Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 18. (2.5.1889)
- Date
- 1889-05-02
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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70 — Religion wurde abgeworfen, sobald sie sich ausserhalb des Bereiches ihrer Spione sicher glaubten. Die ungarischen Sebbatarianer waren das gerade Gegentheil der spanischen Marranen, auch in Hinsicht auf die Massregeln, welche man gegen sie in Anwendung j brachte. Maria Theresia hatte ein ganzes Heer Franziskaner Mönche zu ihrer Bekehrung aufgeboten. Zur Zeit des Toleranz-Edikts unter Kaiser Franz , Joseph I. hatten sie neue Leiden zu ertragen und j mancher, der sich zum Widerstand zu schwach fühlte, kehrte in den Schooss der Kirche zurück. Nach und nach erlagen die alten Dörfer und Ansiedlungen der Sabbatarianer der Flutli des Zeitstromes Nur einige I kleine Eilande erhielten sich inmitten des Oceans und unter diesen das Dorf ״Bozod-Ujfalu“. Endlich ן schienen die Wolken sich zu zerstreuen. Im Jahre I 18155 ei hielt Ungarn eine neue Constitution, welche die Glaubens- und Gewissensfreiheit wenigstens auf dem Papier garautirte. Die harmlosen Bauern glaubten deren Verheissungen; doch kaum hatte!! sie sioh öffentlich zum Judenthum bekannt, als ein neues Gesetz (18(59) nicht allein den Uebertritt zum Judenthum untersagte, sondern auch jede Form des äusserliehen Geremonienwesens. übschon mit Geld- oder Leibesstrafen bedroht, blieben die äabbatarianer dennoch standhaft. . Als der Richter den Samuel Kovacs, Vater des heutigen Vorstehers fragte, warum er noch im Alter ,von 72 Jahren sich zum Judenthum bekehrt hatte, antwortete dieser: ״Ich bin immer Jude im Geheimen gewesen". Als der Richter sich dann an dessen Frau Sara mit der Frage wendete: ״Wer hat dich überredet, die neue Religion zu bekennen?" antwortete diose: ״Gott der Allmächtige 1“ ״Und wer hat dich mit ihren Lehren bekannt gemacht?" ״Ich kannte sie schon von Alters her. Wir sind seit Jahrhunderten in der jüdischen Religion unterrichtet worden.“ — Und in dieser Religion leben sie, an ihr hangen sie mit aller Inbrunst und Liebe als treue Kinder des Gesetzes. So hatte der Redner diese Secte gefunden und so hatte er sie wieder verlassen. “ j Auf diese hochinteressanten Mittheilungen aus j dem mit grossem Beifall aufgenommenen Vorträge j des gelehrten Redners seien ganz besonders unsere jüdisohen Geschichtschreiber aufmerksam gemacht; denn in solcher Ausführlichkeit bringt kein jüdisches Ge8chiohtswerk etwas über diese Secte, auch in P. Beer’s ״Geschichte aller religiösen Secten der Juden“ sucht man vergebens etwas darüber. Für die Zuverlässigkeit der Mittheilungen bürgt uns der Name des verehrten Redners, der sich durch die Klarlegung dieser dunklen Partie in der jüdischen Geschichte den Dank aller Freunde derselben verdient hat. Ueber die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Vou Dr. S. üelbhaus, Rabbiner zu Nordhausern (Fortsetzung.) Schon Franz Pfeifer und W. Wilmanns machen in ihren Erklärungen auf einige Sentenzen in der Bibel aufmerksam. Auoh J. Fasching wies in Pfeifers Germania 22 S. 429 und 28 S. 34 unter Anderem auf einzelne alttestamentl. Verse hin. Wir wollen in dieser Schrift all die Stollen in