Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 18. (2.5.1889)
- Date
- 1889-05-02
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 71 — # 4 % ״Der König der Waldthiere ist der Löwe, der der König der Hansthiere ist der Stier, der König der Vögel ist der Adler.“ (Vergl. meine Schritt: Ueber Stoffe altdeutscher Poesie 35.) Eine Berührung mit der Beineke-Fuchssage kann nicht angenommen werden, weil in Walters Gedichten nicht die geringste Spur auf eine Bekanntschaft mit dem Thierepos hinweist. 6) 10, 1-8. .... Mehtiger got, du bist so lanc und bist 80 breit: gadaeht wir da nach $az wir unser arebeit niht verlürn! dirst ungemezzen mäht und ewekeit. ics weiz bi mir wol daz ein ander ouch dar umbe trabtet so ist ez, als ez ih was unseren sinnen unbereit, dü bist zu gröz, db bist ze kleine, es ist ungahtet. turnber gouch, der daran betaget oder benähtet! wil er wizzen daz nie wart gepredjet noch geptahtet. Dieser Hymnus erscheint fast fremdartig in der Mitte der andern Lieder Walters. Die philosophische Tiefe des Grundgedankens muss bei einem Dichter verwundern, der die concretesten Objecte zu seiner Behandlung wählte. Jedenfalls gehört das Gedicht in die letzten Lebensjahre Walters, in denen seine Phantasie durch die Erfahrung eines langen ereignisreichen Lebens geläutert, einen Flug zu übersinnlicher Spekulation nahm. In seiner leitenden Idee erinnert aber das Lied an das Kether malchut des Salomon ben Gabiroi. .רך הגבורה אשר בסודה נלאו רעיוננו רעמוד כי עצמת ממנו מאוד. לך חביון העיז הסוד והיסוד ״Dir gehört die Macht, in deren Geheimniss zu dringen unsere Gedanken ermüden. Denn du bist unvergleichlich stärker als wir. Bei dir ist der Schleier die Kraft des Geheimnisses und des Grundes.“ Die Worte: ״ich weiz bi mir wol daz ein ander dar umbe trahtet“, stimmen zu dem Ausdrucke: נפלאים ״ מעשיך ונפשי יודעת מאוד•Wunderbar sind deine Werke und ich weiss es gar wohl“. Den Worten: ״turnber gonoh, der dran betaget oder benähtet“, entspricht der Safz: ובחכמתך נבער כל אדם מדעת ״Was deine Weisheit betrifft, 80 ist jeder Mensch einfältig, um sie zu begreifen.“ Auch mit dem Schir ha jichud hat das Lied einige Verwandtschaft. Die Worte: ״dü bist 86 lanc und bist so breit“, entsprechen dem Satze: אץ לך סובב ואין לך פאה ״Du hast keinen Anfang und du hast kein Ende.“ Der Ausdruok: ״du bist zu klein“, entspricht dem Satze: ■ואץ מקום דק ממך נחדל ״Auch der allerkleinste Baum ist von dir nicht unerfüllt.“ W. Williams weist in seiner Ausgabe S. 826 auf Prediger 8—16 hin. (Fortsetzung folgt.) Iitteratur bericht. Recensionen. Weiusberg, I)r. Leopold: Der Mikrokosmos, ein angeblich im 12. Jahrhundert von dem Cordubenser Josef Ibu Zaddik verfasstes philosophisches System nach seiner Echtheit untersucht. Breslau, 1888. (Verlag von Wilhelm Koebner.) Die historisch-kritische Untersuchung, welche der Herr Verfasser in der uns vorliegenden Schrift unternommen hat, will den für Kenner der jüdischen Beligionsphilosophie gewiss überraschenden Nachweis liefern, dass Josef lbn Zaddik keineswegs der Verfasser des von Jellinek im Jahre 1854 edirten Werkes!