Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 19. (9.5.1889)
- Date
- 1889-05-09
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492408-5990870-5991268--1707-5368639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
der Ewige, dein Gott segne in allen Werken deiner Hände.“ (Deuteron. 14,28.29.) die rabbinischen Lehrer erklären das ähnliche Gebot (Vers 22 das.) dnroh den Ausspruch: ״Ver zehnte, damit du reich werdest.“ (Sifre zur Stelle.) 21. 19,37—20, 1—3. Wol üf, swer tanzen nelle näch der gigen! mir ist miner 9were buoz: erste wil ich eben setzeD minen fuoz und wider in ein höhgemüete stigen. Der ganze Ton dieser Verse erinnert an Jesajas C. 35, 1. 3. 6. Man beachte folgende Sätze: יששום מדבר וציה ותפרח כחבצלת. ,Es freuet sich die Wüste und die Einöde.“ .חזקו ידים רפות וברכים כושלות אמצו Stärket die schlaffen Hände und machet fest die wankenden Kniee.“ .אז ידלג כאיל פסח ותרון לשק אלם ,Dann wird der Lahme wie ein Hirsch hüpfen und die Zunge des Stummen wird Gesang anstimmen“ 22. 20, 17. 18. Wie manic gäbe ist uns beschert von dem der uns üz nihte bät gemachet! Vergl. Psalm 145.16: ״Du Öffnest deine Hand und sättigst alles Lebende mit Wohlgefallen.“ 23. 20, 19. Dem einen git er schoenen sin. Vergl. folgende Sätze: ״Denn dem Menschen, der ihm gefällt giebt er Weisheit und Kenntniss.“ (Prediger 2.26.) ״Er giebt Weisheit den Weisen, und Wissenschaft den Wissenskundigen.“ (Daniel 2.21.) 24. 20, 20. 21. Dem andern guot unt den gewin, daz er sich mit sin selbes muote swachet. Vergl. Prediger 5.12 : ״Es ist eine böse Plage, die ich unter der Sonne sah, Reichthum der seinem Besitzer zum Unheil auf bewahrt wird.“ 25. 20, 27—30. Swer sich ze guote alsd verpflichtet daz er der beider wirt entwert, dem habe oucb hie noch dort niht lönes märe, nan 81 eht guotes hie gewert. Diese Strophen hängen mit der Ansicht za- 8ammen, dass grosse Genüsse und Reiohthümer hinieden als eine Abschlagszahlung für den zu beanspruchenden Lohn in der künftigen Welt anznsehen sind. Diese Meinung drückt die Erzählung von Rabbi Chamna b. Dosa aus, der einen dreifässigen goldenen Tis oh, welcher ihm von unsichtbarer Hand gegeben wurde, ausschlug, um im Jenseits nicht zurückgesetzt zu werden. (Taanit 25.) Rab Josef wies einen sich ihm darbietenden leiblichen Genuss mit den Worten von sich: ואי אשכיי כסא אחרינא הואי מסתפינא דלמא מנכו ״ לי מזכותא דעלמא דאתי•Wenn ich den zweiten Becher getrunken hätte, so müsste ich befürohten, dass man mir dieses von meinem Lohnanspruoh in der zukünftigen Welt abziehen würde.“ (Sabbat 140.) Walther will, dass nioht nur dort, sondern sogar ״hier“ sohon dem Reichen der nach Gottes Huld und Ehre nicht begehrt, der Lohn unvermehrt bleibe. — (Fortsetzung folgt.) Recensionen. Heinsberg, Dr. Leopold: Der Mikrokosmos ein angeblich im 12. Jahrhundert von dem Cordu- Lenser Josef Ibn Zaddik verfasstes philosophisches System nach seiner Echtheit untersucht. Breslau, 1888. (Verlag von Wilhelm Koebner.) (Fortsetzung.) Aher Herr Dr. Weinsberg vermag die Wahrheit dieses historischen Hintergrundes nicht anzuerkennen, indem er hinweist auf den festlichen Empfang des Jehuda Halevi durch Ibn Zaddik in Cordowa, als der Erstere sich auf dem Zuge in das heilige Land befand. Damals habe Ibn Zaddik in einem schwungvollen Gedichte Jehuda Halevi verherrlicht mit den Worten: .