Walthers Liedern bezeichnen, zu denen sich Parallelen im jüdisohen Schriftthum finden. Unserer Untersuchung haben wir den Text der zweiten Ausgabe Lachmanns zu Grunde gelegt. f, 13-18. Ein bosch der bran, da nie nibt an besenget noch verbrennet wart: breit unde ganz beleip sin glanz vor liuves flamme unverschart. Das Gedicht, der Leich genannt, dem diese Verse angehöreü, enthält eine stattliche Anzahl von Hin- Weisungen auf Erzählungen und Stellen der alttestamentlichen Schriften. So die Erwähnung des blühenden Stabes Ahrons (4, 4), der Ausdruck ״aufgehendes Morgenroth“ (4, 5) der dem hohen Liede (C. C. V. 9) angehört, die Nennung der Tempelpforte in Ezechiel (4, 6), die nicht geöffnet werden soll und der Wollschür des Gideon, auf die der Thau fiel (5, 20). Die obigen Verse sind eine dichterische Uebertragung des Satzes (Exodus 3, 2) ררא והנה הסנה בער באש והסנה איננו אכל »Er »&h den Busch im Feuer brennen, aber der Busch ward nicht verzehrt.“ 21 (>, 10—16. Sit got enheine sünde lät, die niht geriuwent zaller stant hin abo unz uf des herzen grünt, dem wisen ist daz allez kunt, ' daz niemer sele wirt gesunt, I diu mit der Sünden swert ist wunt. sin habe von gründe heiles funt. Dieser Gedanke i>׳t im rabbinischen Schriftthum! ein häufig vorkommender. Folgende Sätze kommen i denen des Dichters sehr nahe: טובה מרדות אחת כלבן ״ על אדם מכמה מלקיות ןBesser ist eine Selbstdemüthigung im menschlichen Herzen als manohe Züohtigung“ (Berachot p. 7). א״ר חמא בן חנינא גדורה תשובה שמביאה רפואה לעולם. ״E spricht R. Chama, der Sohn Chaninas: Wichtig ist die Busse, denn sie bringt Heilung (für die Wunden der Sünde) der Welt.“ (Joma 86.) א״ר לוי נדולה תשובה שמנעת עד כסא הכבוד. ״Es spricht R. Levi: Wichtig ist die Busse, denn sie steigt hinauf zum göttlichen Thron." (Das.) Der Ausdruck ״dem wisen ist daz allez kunt" dürfte vielleioht darauf hindeuten, dass der Diohter Kreise, die nicht zu seiner unmittelbaren Umgebung gehören, meint. 3) 8, 11—17. Deheinen rat kond ich gegeben, wie man driu dinc erwürbe, der Reines niht verdürbe diu zwei sint ere und varnde guot ן daz dicke ein auder schaden tutit I daz dritte ist gotes hulde, , der zweier übergulde. i Die erstrebenswerten Güter, die hier genannt werden, sind dieselben, die in den Sprüchen Salomons C. 3 V. 4 u. 16 als Gegenstände des höohsten Begehrens bezeichnet werden. ומצא חן ושכל טוב בעיני אלהים ואדם. ״Und du wirst Huld und Wohlgefallen vor Gott und Menschen finden.בשמאולה עשר וכבוד. ״ ״In ihrer Linken ist Ehre und Reichthum." ' 4) 8, 19—22. Jä leider desn mac niht gesia! daz guot und weltlich ere und gotes hulde mere zesameae in ein herze körnen. Diese Zeilen erinnern an den rabbinischen Aussqruoh: .לא כל אדם זוכה לשתי שלחנות ״Nicht jeder Mensch kann zwei Tische erwerben (d. h. irdisohe Güter und göttliche Huld). (Berachot p.5.) 5) 8, 36—9, 1—7. Daz wilt und daz gewürme die slritent starke stürme, sam tuont die vogel under in. wan daz sie liabent einen sin: si.dühten sich ze nihte, si enschücfen stark gerihte. si kiesent künege und reht, si setz ent börren unde knelit. Die Vorstellung, dass in der Thierwelt Herrschaft und Königlhum vorhanden sind, findet sich auch im; Talmud (Chagiga 13) מלך שבחיות ארי מלך שבבהמות שור מלך שבעופות נשר.