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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-05-09 · N° 19. (9.5.1889) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 19. (9.5.1889)
Date
1889-05-09
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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ebenmässig zu gemessen haben und soll Er und die seinigen sich alles verbethenen Kauffens und Verkauffens enthalten, auch sich sonst überall geleitlich betragen, die Landes onera soll Er gleich anderen Unsern Unterthanen gebührendt entrichten, von dem Leibzoll aber, welchen sonst alle andern Juden im Durchreisen erlegen müssen, soll er gleich dem hiesigen Rabbi Simon Berend befreyet sein. Wann Criminal-Sachen vorfallen, soll er sich darin aller Jurisdiction enthalten und dieselbe an Unsere Regierungen oder die Obrigkeiten jedes Ohrts gelangen lassen, sich auch im übrigen in den Schranken seines Ambts, wie auch sonst allenhalben friedtundt geleitlich verhalten, Welchenfalls Vorgemeldete Unsere Regierungen und Obrigkeiten jedes Ohrts denselben bey seinem Ambt gebührendt Schutz zu leisten. Uhrkundlich unter Unserer eigenhändigen Unterschrift und aufgedrucktes Gnadensiegel. So geschehen und gegeben zu Cölln an der Spree, den 29. December 1692. Friedrich L S. Dankeimann. Dr. Güdemann sowohl als auch Dr. Auerbach scheinen hei der Bearbeitung ihrer bezüglichen Monographien (Zur Geschichte der Juden in Magdeburg und Geschichte der israelitischen Gemeinde Halberstadt) keine Kenntniss von dem obigen Schriftstück gehabt zu haben. In der letzteren Schrift heisst es S. 39: ״Im Jahre 1693 entzog der Kurfürst (Friedrich III.) den Juden auf Vorstellung des Domcapitels und Magistrats zu Halberstadt den bisherigen privilegirten Gerichtsstand. Bis dahin hatten die Rabbiner das Recht, Civilprozesse und leichte Criminalfälle der Juden zu schlichten und ihre Rechtserkenntnissc zu executiren.“ Wir wissen nicht, auf welche Quellenurkunde diese Behauptung zurückzuführen ist, jedoch dürfte nach dem Inhalt obigen Schriftstückes Auerbachs Auffassung bedeutend modificirt werden. Magdeburg. M.Spanier. lieber die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Von Dr. S. Gelbhaus, Rabbiner zu Nordhausern (Fortsetzung) 7. 10, 26—27. Solt ich den ptaflen raten an den truiwen min, so praeche ir haut den armen zuo ״se <iaz ist diu“. Dieses erinnert an den Ausspruch in Abot 5.13. :״ שלי שלי ושלך שלך זו מדד. בינוניתWas mein ist gehört mir und das Deinige gehört dir.“ Das ist die Weise der Mittelklasse.“ 8. 11,13—15. Ir spräcbent: ״swer dich segne, 8i gesegnet, swer: dir fluoche si verfluochet mit fluoche volmezzeu.“ Dieser Satz ist eine wörtliche Uebersetzung von Numeri 24.8: ״Wer dich segnet sei gesegnet, und wer dir fluchet sei verflucht.“ . 11, 84. 35. Ir wellet übel oder wol, so mac si beidiu rechen unde Ionen. Ein in der Bibel häufig vorkommender Gedanken. Vergl. Jesajas 3.10: ״Denn die Frucht ihrer Werke werden sie gemessen.11 10. 12, 8. Ir habt die erde, er hat daz himelriche Vergl. Psalm 115.16: ״Die Himmel sind des Ewigen, die Erde aber hat er gegeben den Menschenhindern. “ 11. 12, 30. Got git zo kuneges wen er wil. Vergl. Hiob 36.7: ״Er setzte die Könige auf den Thron, dass sie immer erhöhet bleiben“ ״Er setzt Könige ab und setzt Könige ein.“ (Daniel 2.21.) Vgl. den Hymnus ״Haoches bejad“:הממליך מרכיב ולו המלוכה ״Er setzt Könige ein und ihm gehört die Herrschaft.