ספר עולם הקט sei. Zweifellos erweckt die Begründung eines solchen, nach der Meinung des Herrn Dr. Weinsberg gesicherten Ergebnisses, das immerhin für die Geschichte der jüdischen Beligionsphilosophie von hervorragender Bedeutung wäre, ein erhöhtes Interesse und der umfassende gelehrte Apparat, den der Herr Verfasser für die allseitige Sicherstellung seines Ergebnisses aufbietet, erscheint, für den ersten Augenblick wenigstens, gleichsam als eine Bürgschaft dessen, dass wir es hier nicht etwa mit einer Hypothese gewohnlichen Schlages zu thun haben, sondern mit dem Besultate einer auf den umsichtigsten Erwägungen gegründeten Forschung. Der Herr Verfasser begnügt sich in dieser Schrift mit dem Nachweise dessen, dass Josef lbn Zaddik nicht der Autor des ״Mikrokosmos“ sein könne, im Uebrigen hüllt er sich in ein geheimnissvolles Dunkel; nicht mit einem einzigen Worte weist er auf eine bestimmte Persönlichkeit hin, welcher er die Vaterschaft des עולם קטן vindioiren will; er kündigt uns nur das baldige Erscheinen zweier von ihm verfassten Schriften an und sagt: ״In der einen gebe ich die Data zur Ermittelung des wahren Autors des Mikrokosmos, in der anderen handle ich über die Karäer.“ Wir hätten jedoch im Interesse des Herrn Verfassers gewünscht, dass er uns in einer einheitlichen, zusammenhängenden Dar- Stellung auch die positiven Ergebnisse seiner Forschung bekannt gegeben hätte; vielleicht wohnt den später vorgeführten Argumenten, die einen anderen, als Ihn Zaddik als Autor in den Vordergrund treten lassen, eine überzeugendere Kraft inne, als denjenigen Beweisen, die Herr Dr. Weinsberg in der vorliegenden Schrift darbietet, die wir sammt und sonders als — unzulänglich für den Erweis seiner Hypothese bezeichnen müssen. Wie gross und weitläufig auch der gelehrte Apparat ersoheint, den der Herr Verfasser für die allseitige Begründung seiner Annahme aufbietet und wie anerkennenswerth auch das Streben nach Objectivität ist, dessen sich Herr Dr. Weinsberg in seiner Darstellung befieissigt, so müssen wir es zunächst als einen wesentlichen Mangel in seinen Ausführungen bezeichnen, dass er die gelehrte Anzeige des lbn Zaddik’sohen Werkes von Bernhard Beer in Frankel’s Monatsschrift 1854 ganz und gar unberücksichtigt gelassen hat. Diese, wenn auoh nioht in allen Punkten zutreffende, doch in den Hauptpunkten der Wahrheit entsprechende Abhandlung Beer’s durfte dem Herrn Verfasser keineswegs unbekannt sein, zumal auch Jost und Joel dieselbe in verdienter ehrenvoller Weise erwähnen. Der Erstere in seinem Werke: ״Gesohichte des Judenthums und seiner Secten“ Abtheil. U. S. 418 Anm. Der Letztere in seiner Abhandlung: ״lbn Gebirols Bedeutung für die Geschichte der Philosophie“ S. 29 Anmerk. Die Anzeige Beer’s ist dann auch im besonderen Abdruck erschienen, Leipzig 1854, und wir oitiren nach derselben. Bei objectiver Würdigung der Ausführungen Beer’s hätte Herr Dr. Weinsberg unter Anderem sich vielleicht nicht der Mühe unterzogen, aut mehr als zehn Seiten die Behauptung zu widerlegen, dass der Verfasser des Mikrokosmos nicht den ״lauteren Brüdern“ folgen könne, wie er dies zur Begründung seiner Annähme zu thun sich genöthigt sieht. Beer sagt nämlich auf S. 8: ״Dem Verfasser (lbn Zaddik) war es nioht um die Darlegung eines bestimmten philosophischen Systems zu thun, sondern er hatte mehr die rein praotisohe Absicht, seine Zeitgenossen vom materiellen Indifferentismus, worin sie versunken zu sein schienen, zur geistigen Theilnahme an allem Höheren und Sittlichen herüberzuleiten. Daher ist er auch in manoher Beziehung Eklektiker.“ Diese letztere Bemerkung Beer’s ersoheint uns in sofern ungenau, als aus dem Tone der mehr aphoristischen Behandlungsweise der einzelnen Materien im ״Mikrokosmos“ deublioh hervorgeht, dass sein Autor mehr über jedes Einzelne zu sagen weiss, als er vorzuführen für nethig erachtet. Wenn lbn Zaddik auch in der