mnegens in raten daz si läzen in ir kragen, ir valsche gelübde 011 nach gelübde niht versagen. Prediger 5.4: ״Besser ist, dass du nicht gelobest, als dass du gelobest, ohne es zu halten.“ 43. 29, 25—28. Ich trunke gerne da man bi der maze schenket, und da der unmäze nieman iht gedenket, sit si den man an libe an guot und an den gren krenket, si schät ouch an der sele, hoere ich jehen die wisen. Dieses Gedicht ist gegen die Unmässigkeit Otto’s gerichtet. Pfeifer bemerkt hierzu (Ausgabe S. 251): ״Hier ist es nicht mehr die Umgebung des Kaisers, sondern Otto selbst, über den der vielfach von ihm getäuschte Diohter die volle Zorasohale ausgiesst. Seine Zeitgenossen schildern ihn zwar als tapfer, ja tollkühn, daneben aber als sittenlos, roh, undankbar und grausam. So tritt uns sein Bild auch aus den folgenden, nur wenig verhüllten Sprüchen entgogen. In dem ersten lobt Walther die Massigkeit, indem er die Nachtheile der Unmässigkeit, namentlich der Trunksuoht hervorhebt, die zu frevelhaftem Thun und ungebührlichem Benehmen gegen die Gäste verleite.“ In dieser Auffassung erscheinen die obigen Strophen als eine Reproduotion folgender Sätze: ״Nicht den Königen Lamuel, nicht den Königen ziemt es Wein zu trinken, nicht den Fürsten ziemt starkes Getränk. Sie möchten trinken und das Gesetz vergessen und verändern das Recht der armen Leute. (Spr. Sal. 31, 4.5.) 44. 30,12.13. Mir griulet, 85 mich lach ent an die lechelaere, den diu zunge honget und daz herze galten hat. Denselben Sinn enthält der Satz Jeremias 9.7: ״Ein mörderischer Pfeil ist ihre Zunge, Trug redet sie; mit seinem Munde redet man mit dem Nächsten friedlich, aber im Innern lauert man auf ihn.“ 45. 30, 19 Sit got ein rehter rihter heizet an den buochen. Walter bezieht sich auf Psalm 98.19: ״Vor Gott, der kommt die Welt zu riohten, er richtet die Welt mit Gerechtigkeit und die Völker mit Reoht.“ (Vergl. Psalm 96.13.) 46.31,2. Gewissen friunt, versuoctiu swert, sol man ze noeten sehen. Dem ersten Theil dieses Sprüohwortes liegt der Ausspruoh zu Grunde: .״ אח לצרה יולדEin Bruder (Freund) ist für die Noth geboren.“ (Sprüche Sal.) 47. 31, 3. Ich wil niht m& den ougen volgen noch den sinnen. Dieses ist eine biblische Redeweise: ״Und ihr sollet nicht umherspähen nach eueren Herzen und naoh eueren Augen.“ (Numeri• 15.39.) 48. 31,4—6. Diu rieten mir an zwei, daz ich diu solde minnen: diu waren äne valsch gewohrt beidiu uzen, unde ouch innen da wart ein wenec in geleit, daz was niht staete. Die Unzuverlässigkeit der Freunde, von der der Diohter berichtet, schildert der Psalmist mit den | Worten: ״Auch mein Freund, auf den ich vertraute, der mein Brod ass, erhob über mich die Ferse.“ (Psalm 41.10.) (Fortsetzung folgt.) Recensionen. Strack״ Br. Herrmann L., Professor. Einleitung in das alte Testament. Nördlingen. Beck 1888. Auf alle Werke, die aus der fleissigen Feder Stracks fliessen, kann man das talmudisohe Wort an-

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