“ 12. 13,12—17. Owe ez kumt ein wiut daz wizzent sickerliche da von wir hoeren beide singen unde sagen: der 801 mit grimme ervaren elliu künecriche. daz hoere ich wallere und pilgerine klagen: boume, türme ligent vor im zerslagen: starken liuten, waet erz houbet abe. In dieser Klage klingen folgende Verse zusammen ״Dieses erzählet eueren Kindern und euere Kinder den ihrigen und ihre Nachkommen dem spätem Gesohlecht.“ (Joel 1.3.) ״Der Herr, im Wetter und Sturm ist sein Weg und unter seinen Füssen eine Staubwolke. Basan und Karmel verschmachten, und die Blüthe Libanons vertrocknet. Es zittern die Berge vor ihm und die Hügel wanken. Es bebt vor ihm die Erde, die Welt und Alles was sie erfüllt.“ (Nahum 1, 3—5.) 13. 13, 19. 20. Owö wir müezegen liute, wie sin wir versezzen zwischen zwein ir&iden nider an die jinnerlichen statl Vergl. Sprüche Salomons 6. 9. 10. ״Wie lang Müssiggänger wirst du liegen, wann wirst du aufstehen von deinem Schlaf. Ein wenig noch schlafen, ein wenig noch schlummern, ein wenig noch die Hände zusammen schlagen beim Liegen.“ — 14. 13, 26—20. Owe der wise die wir mit den Grillen sungen dö wir uns solten warnen gegen des kalten winters zit! daz wir vir tumben mit der äraeizen niht rungen, diu nu vil werdecliche bl ir arebeiten lit! Diese Verse sind eine Umschreibung folgender Sätze: ״Geh’ zur Ameise du Fauler, betraohte ,ihre Wege und werde weise. Sie hat keinen Fürsten, keinen Aufseher und Regenten. Sie bereitet dooh ihr Brod im Sommer, sammelt zur Erntezeit ihre Nahrung.“ (Sprüche Salomons 6. 6. 8.) 15. 14, 8. 9. Minne ist aller tugende ein hurt: Ine minne wirdet niemer herze rehte frö. Vergl. Hohes Lied 7.7: מד, יפיח ומה נעמת אהבה ״ בתענוגים.Wie schön und lieblich bist du 0 Liebe unter den Hochgenüssen.“ 16. 14, 88—15,1. Allererst lebe ich mir werde, sit min sündic onge siht daz höre laut und ouch die erde der man vil der eren giht. Von einer gleichen Sehnsucht nach dem heiligen Lande war Jehuda Ha-Levi (1085)*der Dichter der Klagelieder ״Zion“ in den Kinot erfüllt: מי יעשה לי בנפום וארחיר, נדוד. אנוד לבתרי לבבי בק בתריך, אפול לאפי ״ עלי ארצך, וארצה אבניך למאוד ואחונן את עפליך.o hätte ich Flügel, ich würde mit dahin ziehen, ich würde dahin ziehen zu deine Trümmern, mit meinem Antlitze zur Erde fallen, deine Steine umarmen und deine Erde küssen.“ 17. 15, 6. Schoeniu lant rieh unde here. Aehnlioh der Ausruf Jehuda Ha Levi’s: ציון עטרת ״ צבי שמחת המוניך.Zion, du herrliche Krone, Wonne deiner Schaaren.“ — 18. 15, 7. 8. Swas ich der noch bän gesehen, so bist duz in aller öre. Vgl. die Worte:.״ שנער ופתחם חיערוך בגדלםKönnen Sinean und Patros sich dir gleich stellen trotz ihrer Grösse“. — 19. 15, 9. ־Was ist Wunders hie geschehen! Aehnlich: .במרום אשר נגלו אלהים לחוזיך וציריך ״Der Ort, an dem sioh Gott offenbarte deinen Sehern und deinen Boten.“ 20. 17, 3—6. Der rnilte Ion ist 85 diu sät, diu wünecliche wider gät dar nach man si geworfen hat: wirt von dir miltecliche. Folgende Sätze dürfen als die Grundlage dieser Verse betraohtet werden: ״Naoh dem Ende von drei Jahren sollst du herausuehmen jeden Zehnt deines Erträgnisses desselben Jahres und sollst ihn in deinen Thoren niederlegon. Und da wird kommen der Levit der keinen Antheil und Erbe bei dir besitzt, und das Waisenkind und die Wittwe die in deinen Thoren weilen, und essen und sich sättigen, auf dass dich

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