״ יצודד הנפשות רק לרצוןDir weihen willig sich die Seelen alle“ (.Kämpf). Wie könne man nun bei einem solchen Lobe, das aus dem Munde j Ibn Zaddiks erklingt — meint Herr Dr. Weinsberg — und bei dem dichterischen Dankesgrusse Jehuda Haievi’s, der da sang: ... וגם כי שמשכם כפה מאורי ״Vor eurer Sonne schrumpft mein Mond zusammen“ von einer ,entnervten Generation“ reden, die Ibn Zaddiks Tadel im Mikrokosmos herausforderte? Aber wir fragen: Ist die poetische Uebertragang des Verses יצודד הנפשות רק לרצק eine wortgetreue Wiedergabe des hebräischen Textes, dass sie für uns den Werth einer historischen Quelle haben sollte, wie sie Herr Dr. W. als solche erachtet? Deckt sich der Inhalt dieses Verses ganz mit den Worten: ״Dir weihen willig sich die Seelen alle“(?). Wenn Ibn Zaddik von Jeh. H. dieses Lob singt, sohliesst er hier die ganze Cordubenser Gemeinde in allen ihren Schichten ein, oder meint er nur einen kleinen Kreis von Auserlesenen, die ein Verständniss besitzen für die geistige Grösse Jehuda Haievi’s, für den Gehalt and den Werth seiner diohterisohen Erzeugnisse, für die heilige Sehnsucht, die denselben nach dem Lande der Väter zog? Wir erhoffen es von der Wahrheitsliebe des Herrn Weinsberg, dass er dieses erste Argument gegen die Autorschaft des Ibn Zaddik, das sich auf Kämpf’s poetisohe Uebertragung stützt, von selbst ganz und gar fallen lassen werde, wenn wir ihn beispielsweise noch hinweisen auf einen Bericht Maimuni’s, der za einer Zeit, da sein More Nebuohim schon in weiten Kreisen des Jüdenthums begeistertes Lob gefunden hatte, Klage führen muss über das hämische und dünkelhafte Gebahren einzelner Männer in seinem Aufenthaltsorte gegenüber seinem More und — über die geistige Inferiorität, die sich bei der grossen Menge kundgebe.*) Aber das Lob, das Josef Ibn Zaddik dem J. H. singt יצודד הנפשות רק לרצון) erweist es sioh bei näherer Betrachtung nioht zugleich auch als eine Anspielung auf den Fanatismus der Almoraviden, welohe die Juden zur* Annahme des Islam zwingen wollten? Herr Dr. Weinsberg vermag freilich diese historische Thatsaohe, diesen emporlodemden Fanatismus nioht zu vereinbaren mit den Worten Ibn Zaddiks im Mikrokosmus naoh welchen jedes Volk bestrebt sei, sich philosophisches Wissen anzueignen. Aber Herr Weinsberg citirt uns diese Stelle bei Ibn Zaddik nicht in ihrem vollen Wortlaute, da sie dann eine ganz andere, mehr historisch? Bedeutung gewinnt: ואנחנו מוצאים האומות לפי חילוק לשונותם וריחו ה מושכותם כל אומה ואומה תשתדל לקנות חכמה (Mikr. S. 40 und 41). Die Worte לפי חילוק לשונותם וריחוה מושבותם hat Herr Weinsberg in seinem Ci täte weggelassen, während Ibn Zaddik auf diese Worte das Hauptgewicht legt. Sollte dieser in so mancherlei philosophischen Systemen bewanderte Denker ob der vorübergehenden Phase des Glaubenszwanges, die auch Jehuda Halevi als solche bezeichnet, den philosophischen Bestrebungen, die er bei den einzelnen Nationen wahrgenommen, Gerechtigkeit nioht widerfahren lassen? Es würde vielmehr unsere gerechte Verwunderung erregen, wenn selbst der augenblioklieh schwer empfundene Fanatismus ihm den historischen Blick und das objeotive Urtheil getrübt hätte. (Schluss folgt.) *) דע כי יש הנה עמי כעיר אנשים אשר אין להם שם כל ואפילו בעיר ולא מעלה ודא יכולת ותגיע להם מן חקנאה והתחרות שלא רצו להביט ולא לעיין בזה החבור הנדול כלל ולא ראו אותו לעולם כדי שלא יאמר להם שקבלו תועלת בחבור פלוני והם בפחות מעלה מדה מאוד כלמוד ובחכמה והם הולכים בשרירות לבם כמו שאר המק העם הפחותים והם עם הזמן מגששים מיר כאשר מגשש העור באפלה ... (Brief Maimuni’s an seinen Schüler Josef Ibn Aknin. Lichtenberg קוק תשוב־ הרמבם u. Theii. s. 30 b.)